Nach 22 Jahren in den Ruhestand

Frienisberg

Therese und Beat Bigler haben das Wohn- und Pflegeheim Frienisberg 22 Jahre lang geführt. Ende Monat gehen sie in Pension. Beide verlieren damit viel, wie sie betonen. Schliesslich haben sie selbst auch im Heim gewohnt.

Abschied nach 22 Jahren: Das Direktorenpaar Beat und Therese Bigler verlässt das Wohn- und Pflegeheim Frienisberg.

Abschied nach 22 Jahren: Das Direktorenpaar Beat und Therese Bigler verlässt das Wohn- und Pflegeheim Frienisberg.

(Bild: Beat Mathys)

Ralph Heiniger

Ein Rundgang mit Beat und Therese Bigler durch ihr Wohn- und Pflegeheim Frienisberg dauert eine Weile. Fast jeden Bewohner oder Mitarbeiter grüssen sie per Handschlag, fragen nach dem Wohlbefinden und wissen bei allen eine Anekdote zu erzählen. Der Frienisberg ist für beide eine Herzensangelegenheit. Die letzten 22 Jahre hat das Ehepaar – er als Direktor, sie als seine Stellvertreterin und Direktionsassistentin – hier gearbeitet und gelebt. Im August übernimmt ein neues Führungsduo (siehe Kasten), Biglers ziehen aus und gehen in Pension.

Ein Kompetenzzentrum

«Wir verlieren sehr viel», sagt Therese Bigler. «Wir haben all die Jahre hier gewohnt und gearbeitet. Unsere Freunde und Bezugspersonen sind hier in Frienisberg.»

Das Heim hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Heute verfügt es über 250 Plätze und 340 Mitarbeiter (235 Vollzeitstellen). Früher hatte der Frienisberg den Ruf einer Alterszuflucht für mittellose Knechte. Heute gilt er in Fachkreisen als nationales Kompetenzzentrum für Pflege und Betreuung. «Früher wollte fast niemand aus den umliegenden Gemeinden auf den Frienisberg. Heute möchten fast alle – die auf ein Wohn- oder Pflegeheim angewiesen sind – zu uns», sagt Bigler. In 19 Wohngruppen leben betagte, pflegebedürftige, geistig oder körperlich behinderte Menschen. Die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren saniert und entspricht modernsten Anforderungen.

Helfen als Antrieb

Vor seinem Engagement im Heim war Beat Bigler Adjunkt in der Strafanstalt Thorberg und Leiter der Anstalten St.Johannsen. Es gibt Bewohner auf dem Frienisberg, die ihn bereits in diesen Funktionen gekannt haben. «Ganz normale Menschen haben mich nie besonders interessiert», sagt Bigler. Genugtuung findet er bei seiner Arbeit, wenn er kranken oder – wie er es mit einem Augenzwinkern ausdrückt – verhaltensoriginellen Menschen helfen kann. Seine Augen funkeln, wenn er über Bewohner berichtet, die in anderen Heimen als nicht tragbar galten, sich aber auf dem Frienisberg in die Gesellschaft einfügen.

Safari und Uni

Die Biglers haben bereits gepackt. Auch wenn sie eine Lebensaufgabe hinter sich lassen, freuen sie sich doch auf die Zukunft. Ein gemeinsamer Urlaub steht vorläufig nicht an. Therese Bigler liebäugelt zwar mit einer Safari. Beat Bigler hingegen will eine Weiterbildung an der Uni Bern machen. Zudem ist er seit kurzem Verwaltungsratspräsident des Nationalen Pferdezentrums in Bern.

Den Frienisberg wollen die beiden auch künftig besuchen –nicht zuletzt, weil Therese Biglers Mutter hier wohnt. Der scheidende Direktor: «Ich werde meinem Nachfolger aber nicht dreinreden.»

Berner Zeitung

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