Musliminnen turnen unter sich

Wabern

In der Turnhalle des Dorfschulhauses in Wabern werden sich inskünftig muslimische Frauen treffen um gemeinsam Sport zu treiben. Die Idee dahinter: Sich ohne Kopftuch und Männerblicke bewegen.

Nicht hinter Gittern, jedoch geschützt vor Männerblicken sollen im Dorfschulhaus Wabern muslimische Frauen inskünftig turnen können.

Nicht hinter Gittern, jedoch geschützt vor Männerblicken sollen im Dorfschulhaus Wabern muslimische Frauen inskünftig turnen können.

(Bild: Stefan Anderegg)

«Die Turnhalle ist geschützt vor Blicken von aussen », heisst es in der Ausschreibung für den Frauensport auf der Website des islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS). Geleitet werde das Turnen von zwei Muslimas «mit viel Erfahrung im Sportbereich.»

Angeboten wird bewegungswilligen Musliminnen ein vielfältiges Sportprogramm, vorwiegend mit Ballspielen (Basket, Völkerball, Hand- und Volleyball, aber auch Geräteturnen, Kraft- und Kondidionstraining. Das sportliche Vergnügen startet Ende April und kostet mit 15 Franken pro Monat äusserst wenig. Allerdings hätten sich bis jetzt «noch nicht so viele Frauen» angemeldet, sagt die Organisatorin Daniela Rickli. genaue Zahlen will sie aber keine nennen.

«Wie eine Trachtengruppe»£

Die Anfrage des IZRS sei bewilligt worden wie die von anderen Organisationen auch, sagt der Könizer Gemeinderat Ueli Studer (SVP). «Diese Frauen haben das Recht sich zu bewegen wie sie es für gut finden», sagt er und zieht den Vergleich mit einer Trachtengruppe, die sich ja auch entsprechend ihren Gepflogenheiten bewegen dürfe. Das Turnen muslimischer Frauen unter sich widerspreche dem Integrationsgedanken nicht, und Sport finde er etwas Positives, erklärt Studer weiter. Demgegenüber werde an den Könizer Schulen auf Integration gemäss den kantonalen Richtlinien geachtet. «Aber wie sich eine private, religiöse Organisation verhält ist grundsätzlich ihre Freiheit», so Studer. Das garantire die Religionsfreiheit.

Gegen Assimilation Auskunft über den Hintergrund des Frauenturnes gibt Qaasim Illi, Bereichsleiter Public Relations und Information IZRS. Ausser in Wabern soll demnächst auch in St. Gallen, Aarau und Zürich Turnen für muslimische Frauen angeboten werden. Dass sie sich nicht unter Männerblicken bewegen wollen, widerspreche dem Integrationsgedanken nicht, betont Illi. «Wir wollen die Integrati0n, aber nicht Assimilation.» Letzteres heisst soviel wie Verschmelzung. Diese sei nicht erwünscht, so Illi. «Unsere Sicht der Integration betrifft vor allem das Erlernen der Sprache sowie, sich in die Kultur einzuleben.» Die eigene Religion müsse gelebt werden. Dass Musliminnen nicht zusammen mit Männern Sport treiben wollen, müsse toleriert werden, findet Illi.

Problem: Wettkämpfe

«Wir ermöglichen den muslimischen Frauen, Sport zu treiben. Sonst würden sie es nicht tun.» Schliesslich hätten ja auch Schweizerinnen oft das Bedürfnis, unter sich zu sein. Dass das Sporttreiben hinter verschlossenen Türen die Teilnahme an Wettkämpfen erschwert, bestätigt Qaasim Illi. Er hat aber eine andere Optik: «Es sind die muslimischen Frauen, die ausgeschlossen werden», beklagt er und bezieht sich auf die Irakerin Sura Al-Shawk. Der 19-jährigen Basketballspielerin ist es verwehrt worden, während der Spiele ein Kopftuch zu tragen. Demgegenüber sei es nicht-muslimischen Frauen jederzeit erlaubt, am vom Islamischen Zentrum angebotenen Frauensport teilzunehmen. «An allen unseren Veranstaltungen heissen wir Nicht-Muslime willkommen», betont Illi. «Die Schweizer müssen lernen, mit dem Islam zu leben.»

Berner Zeitung

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