Mittagspause

Warum Bäckereien in der Mittagspause besser gemieden werden sollten.

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Die Mittagspause war mir schon immer ein notwendiges Übel. Alles ist immer so zwanghaft zwanglos. So unentspannt entspannt. Sie ist einfach zu kurz dafür, sie wirklich geniessen zu können. Und: Menschen, überall Menschen! Deshalb esse ich meist nur etwas Kleines. Sehr zweckmässig – oft im Stehen. Letztens aber machte ich den Fehler und ging in eine Bäckerei. Vorhang.

In vier Reihen stehen die Leute vor der Theke. Sie halten ihre Behältnisse an die Brust gedrückt, zwischen den Fingern klemmen die Portemonnaies. Es gibt kein Durchkommen. Ich zwänge mich zwischen zwei schnatternden Bürofräuleins durch zum Kühlregal. Dann schiebe ich mich zwischen einem Krawattenträger und einem Mann mit Velohelm vorbei, um mich hinter zwei Teenagern einzureihen.

Derweil schwingt die Türe immer wieder auf, was zu wellenartigen Bewegungen in der Masse an Leuten führt. Mal spüre ich ein Knie in meiner Kniekehle, dann tritt mir jemand auf den Fuss. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich an der Kasse.

Im hinteren Teil des Ladens gibt es Tische. Ich setze mich an einen runden mit noch vier freien Plätzen und schaufle den exotischen Salat in mich hinein. Dazu trinke ich ein Rivella blau. Plötzlich bemerke ich zwei Frauen mit bunten Hosen und extravaganten Brillengestellen, die um meinen Tisch kreisen. Sie tigern um mich herum, haben dabei die Hände auf ihre Brust gelegt. Immer wenn ich hochblicke, schauen sie weg. Irgendwann stehe ich auf und gehe.

Als ich mich noch kurz umdrehe, stürzen sich die beiden Damen an den Tisch und säubern die Platte mit mitgebrachten Feuchttüchern. Menschen, überall Menschen! Vorhang.

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