Nause macht Bern mediterraner

Bern

Der Berner Gemeinderat lockert aufgrund einer Motion der SVP die Leitlinien für Wirtschaftsgärten und Mobiliar im öffentlichen Raum. Dies ermöglicht, dass künftig zum Beispiel auch auf dem Münsterplatz Gastronomiebetriebe geführt werden könnten.

«Es könnte heissen, dass auch auf dem Münsterplatz ein Gastrobetrieb eröffnet werden könnte», sagt Nause zur Anpassung der Leitlinien.

«Es könnte heissen, dass auch auf dem Münsterplatz ein Gastrobetrieb eröffnet werden könnte», sagt Nause zur Anpassung der Leitlinien.

(Bild: Susanne Keller/Fotolia/Montage BZ)

Ralph Heiniger

Public Viewing, Strassencafés und Beach-Landschaften mit Meeressand gehören heute zum urbanen Sommer in Bern. Das Leben in der Stadt findet immer mehr draussen, im öffentlichen Raum, statt. Als «Mediterranisierung» wird dieser Trend populärwissenschaftlich bezeichnet.

Doch gegen eine weitere Mediterranisierung sprechen heute die Leitlinien für Wirtschaftsgärten und Mobiliar der Stadt Bern. So sind zum Beispiel Buffets und Baranlagen auch auf bewilligten Aussenbewirtschaftungsflächen verboten. Ein Unding, findet SVP-Stadtrat Roland Jakob und verlangte in einer Motion, diese Leitlinien anzupassen. «Die Gastrobetriebe der Stadt Bern warten schon lange auf eine Liberalisierung», so Jakob. «Dies auch, um den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten gerecht zu werden.»

«Liberalisierung mit Mass»

Der Gemeinderat hat auf die SVP-Motion reagiert und die Leitlinien angepasst. Dies teilweise im Sinne des Motionärs. Der zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP) spricht von einer Liberalisierung mit Augenmass.

Er begrüsse den Trend zur Mediterranisierung, sagt Nause. «Dass sich die Leute draussen treffen und draussen verweilen, ist für mich Ausdruck urbaner Lebensqualität.» Heute sei die Aussenbestuhlung von zentraler Bedeutung für jeden Gastrobetrieb. In den letzten Jahren gab es gerade bei der Aussenbestuhlung bereits ein markantes Wachstum. Doch wenn die neuen Leitlinien in Kraft treten, hätten die Gastrobetriebe mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel sind Buffets und Baranlagen gemäss den neuen Leitlinien nicht mehr tabu.

Leben vor dem Münster

Doch was bringen diese Neuerungen? Was ermöglicht es, wenn Buffets auf einmal erlaubt sind? «Es könnte heissen, dass auch auf dem Münsterplatz ein Gastrobetrieb eröffnet werden könnte», sagt Nause – eine langjährige Forderung der GLP. Vor dem Münster ist die Distanz zwischen den infrage kommenden Gastrobetrieben und dem Platz zu gross, als dass eine Aussenbestuhlung ohne Buffet sinnvoll betrieben werden könnte. Auch der Loryplatz oder der Stauffacherplatz – auf dem die Gelateria die Berna ja zwischenzeitlich ohne Bewilligung gewirtet hatte – kämen so für eine gastronomische Nutzung infrage, so Nause.

Die Erlaubnis für Barelemente bringe weitere Vorteile für die Gastronomie: «Das könnte zum Beispiel das Erscheinungsbild der Aarbergergasse verändern», erklärt Nause. Möglich wäre eine lange Theke, wie zum Beispiel in der Basler Steinenvorstadt.

Typische Opposition

Wenn es um mehr Gastrobetriebe im öffentlichen Raum geht, gibt es traditionell Opposition aus zwei Lagern. Zum einen von der Seite der Denkmalschützer, zum anderen von links aussen.

Ein Gastronomiebetrieb auf dem Münsterplatz sei keine Gefahr für das Unesco-Weltkulturerbe, findet Nause. «Wir reden nicht vom gesamten Platz, sondern nur von einem Teil. Ich sehe nicht ein, wieso man das Münsterportal an einem Tisch mit einem Café nicht mehr geniessen könnte.» Auch ist der Gemeinderat nicht der Meinung mit seiner Liberalisierung die viel zitierte Kommerzialisierung des öffentlichen Raums zu fördern. «Es gibt Tausende von Möglichkeiten in Bern, ohne Konsumzwang im öffentlichen Raum zu verweilen.» Am ersten August werden die neuen Leitlinien für Wirtschaftsgärten und Mobiliar in Kraft treten. Vom einem Tag auf den anderen wird sich aber nichts ändern. Jedes einzelne Projekt muss überprüft werden und bedarf je nachdem der Zustimmung des Gemeinderates. Auch die ästhetischen Anforderungen (siehe Zweittext) bleiben unverändert. «Es wird keinen Wildwuchs geben», verspricht Nause.

SVP: «Mehr erwartet»

SVP-Stadtrat Roland Jakob, der die Anpassung angestossen hatte, ist mit der Lockerung des Gemeinderates nur teilweise zufrieden. «Ich hätte mehr erwartet», so Jakob. Er habe mit seinem Vorstoss die Bedürfnisse der Gastrobetriebe aufgenommen. Dazu gehörten eben auch das Aufstellen von Containern und das Betreiben von angemessenen Lichtanlagen, wie es in seiner Motion heisst. Aus Sicht des SVP-Politikers ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. «Wir werden uns weiter für die Gastrobetriebe und die Kunden einsetzen», so Jakob.

Berner Zeitung

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