Mehr Geld dank Kiesabbau

Köniz

Eine neue Überbauungsordnung soll den Kiesabbau im Wangental für die nächsten Jahre regeln. Am 14.Juni stimmt die Gemeinde darüber ab.

Umstritten: Der Gemeinderat zahlt auch das Serviceabo für die Lifttürme in Niederwangen aus der Kieskasse, das finden nicht alle richtig.

Umstritten: Der Gemeinderat zahlt auch das Serviceabo für die Lifttürme in Niederwangen aus der Kieskasse, das finden nicht alle richtig.

(Bild: Christian Pfander)

Lucia Probst

39'000 Franken waren es für eine neue Spielanlage beim Kindergarten Niederwangen. 10'000 Franken für einen Lernort in der Kiesgrube Oberwangen. Monatlich 900 Franken fliessen derzeit auch für die Miete der Ludothek in Niederwangen aus der Könizer Kieskasse ins Wangental.

Die Kasse ist eine Besonderheit. Es gibt sie seit rund zehn Jahren. Der aktuelle Kontostand beträgt 420'000 Franken, wie Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) ausführt. Es ist Geld, das der Kanton Bern der Gemeinde bezahlt. Und das nur für Projekte im Wangental verwendet werden darf. Eine Art Mehrwertabschöpfung. Denn dem Kanton gehört in Oberwangen ein wichtiges Abbaugebiet für die Kieswerk Messerli AG, die dort ein Werk betreibt.

«Als es darum ging, diese Kiesreserven zugänglich zu machen, insistierte die Gemeinde», sagt Studer. «Wir fanden, es könne nicht sein, dass wir nur die Lasten des Kiesabbaus tragen, wir wollten auch am Gewinn daraus teilhaben.» So entstand die Vereinbarung. Rund eine Million Franken Kiesgeld floss bis jetzt. Die jährlichen Beiträge variieren – je nachdem, wie viel Kies das Werk jeweils abbaut. Basis für die Berechnung ist ein fixer Tarif von 1,2 Franken pro Kubikmeter.

Regeln nicht sakrosankt

Am 14.Juni wird sich das Könizer Stimmvolk einmal mehr zu einer Kiesfrage äussern müssen. Diesmal geht es um den Oberwangenhubel, der als Abbaugebiet genutzt werden soll. Das braucht eine Zonenplanänderung. Dagegen wehren sich direkt betroffene Anwohner, die künftig zwischen Kieswerk und Abbaugebiet eingeklemmt leben müssten – ansonsten ist bis jetzt kaum Widerstand auszumachen. So hiess das Könizer Parlament die Pläne im März einstimmig gut.

2016 möchte die Messerli AG mit dem Abbau auf dem Oberwangenhubel starten – die Vorräte sollten rund zehn Jahre reichen. Und erneut Geld in die Kieskasse spülen. Mit rund 4,5 Millionen Franken rechnet die Gemeinde. Die Kiesgeld-Modalitäten seien mit der Firma und den Grundeigentümern bereits vertraglich geregelt, sagt Studer. Dass diesmal nicht der Kanton als Vertragspartner mitmischt, erweitert dabei den Spielraum. Er schrieb Köniz bisher nicht nur vor, das Geld fürs Wangental einzusetzen – er gibt sogar vor, damit sei das Wohnen und Arbeiten im Tal zu fördern. Nun sind diese Regeln nicht mehr sakrosankt.

Es sei zwar völlig klar, dass dem Wangental etwas zurückgegeben werden solle, sagt Studer. «Doch die Frage ist, ob es alles Geld sein muss.» Detailliert mit den Spielregeln beschäftigen will sich der Gemeinderat aber erst nach einem Abstimmungs-Ja.

Als Möglichkeit geschätzt

Bis jetzt wird das Kiesgeld auf Gesuche hin verteilt, die einmal jährlich möglich sind. Sie stammen insbesondere von den Ortsvereinen. «Für uns ist es super, diese Möglichkeit zu haben», sagt Barbara Rothen, Präsidentin des Ortsvereins Thörishaus. Viel Kleines, das störend sei, lasse sich so verbessern. In Thörishaus habe zum Beispiel gerade ein nicht winterfester Weg einen neuen Handlauf erhalten, den sich viele gewünscht hätten.

«Ich erwarte schon, dass weiterhin der grösste Teil des Geldes ins Wangental fliesst», sagt Rothen. Lärm und Verkehr durch das Kieswerk seien belastend. «Es ist nur fair, wenn die Bevölkerung dafür etwas zurückbekommt.» Das Kiesgeld trage sicher auch zur Akzeptanz des Kieswerks bei.

Praller gefüllt als bisher

Gemeindepräsident Ueli Studer findet, insgesamt hätten sich die bisherigen Vergabekriterien des Kantons bewährt. Eine Grundregel ist, nichts aus dem Topf zu bezahlen, was die Gemeinde sowieso machen müsste. Doch es gibt immer wieder Streitfälle. Einer ist derzeit zum Beispiel das Serviceabo für die Lifttürme beim Bahnhof Niederwangen. Der Gemeinderat hat das über 20'000 Franken teure Abo in den letzten Jahren aus Kiesgeld bezahlt. Manche fänden das nicht richtig, sagt Studer.

Sagt das Könizer Stimmvolk am 14.Juni Ja, wäre die Kieskasse künftig praller gefüllt als bisher: «Das ist auf jeden Fall interessant», findet Studer. «Ich bin überzeugt, dass wir das Geld loswerden.»

Berner Zeitung

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