Mein Name ist… Gemeiner Holzbock

In der Rubrik «Mein Name ist…» stellen wir jeden Tag ein Tier vor, das in oder an der Aare lebt.

Die Hälfte der Zecken trägt den Borreliose-Erreger in sich, ein paar wenige auch ein Virus, das zu einer Hirnhautentzündung führen kann.

Die Hälfte der Zecken trägt den Borreliose-Erreger in sich, ein paar wenige auch ein Virus, das zu einer Hirnhautentzündung führen kann.

(Bild: iStock)

Schwimmst du gerne in der Aare? Ich schwimme auch gerne – und zwar in dir. Mit meinen beiden Kieferklauen ritze ich deine Haut auf. Dann schiebe ich die Klauen in dich hinein und führe sie zur Seite – wie du beim Brustschwimmen. Und beginne mit meiner Blutmahlzeit.

Ich weiss, du magst mich nicht. Und manchmal mache ich dich auch krank. Die Hälfte von uns Zecken trägt den Borreliose-Erreger in sich, ein paar wenige auch ein Virus, das zu einer Hirnhautentzündung führen kann. Doch da hast du halt Pech gehabt. Denn wir Gemeinen Holzböcke, die in Mitteleuropa häufigste Zeckenart, brauchen dein Blut. Um daran zu gelangen, lauere ich manchmal monatelang auf einer Pflanze an der Aare und warte darauf, dass du mit nackten Beinen an mir vorbeistreifst. Dann lasse ich mich auf dich fallen – und beginne zu saugen. Besonders aktiv bin ich im Frühling und jetzt im Herbst.

Du bist übrigens meistens das Dessert in meinem bis zu drei Jahre dauernden Leben. Die Vorspeise nehme ich ganz jung, als sechsbeinige Larve, zu mir. Dann hänge ich mich häufig an eine Maus, bis ich vollgesogen bin. Am Boden häute ich mich zu einer Nymphe mit acht Beinen und suche mir zur Hauptspeise oft nochmals ein Nagetier oder einen Vogel. Nach dieser Mahlzeit häute ich mich erneut und bin nun eine erwachsene Zecke. Nun lauere ich auf grössere Tiere. Auf einen Hirsch, auf deinen Hund. Oder eben auf dich. Dass du da bist, merke ich an deinem Atem oder deinem Schweiss.

Als Weibchen bin ich grösser als ein Männchen, nämlich bis zu vier Millimeter. Und anders als bei den Männchen ist mein Rücken nur zum Teil mit einem harten Schild bedeckt, damit ich in meinem dehnbaren Körper mehr Platz für dein Blut habe. Bis zu eineinhalb Zentimeter gross bin ich, wenn ich satt bin. Dann suche ich einen Partner. Doch manchmal findet mich bereits ein Männchen, wenn ich noch am Essen bin. Und begattet mich während der Mahlzeit. Danach kann ich mehrere Tausend Eier ablegen, bevor ich sterbe. Eier, aus denen Larven schlüpfen, die dir irgendwann wieder auflauern werden.

sar

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