Nach der Hinrichtung lebte er weiter

Rüderswil/Bern

Blutig wurde es, als sich 1653 die Untertanen vom Land gegen die Berner Stadtherren auflehnten. 400 Jahre ist es her, dass der Emmentaler Bauernführer Niklaus Leuenberger in Rüderswil geboren wurde.

«Er starb für des Landes Freiheit und Wohlfahrt»: In Rüderswil erinnert ein Denkmal an die Taten von Bauernführer Niklaus Leuenberger. Matthias Künzi will nun dafür sorgen, dass anlässlich von Leuenbergers 400. Geburtstag Veranstaltungen stattfinden.

(Bild: Thomas Peter)

Philippe Müller

Rückblick in eine Zeit, in der Demokratie im Kanton Bern noch ein Fremdwort und das politische Klima bisweilen aufheizt war: Der Dreissigjährige Krieg war noch nicht lange vorbei. Zwar blieb die Eidgenossenschaft weitgehend verschont. Gerade die Landbevölkerung bekam die Folgen des Krieges aber zu spüren, etwa durch eine Abwertung des Berner Batzens durch die Regierung. Das erschwerte es den Bauern, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nicht nur die Untertanen im Emmental klagten deswegen, auch in anderen Regionen war um das Jahr 1652 langsam aber sicher Widerstand auszumachen. Bauern von Luzern bis Basel schlossen sich in der Folge zu einem Untertanenbund zusammen. Zur wichtigen Figur im Bauernbund avancierte Niklaus Leuenberger aus Rüderswil. Unter seiner Führung sollte es gelingen, so die Idee, die Interessen der Landbevölkerung in Bern durchzusetzen. Dass dies in einer blutigen Schlacht münden würde, malte sich zu diesem Zeitpunkt noch niemand aus.

Er wollte den Frieden...

Niklaus Leuenberger wurde um 1615 – also vor 400 Jahren – auf dem Hof Schönholz in Rüderswil geboren. Er gehörte zur bäuerlichen Oberschicht und war ab 1643 Mitglied des Landgerichts Ranflüh. Nachdem er im April 1653 an der Landsgemeinde in Sumiswald zum Obmann des Bauernbundes gewählt wurde, zog er im Mai mit einem Bundesheer nach Bern und bezog dort vor den Toren der Stadt Position. Bauernführer Leuenberger wird nachgesagt, dass er mit Friedensabsichten nach Bern reiste und in diesem Moment alles versuchte, damit die Ruhe bewahrt wurde. Ihm werden in der Geschichtsschreibung keine primär kriegerischen Absichten unterstellt.

Auf die Stadtherren von Bern muss dies jedoch anders gewirkt haben, zumal Bern damals rund 9000 Einwohner hatte und zu diesem Zeitpunkt von 10'000 bis 12'000 Bauern belagert wurde. Die Gnädigen Herren verhandelten tatsächlich mit den Bauern, am Ende unterzeichneten sie gemeinsam mit Niklaus Leuenberger den Vertrag vom Murifeld. Offiziell wurde am 18.Mai 1653 der Frieden zwischen Stadtherren und Landbevölkerung ausgerufen.

...und bekam den Krieg

Doch es stellte sich bald heraus, dass die Stadt den Bauern die Rebellion übel nahm: Kaum hatte sich der Bauernbund aufgelöst, weil ja der Konflikt beigelegt schien, schlugen die Stadtherren mit aller Wucht zu. Aufständische Dörfer wurden geplündert und Rädelsführer der Bauernbewegung ermordet. Bauernkönig Niklaus Leuenberger wurde wegen Landesverrats gevierteilt, seine Körperteile wurden an den vier Landstrassen vor Bern ausgestellt. Obwohl ihm das Leben genommen wurde, lebte Leuenberger weiter – und zwar in den Köpfen der Leute. Er hatte ein wichtiges Stück Schweizer Geschichte geprägt. Ihm zu Ehren steht heute in der Gemeinde Rüderswil ein Denkmal.

Ein eigenes Bier

Einer, der will, dass Leuenbergers Taten immer wieder in Erinnerung gerufen werden, ist der Berner Matthias Künzi. Der 43-jährige Wirtschaftsinformatiker setzt sich dafür ein, dass anlässlich des 400. Geburtstags des Bauernführers dieses Jahr die eine oder andere Veranstaltung durchgeführt wird. «Ich finde, wenn jemand wie er für seine Überzeugung sein Leben lässt, muss das gewürdigt werden.»

Künzi, der sich von jeher für Berner Persönlichkeiten interessiert und 2010 bereits Impulsgeber für das Franz-Schnyder-Festival in Burgdorf gewesen war, hat vor wenigen Tagen beim Rüderswiler Gemeindepräsidenten vorgesprochen. «Er zeigte sich interessiert und will nun abklären, was sich realisieren lässt.» Künzi selber hat einen ganzen Katalog zusammengestellt mit Ideen. Unter anderem schwebt ihm ein Umzug bis vors Berner Rathaus vor. Er will nun seine Vorschläge mehreren Institutionen präsentieren.

Einen Erfolg kann Künzi bereits verbuchen: Wie bereits anlässlich des Schnyder-Festivals, als sie den Filmemacher mit einem eigenen Bier ehrte, wird die Burgdorfer Gasthausbrauerei auch dieses Mal aktiv. Sie wird Ende Januar ein Saisonbier lancieren, das dem Bauernführer Niklaus Leuenberger gewidmet sein wird.

Quellen: u.a. Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls-dhs-dss.ch.

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