Bern

Mundart erhält schmucke Bühne

BernAm Samstag eröffnet das Theater Matte seine erste Saison. Die Macher des Freilichttheaters Gurten möchten dem Publikum im Berchtoldhaus in Zukunft qualitativ hochstehendes Mundart-Theater bieten.

Die Crew des Theaters Matte: (v.l.) Markus Maria Enggist, Annemarie Morgenegg, Fredi Stettler, Livia Anne Richard, Hank Shizzoe.

Die Crew des Theaters Matte: (v.l.) Markus Maria Enggist, Annemarie Morgenegg, Fredi Stettler, Livia Anne Richard, Hank Shizzoe. Bild: Urs Baumann

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Broncos-Loge im Berner Mattequartier: Ein paar Mitglieder der gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern sitzen betrübt an der Bar. Sie haben soeben erfahren, dass eine langjährige Mieterin ihres Berchtoldhauses an der Mattenenge, die Kirchgemeinde Bern, ausziehen möchte und das schöne Haus bald leer steht. «Da sollte man ein Theater machen», ruft jemand den Baugenossen über den Tresen zu. «Genau, das sollte Livia Anne Richard vom Freilichttheater Gurten machen. Die kann das», ruft ein anderer. Ein dritter Gast sagt: «Perfekt. Livia sitzt gerade da drüben.» «Das war genau vor einem Jahr», erinnert sich Hank Shizzoe, musikalischer Leiter des Theaters Matte. Kurz darauf habe Livia Anne Richard diese Neuigkeit Markus Maria Enggist erzählt, mit dem sie erfolgreich das Freilichttheater Gurten führt. Sie hätten sofort beschlossen, sich das Berchtoldhaus von den Baugenossen zeigen zu lassen.

Die Crew des Freilichttheaters Gurten gründete den Verein Theater Matte und erhielt das Berchtoldhaus zu fairen Mietbedingungen. «Die Baugenossenschaft war sehr glücklich, dass wieder ein Kulturbetrieb ins Berchtoldhaus kommt», sagt Hank Shizzoe. Da das neue Theater vorerst ohne Subventionen auskommen müsse, hätten sie sich ein Jahr Zeit gegeben, um das Berchtoldhaus umzubauen, Sponsoren, Gönner und Spendengelder für die Finanzierung zu finden, erzählt Shizzoe weiter.

100 Plätze mit Tribüne

Im Theatersaal des Berchtoldhauses hats Platz für 100 Personen. Auf der Bühne herrschen ein paar Tage vor der Premiere noch Chaos und Unordnung. Überall stehen Altpapierbündel herum. Leere Kartonkisten diverser Kücheneinrichtungsgeräte stapeln sich der Wand entlang. «Das gehört zum Bühnenbild unseres ersten Theaterstücks», beruhigt Regisseurin Livia Anne Richard lachend und setzt sich an einen Tisch, während drei Schauspieler mit einem Durchlauf des Stücks «Der Panther» beginnen, das am Samstag Premiere feiert.

Mit grosser Leidenschaft spielen die Darsteller die tragisch-komischen Szenen, in denen es um Geld, Erben und das Älterwerden geht. Livia Anne Richard schaut schweigend zu und macht kaum Notizen. «Die Regie ist gut, wenn man sie an der Vorstellung nicht mehr spürt, sonst hat sie ihren Job schlecht gemacht», meint Richard nach dem Durchlauf. «Wir haben in René Blum einen 76-jährigen Laienschauspieler als Hauptfigur», sagt die Regisseurin. Normalerweise sei das ein grosses Risiko, weil das Auswendiglernen von Texten im Alter nicht mehr selbstverständlich sei. «René macht das fantastisch. Er ist unser Doyen in der Edel-Amateurszene», findet Livia Anne Richard.

Das Theater Matte setzt den Schwerpunkt auf nahes, wahrhaftiges Theater mit hoher Aktualität und Authentizität. Auf Konzerte verzichtet es, «weil die Akustik hierfür nicht geeignet ist. Zudem gibt es in der Region genug Konzertlokale», erklärt Musiker Hank Shizzoe.

Berndeutsche Spezialitäten

Auf der Bühne des Theater Matte sind vorwiegend berndeutsche Stücke oder solche, in denen sich Mundart mit Hochdeutsch vermischt, zu sehen. «Wir möchten, dass in unserem Theater der Mensch im Zentrum steht. Die Leute sollen nicht leer nach Hause gehen. Wir versuchen, ihnen Inhalte zu geben, sodass der berühmte Funken von der Bühne zum Publikum springt», verrät Richard die Vision der Matte-Theater-Macher.

«WC-Bürschteli-Sorgen»

«Keiner aus unserem Team hat eine Kulturmanagerausbildung», erzählt Hank Shizzoe, aber jeder habe genug Erfahrung in der Szene gesammelt. Das Theater Matte funktioniere nach der Guerillataktik. Plötzlich tauche einfach ein neues Programm auf. Für endlose, clevere Businesspläne und Marketingstrategien hätten sie keine Zeit. «Wir wollen hier hart arbeiten und Spass an unserer Arbeit haben», sagt Shizzoe. Es gebe auch keinen Chef und keine Hierarchie. Jeder der fünf Leiter des Theaters Matte sei auf seinem Gebiet sehr kompetent und dort der Chef. Das Team sei eingespielt, weil es ja schon das Freilichttheater Gurten zusammen auf die Beine gestellt habe. Ihr gemeinsames Ziel sei leidenschaftliches Theater machen. Niemand habe Profilierungszwang und «mir schnure enang nid dry», was mit Respekt und Anstand untereinander zu tun habe und für einen KMU-Betrieb wie das Theater Matte ein Idealfall sei, so Livia Anne Richard.

In der Bar des Theaters hämmern und schrauben Markus Maria Enggist und Fredi Stettler noch letzte Einrichtungen an die Wand. Die Crew hat acht Tage vor der Eröffnung keine grösseren Sorgen. «Wir liegen im Plan», sagt Hank Shizzoe. «Es müssen noch ein paar WC-Bürschteli montiert und Beschriftungen angebracht werden», sagt der technische Leiter Markus Maria Enggist. Zur Not könne es morgen schon losgehen, ergänzt Hank Shizzoe. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2010, 08:51 Uhr

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