Bern

Mit Handicap zur funkelnden Krone

BernAus der Traum: Keine der drei Bernerinnen Anja Reichenbach, Anita Scherrer und Monika Liechti ist zur Miss Handicap gekürt worden. Neue Botschafterin für Menschen mit körperlichen Behinderungen ist die Thurgauerin Jasmine Rechsteiner.

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Aufregung in der Garderobe der Miss-Wahl Kandidatinnen: Während sich der Kursaal Bern mit Zuschauern füllt, wird das Makeup der Schönen ein letztes Mal aufgefrischt. Stylistin Luisa Rossi ermahnt Anita Scherrer (22) aus Aegerten, sich die Haare frisieren zu lassen. Die 21-jährige Zollikoferin Anja Reichenbach geht im Kopf nochmals die Choreografie durch. Zwischen Kleiderstangen, Spiegel und Schuhreihen stehen Rollstühle. Neben den Rollstühlen liegen Nougat und Prune, zwei Blindenhunde. Die zwölf Frauen, die sich in dieser Samstagnacht von ihrer schönsten Seite zeigen, sind die Kandidatinnen für den Titel Miss Handicap 2010.

Gelassenheit vor der Wahl

Scherrer und Reichenbach sowie Monika Liechti aus Konolfingen (22) sind kurz vor dem Auftritt gelassen und zu Spässen aufgelegt: «Jetzt können wir ja keinen Rückzieher mehr machen, oder?» sagt Reichenbach, die beinahe blind ist. Auch wenn sie Konkurrentinnen sind: «Wir haben uns angefreundet, alle zwölf», sagt Scherrer. Sie leidet an Spina Bifida und sitzt im Rollstuhl. «In der Gruppe helfen sich alle gegenseitig. Aber gewinnen will natürlich trotzdem jede», sagt Anja Reichenbach. Moderator Christian Franzoso eröffnet mit der Initiantin der Wahl, Michelle Zimmermann, den Abend. «Als Teenager hätte ich gerne an einer Miss-Wahl teilgenommen. Doch meine Hautkrankheit machte dies unmöglich», erzählt Zimmermann. Plötzlich sei die Idee entstanden, eine Wahl zu veranstalten, bei der es um mehr als nur perfekte Masse gehe. Sie machte sich an die Realisierung einer Wahl, an welcher eine Botschafterin für Menschen mit körperlichen Behinderungen gekürt werden sollte. Dann, im Oktober 2009, wurde mit der gehörlosen Corrine Parrat, die erste Miss Handicap gewählt. «Für mich ist diese Wahl ein Märchen, das Realität geworden ist», sagt Zimmermann.

Die Bernerinnen scheiden aus

Schliesslich ist der Moment da, dem die Frauen seit Monaten entgegen gefiebert haben. Unter den Augen von tausend Zuschauern betreten sie die Bühne. Sie zeigen eine Choreografie, jede in ihren Möglichkeiten, und erhalten tosenden Applaus vom Publikum und der Jury, in der unter anderen Miss-Schweiz-Organisatorin Karina Berger und der ehemalige Mister Schweiz, Renzo Blumenthal, sitzen. In Videoporträts zeigen sich die Frauen von ihrer persönlichen Seite und erklären, wie sie sich als Botschafterinnen für die Integration und Gleichstellung von Behinderten einsetzen wollen. Im Gegensatz zu diesen Videos sind die Fragen, die Moderator Franzoso den Frauen stellt, langweilig und nichts sagend. Nach der ersten Runde ist der Traum vom Miss-Titel für die drei Berner Kandidatinnen auf einen Schlag vorbei: Monika Liechti, Anja Reichenbach und Anita Scherrer erreichen das Finale nicht. Die Enttäuschung steht den drei Frauen ins Gesicht geschrieben. Strahlende Gewinnerin des Miss Handicap Titels 2010 wird Jasmin Rechsteiner. Die 29-Jährige aus dem Thurgau, die seit kurzem in Bern wohnt, leidet an einer Wirbelsäulenverkrümmung. In ihrer Videobotschaft hat die kaufmännische Angestellte gesagt, sie wolle sich vor allem dafür einsetzen, dass mehr Arbeitsplätze für behinderte Menschen geschaffen würden.

Als Vorgängerin Parrat der hübschen Frau die Krone aufsetzt, fehlen der sonst schlagfertigen Gewinnerin die Worte. Monika Liechti hingegen nicht: «Jasmin Rechsteiner hat den Titel verdient und wird eine tolle Miss Handicap.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.11.2010, 17:42 Uhr

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