Gurten

Molly macht mächtig Dampf

GurtenNach einem Jahr Bauzeit wurde am Sonntag Molly, die neue Dampflok der Kleineisenbahn, auf dem Gurten eingeweiht. Trotz Wollmützenwetter kamen viele kleine Gäste, um mitzufahren.

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«Da kommt sie, da kommt sie!» Um punkt zwölf Uhr dringen dichte Rauch- und Dampfschwaden aus dem Tunnelportal der Kleineisenbahn im Spielpark auf dem Gurten. Ein Schnauben und Zischen ertönt aus dem dunklen Loch, als ob ein Drache, gerade aus dem Winterschlaf erwacht, seine Glieder streckt und sich aufmacht, um den Berner Hausberg unsicher zu machen. Zuvorderst an der Strecke stehen die Kinder, gespannt, mit grossen Augen. Die Erwachsenen dahinter zücken das Handy, schauen durch die Kameras.

Und dann kommt sie wirklich. Schwarzgrün und glänzend schiebt sie sich langsam aus der engen Tunnelröhre. Noch von Tüchern bedeckt, der Platz an der Seite, wo, so kann man erahnen, ihr Name steht, dreht sie eine kurze Runde und stoppt dann im Bahnhof der Kleinbahn.

Hier warten die Gäste. Mittendrin an diesem Sonntagmittag der Könizer Gemeinderat Urs Wilk, nicht wie anno dazumal mit Zylinder, aber doch, wie immer, mit Hut. Er hat die Ehre, die Lok zu taufen. Und wie soll sie heissen? Wilk macht es nicht allzu spannend – die Kleinen wollen losfahren. «Ich taufe dich auf den Namen Molly. Auf dass du noch manche Runde auf dem Gurten fahren kannst und noch manche kleinen und auch grösseren Kinder glücklich machst.»

Molly also, benannt nach der kleinen Lok aus Michael Endes Kinderbuch «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer», sendet ihren ersten schrillen Pfiff über den Gurten. Dann gehts los zur Jungfernfahrt. An den Ventilen Lokomotivführer David Lörtscher, auf den Wägelchen so viel Kleine, wie nur eben Platz finden.

20 Kilo Kohle am Tag

Wer nun aber meint, eine solche volle Ladung bringe Molly ausser Atem, der täuscht sich gewaltig. Denn der 500-Kilo-Brocken hat mächtig Dampf unter der Haube. «Mit ihren fünf PS zieht sie locker drei Tonnen», sagt Charles Ball, Chef der Balson AG in Stein am Rhein. Dort ist Molly als vierte ihrer Art in den letzten eineinhalb Jahren entstanden. Sie ist ein originalgetreuer Nachbau im Massstab 1 zu 3,5 einer Plantagen- und Grubenlok der Maschinenfabrik Hohenzollern in Deutschland.

Beheizt wird ihr 36-Liter-Kessel, wie beim Vorbild, mit Kohle. Dabei ist sie recht sparsam im Verbrauch. «Für die 40 bis 50 Fahrten an einem guten Sonntag brauchen wir etwa 15 bis 20 Kilo Kohle», sagt Simon Heim, Leiter des Spielparks auf dem Gurten. Bei einer Streckenlänge von 700 Metern kommt da ganz schön was zusammen. In einem Jahr wird Molly wohl bereits 3000 Kilometer auf ihrem schwarzen Buckel haben. Dabei befördert sie, gemeinsam mit ihren Kolleginnen zwischen 80000 und 120000 kleine Passagiere.

Damit sie das auch unbeschadet aushält, steckt unter ihrer historischen Aussenhaut moderne Technik. «Besonders bei den Verschleissteilen setzen wir auf hochwertige, aber relativ günstige Industrieteile», sagt Charles Ball. Das macht Molly unkompliziert und günstig im Unterhalt. Aussenrum ist Molly aber grossteils in Handarbeit entstanden. Das hat natürlich seinen Preis: Rund 80000 Franken kostet das neue Dampfross. Finanziert wurde die gewichtige Neuanschaffung von der Stiftung Park im Grünen und dem Migros-Kulturprozent.

So viel für die Technikfreaks. Aber wie gefällt den Kleinen die neue Lok?

Die Kleinen freuts

Jacopo Lilliu aus Bern ist an diesem Sonntag zum ersten Mal auf dem Gurten. Der Zweijährige hat besonders an der Fahrt durch den Tunnel seine Freude. Patrice Stampfli aus Ostermundigen hingegen war schon oft hier oben. Und jetzt darf die fast Zweijährige zuschauen, wie Molly zum ersten Mal eingeheizt wird. Auch auf der Jungfernfahrt ist sie mit dabei. Damit ist ihre Abenteuerlust aber noch lange nicht gestillt. «Jetzt diese», ruft sie immer wieder, und zeigt auf die elektrobetriebene Zermattbahn.

Technikbegeistert ist auch der fast Zehnjährige Samuel Grosz. Er ist extra wegen Molly mit seinem Vater aus Biel gekommen. Im Juni möchte er hier auf dem Gurten seinen Geburtstag feiern. Er und seine Freunde werden Molly wohl ganz schön unter Dampf setzen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.03.2013, 06:48 Uhr

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