Mordfall in Bern: Hobby-Detektive ermitteln

Bern

Am Samstag fand in der Berner Innenstadt ein interaktives Kriminalspiel statt. Rund 30 Personen schlüpften in die Rolle der Ermittler und lösten einen inszenierten Mordfall.

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Die 22-jährige Vicky ist tot. Sie wurde am Samstag in der Wohnung ihrer besten Freundin in Bern erschossen aufgefunden. Ihr Freund und ihre Freundin stehen unter dringendem Tatverdacht. Ist es ein Beziehungsdelikt? Ist Eifersucht im Spiel, oder war es vielleicht doch ein Raubmord? Fünf Berner Ermittlerteams einer Sonderkommission wurden am Samstag auf den Fall angesetzt.

Doch kein Grund zur Aufregung: Der Mord ist nur gestellt, und es handelt sich dabei um ein Live-Krimi-Rollenspiel bei «Stadt-Krimi».

Nicht alle gehören zum Spiel

Nach einigen Informationen von der Spielleiterin Thea Seitz zu den gefundenen Beweisstücken schwärmen die rund 30 Hobbyermittler aus. Drei Stunden haben die Teams Zeit dazu, den Fall zu lösen – von Hektik keine Spur. In aller Ruhe wird die Fallakte unter die Lupe genommen, und erste mögliche Zeugen und deren Aufenthaltsort werden ausfindig gemacht. Er ist Raucher, und sie trägt einen roten Schal; das sind Hinweise, welche helfen sollen, die Personen in der Stadt Bern ausfindig zu machen.

Eine Frau vor einem Bücherladen sieht aus wie einer der gesuchten Zeugen. So verdutzt wie diese aber die Teilnehmer auf die Frage «13?» anblickt, gehört sie wohl nicht zum Spiel. Denn 13 ist das Codewort, worauf die Statisten «bei Tisch» antworten. So soll man herausfinden, ob es sich um Passanten oder doch um Schauspieler handelt. An gesuchter Stelle ist aber keine Zeugin zu finden. Ratlos blicken die Ermittler in die Gegend. Was nun? Wer trotz den bestehenden Hinweisen keinerlei Ahnung hat, der kann per Telefon die Berner Spielpolizeizentrale zu Rate ziehen. Diese hat möglicherweise mehr Indizien gefunden, die weiterhelfen könnten. Doch in dem Moment ist das nicht nötig.

An einer Regenrinne entdecken die Jungdetektive einen QR-Code. Eine Verschlüsselung, die ganz einfach mit dem Smartphone und der dazu benötigten App, QR-Scanner, decodiert werden kann. Der Code enthält Aussagen der gesuchten Zeugin. Die Spuren führen kreuz und quer durch die Stadt, zu verschiedenen Restaurants, Brücken, Kirchen oder auch dem Bahnhof.

Wer sagt die Wahrheit?

Aufgelöst auf einer Kirchenbank sitzt die beste Freundin des Opfers. Als sie das Kriminalteam entdeckt, wagt sie einen Fluchtversuch, dieser endet jedoch in den Armen der Ermittler. Die Verdächtige redet sich um Kopf und Kragen und wirkt sichtlich nervös. Hat sie ein Alibi? Kann man ihr glauben, oder lügt sie wie gedruckt? Für die Fahnder eine schwierige Aufgabe, denn die Schauspielerin verkörpert ihre Rolle gut. Trotzdem können die Detektive einige Informationen aus ihr herauspressen, die zu einem weiteren Beweisstück in der Umgebung des Bahnhofs führen. Hier muss die Polizeizentrale helfen, denn das Team braucht eine Analyse der Fingerabdrücke, die sich darauf befinden.

Die Indizien häufen sich, aber einig ist man sich über den Täter und das Motiv noch immer nicht.

Der Aha-Moment

Während eines Brainstormings in einem Café bricht die letzte Stunde an. Die Gemüter der Teilnehmer werden langsam hektisch. Da klingelt plötzlich das Telefon. Ein Hinweis von der Zentrale zu einer verdächtigen Person. «Zahlen bitte!» Wie von einem Schwarm Bienen gestochen rennen die Ermittler nun drauflos.

Nach Ablauf der drei Stunden treffen sich sämtliche Teams auf der Münsterplattform, wo die Spielleiterin bereits wartet. Nachdem sie sich alle Theorien der Gruppen angehört hat, löst sie den Fall auf. Dabei gibt es bei den einen den Aha-Effekt und bei den anderen den «Ha, wir haben es gewusst»-Moment. Das schnellste Team mit den detailliertesten Angaben zum Tathergang darf den Mörder in Handschellen abführen.

Berner Zeitung

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