Mit 1,5 Promille unterwegs

Schönbühl

Im Shoppyland lud das Internationale Blaue Kreuz zu einem «Rausch-Parcours» ein. Dank einer speziellen Brille erlebten Skicrosserin Sanna Lüdi und viele andere Interessierte, wie man sich mit 1,5 Promille Alkohol fühlt.

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«Ich habe es mir schon einfacher vorgestellt», lautet Sanna Lüdis Kommentar, nachdem sie den Parcours bewältigt hat. Die Skicross- Weltcupsiegerin aus Leimiswil ist beim «Rausch-Parcours» im Shoppyland Schönbühl als Moderatorin im Einsatz und motiviert viele Neugierige zum Mitmachen.

Eigentlich ist die Aufgabe recht simpel: Zuerst im Slalom rund um farbige Kegel gehen, dann eine einfache Zeichnung an die Tafel zeichnen und schliesslich zurück an den Start. Sanna Lüdi lacht. «Ich bin es zwar gewohnt, mir eine Strecke einzuprägen und diese nach Gefühl zu bewältigen.» Aber mit dieser Brille fühle man sich ziemlich hilflos – denn sie schränkt die Sicht ein. Ungefähr so, wie wenn man 1,5 Promille Alkohol intus hat.

Grosses Publikum

Bei der Aktion im Shoppyland handle es sich um ein Pilotprojekt, erklärt Christine Aebli, Kommunikations- und Medienverantwortliche des Internationalen Blauen Kreuzes (Blue Cross). Es gehe darum, Jugendlichen wie auch Erwachsenen den Einfluss von Alkohol und Drogen auf ihre Wahrnehmung näherzubringen. «Wir sagen nicht generell Nein zum Alkohol, sondern kämpfen vor allem in der Prävention für einen wirksamen Kinderschutz und verbindliche Regeln», sagt Aebli. Gerade in Afrika oder Indien wachse der Markt in grossem Ausmass. «Die Armut bringt viele Menschen dazu, mithilfe von Alkohol und Drogen vor der Realität zu flüchten.» Deshalb sei es wichtig, den Kontakt zu den Regierungen zu suchen und beispielsweise den Verkauf von Alkohol in Schulnähe zu unterbinden.

Christine Aebli ist vom Verlauf des Events im Shoppyland begeistert: «Wir können hier auf unsere Anliegen aufmerksam machen und die Blue-Cross-Angebote einem grossen Publikum bekannt machen», sagt sie.

Brandruine statt Haus

Sicher wird einigen Teilnehmern auch die Selbsterfahrung aus dem Parcours in Erinnerung bleiben. An das unangenehme Gefühl, wenn plötzlich die Orientierung zwischen den Kegeln fehlt, weil die Farben verschwimmen und diffuses Licht die Unsicherheit vergrössert. Dann die Überraschung, dass das gezeichnete Haus keineswegs tragende Wände hat, sondern eher an eine Bauruine erinnert. Oder, wie Weltcupsiegerin Sanna Lüdi feststellt: «Weshalb habe ich plötzlich Gummihände, die meterweit entfernt scheinen?»

Berner Zeitung

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