Mobility-Pricing bleibt in Bern umstritten

Einmal mehr zeigte sich am Donnerstag: Der Berner Stadtrat liebt es zu diskutieren.

«Mobility-Pricing» sorgte für eifrige Diskussionen im Stadtparlament.

(Bild: Christian Pfander)

Wer regelmässig mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit fährt, der weiss: Bus, Zug und Tram sind oft überlastet, freie Sitzplätze sind zu Stosszeiten Mangelware. Um diese Verkehrsspitzen zu glätten, lancierte der Bund 2016 ein Pilotprojekt um in verschiedenen Regionen das sogenannte «Mobility-Pricing» zu testen. Dabei wären die Kosten von Strecke und Zeit abhängig. Wer oft während den Stosszeiten unterwegs ist, zahlt entsprechend mehr.

Es handelt sich um ein häufig diskutiertes Konzept mit vielen Vor- und Nachteilen. Auch die Stadt Bern beschäftigte sich schon mehrfach mit dem Thema – laut SP-Stadträtin Ingrid Kissling-Näf schon seit über 14 Jahren. Und dennoch: Wie sich donnerstags zeigte, sind die Berner Stadträte der Diskussion noch lange nicht überdrüssig.

Auf der einen Seite sprachen sich die grün-roten Parteien für das Konzept aus; es sei eine gute Möglichkeit, die ständig wachsende Mobilität zu steuern und die externen Kosten, etwa für Lärm- und Luftverschmutzung, miteinzubeziehen. Auf der anderen Seite stellten die rechten Parteien Mobility-Pricing als unfair dar. Insbesondere Menschen mit geringem Einkommen würden dadurch gestraft werden.

Das Traktandum zog sich gar so weit in die Länge, dass GFL-Stadtrat Patrik Wyss mittendrin einen Ordnungsantrag stellte, um nicht noch weitere Einzelredner zuzulassen. Ein Vorschlag, der mit deutlicher Mehrheit angenommen wurde.

Besonders absurd an der Diskussion: Der Bund hat sein Pilotprojekt wegen mangelndem Interesse bereits wieder eingestellt. Eine Teilnahme Berns wäre also ohnehin nicht möglich. Die Abstimmung zum Schluss war daher eher pro forma. Immerhin: Die Mehrheit des Rats möchte das Potential von Mobility-Pricing weiter prüfen.

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