Mit dem Töff in 60 Tagen um die Welt

Region Bern

Marc Suter hat einen Traum: Er will mit seinem Motorrad die Welt umrunden – und das in kurzer Zeit. Der 36-jährige Berner strebt nach einem neuen Weltrekord.

Mit seiner Yamaha startet Marc Suter am 1. Juni zu seiner Weltreise.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Mit seiner Yamaha startet Marc Suter am 1. Juni zu seiner Weltreise.

(Bild: Beat Mathys)

Er setzt seinen Helm auf. Er drückt einen Schalter. Die Lichter gehen an, der Motor röhrt. Und schon ist er mit seinem Töff um die Ecke gebogen.

Er, das ist Marc Suter. Der 36-Jährige hat sich etwas in den Kopf gesetzt: In drei Monaten bricht er mit seinem Motorrad zu einem Abenteuer auf. Suter geht mit seiner Maschine auf Weltreise. Er plant, alle Kontinente ausser der Antarktis zu durchqueren. Das alleine klingt nach einer Herausforderung, doch diese reicht dem Berner nicht. «Ich will den Weltrekord», sagt er. Dieser steht aktuell bei 72 gefahrenen Tagen und wird auch von einem Schweizer gehalten.

Das Töff-Virus

Suters Plan ist noch viel ambitionierter: In 60 Tagen den Globus umrunden, 36 Länder passieren. Dabei wird er 78'000 Kilometer zurücklegen, 55'000 davon auf seiner Yamaha, den Rest mit dem Flugzeug. An der Swiss-Moto, der Motorradmesse, die heute in Zürich beginnt, wird er sein Projekt vorstellen.

Wieso aber hat er diesen Rekord im Visier, nimmt sich nicht mehr Zeit dafür, die ganze Welt zu erkunden? «Erstens bin ein Wettkampftyp und zweitens habe ich genau diese zwei Monate frei, um die Umrundung zu schaffen», sagt er und lacht. Nach zehn Jahren, die er bei einer Firma für Schneeketten im Aussendienst tätig gewesen ist, sei die Auszeit verbunden mit diesem Abenteuer genau das Richtige.

«Ich habe genau diese zwei Monate frei, um die Umrundung zu schaffen.»Marc Suter

Seit drei Jahren beschäftigt sich Suter mit seinem Vorhaben. Viel gab es im Vorfeld zu organisieren und zu planen und abgeschlossen sind die Vorbereitungen noch nicht. Wo braucht er ein Visum, wie gelangt er über die verschiedenen Landesgrenzen, wo befinden sich Tankstellen für sein Motorrad, wo kann er Reservematerial deponieren lassen, um seine Reifen zu wechseln? Das waren nur einige der Fragen, die sich der gelernte Landschaftsgärtner stellen musste.

Schon viel länger begleitet Marc Suter die Leidenschaft fürs Töfffahren. Aufgewachsen in Worblaufen und Aarberg, sass er als kleiner Junge hinten auf der Maschine mit seinem Vater. «Sobald ich alt genug war, habe ich den Fahrausweis gemacht.» Das Töff-Virus habe ihn seither nie auch nur für eine Sekunde losgelassen.

1100 Kilometer pro Tag

Das Gerüst seiner Reise und die Eckdaten hat Suter schon lange zusammengetragen. Am 1. Juni wird der 36-Jährige in seinem Zuhause in Diesse im Berner Jura seine Maschine besteigen und am ersten Tag bis nach Malmö in Schweden reisen. Das sind knapp 1300 Kilometer. Im Durchschnitt will der Töfffahrer rund 1100 Kilometer pro Tag auf seiner Reise zurücklegen. Er weiss aber, dass er durch Gebiete fahren wird, wo er an einem Tag nicht so viele Kilometer abspulen kann. «In Sibirien oder Teilen Afrikas werde ich wohl nicht viel mehr als 500 pro Tag schaffen.»

Mit dem Motorrad um die Welt: Die Route von Marc Suter.
(Grafik mrue/Quelle: globe-adventurer.com)

Suter hat sich darauf eingestellt, jeweils 15 oder mehr Stunden auf seinem geliebten Töff zu verbringen. Angst vor dem Alleinsein hat er nicht. «Man kann auch mit seinem Töff sprechen, das ist kein Problem», sagt er und schmunzelt. Damit es nicht unbequem wird, hat er den Sattel mit einem Schaffell überzogen. «Das ist weich und dient entweder als Klimaanlage oder als Heizung, je nach Temperatur.»

Zu den über 250 Kilogramm seiner Yamaha wird Marc Suter über 100 Kilogramm Gepäck auf die Reise mitnehmen. Werkzeug, Ersatzreifen und Kleidung für Temperaturen zwischen minus 5 und plus 40 Grad. Und auch Kanister für das Ersatzbenzin dürfen nicht fehlen. «Die längste Distanz ohne Tankstelle werde ich in Sibirien antreffen, dafür reicht aber der Tank des Motorrads.» In Afrika sind ausserdem nicht alle Tankstellen aufgelistet. «Ich rechne damit, dass ich mich ab und zu auch bei Privaten ausrüsten kann, die Benzin in PET-Flaschen vor ihrer Haustür verkaufen.»

«Du spinnst»

Der Berner hat sich im Vorfeld seines Abenteuers auch intensiv mit der Technik seines Motorrads auseinandergesetzt. «Ich muss wissen, wie was funktioniert, damit ich falls nötig etwas flicken kann», sagt er. Bedenken, dass sein Plan wegen einer Panne nicht aufgehen könnte, hat Marc Suter aber nicht. «Natürlich, es kann immer etwas schiefgehen, wirklich voraussehbar ist nur ein kleiner Teil meiner Reise.» Sorgen bereiten ihm einzig die Flugformalitäten, weil er seinen Töff jeweils verladen muss, um über die Weltmeere zu fliegen. «Wenn da das Timing mit einem Flug nicht stimmt, kann es schnell eng werden.»

Auf der Weltreise wird der 36-Jährige auch einige unsicherere Gebiete der Erde durchqueren, Nigeria oder Algerien zum Beispiel. Angst um seine Sicherheit hat er keine. «Ich reise mit einem GPS-Tracker, der alle zwei Minuten meinen Standort weitergibt und allenfalls ein Notfallsignal senden kann.» Ausserdem hat Suter Erste-Hilfe-Kenntnisse von einem Militäreinsatz in Kosovo. «Und ich zähle auf die Gastfreundschaft der Welt», sagt er lachend. Er hofft beispielsweise auf einige Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs. Ansonsten will er in seiner gedeckten Hängematte schlafen – auch um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. 36'000 Franken hat Suter für seine Reise budgetiert.

«Du spinnst.» Das hat Suter schon einige Male gehört, wenn er von seinem Unterfangen erzählt. «Da geb ich allen recht!»

Berner Zeitung

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