Bern-Belp

Mehr Fluglärm im Aaretal

Bern-BelpDer Widerstand nützte nichts: Der Bund bewilligt das neue Verfahren für den Südanflug. Bern wird entlastet, das Aaretal belastet.

Anflug aus Süden: Künftig werden mehr Flugzeuge aus dieser Richtung in Belp landen.

Anflug aus Süden: Künftig werden mehr Flugzeuge aus dieser Richtung in Belp landen. Bild: Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mehr als vier Jahre wartete der Flughafen Bern-Belp auf den Entscheid. Nun ist er da: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bewilligt das Gesuch um ein satellitengestütztes System für den Instrumentenanflug aus Süden.

Gegen den Beschluss kann jedoch Beschwerde eingelegt werden. Deshalb spricht Flughafendirektor Mathias Gantenbein zwar von einem «Zwischenschritt», aber von einem «erfreulichen».

Aus Sicht des Flughafens ermöglicht das neue Verfahren einen einfacheren, sichereren Betrieb. Es komme zu weniger Durchstartmanövern und Ausweichlandungen, das Kreuzen von Flugwegen werde reduziert, womit die Wartezeiten in der Luft und am Boden verkürzt würden.

Das alles sei auch wirtschaft­licher und umweltfreundlicher. Gantenbein hofft auf eine Umsetzung bis in anderthalb Jahren, die Kosten beziffert er auf etwas mehr als eine Million Franken.

Grosser Widerstand

Im Gegensatz zur Piste 14 aus Norden verfügt die Piste 32 aus Süden noch über kein satellitengestütztes Anflugsystem. Der Anflug erfolgt per Sicht. Mit dem neuen System erfolgt der Landanflug ab Brenzikofen über Münsingen.

Dafür sind im Aaretal, beim Flughafen und auf dem Belpberg neue Befeuerungen nötig. Das Bazl hat die nötige Infrastruktur und ein neues Betriebsreglement nun bewilligt. Nach dem rechtskräftigen Entscheid muss das Bazl dann noch die Luftraumstruktur anpassen.

Gemäss dem Flughafen wird der Fluglärm künftig etwas abnehmen und anders verteilt sein. Die Siedlungsgebiete von Bern, Muri und Allmendingen werden entlastet, andere jedoch nicht «übermässig» neu mit Fluglärm belastet. «Die Immissionsgrenzwerte werden überall eingehalten», sagt Gantenbein – mit Ausnahme von vier Liegenschaften in der Nähe des Flughafens, wo ein Grenzwert bereits heute überschritten ist.

Der Flughafen stiess mit seinen Plänen allerdings auf heftigen Widerstand. Im Frühjahr 2014 gingen über 300 Einsprachen ein. Mehr als 30 Gemeinden aus dem Aaretal, dem Emmental und dem Oberland sowie über 30 Organisationen der Kleinfliegerei, etwa Segelfluggruppen, Deltasegler, Ballonfahrer und Gleitschirmclubs, wehrten sich mit Einsprachen.

Schliesslich stellte sich auch Skywork-Chef Martin Inäbnit gegen den Südanflug: «Für unsere Zwecke ist er völlig unbrauchbar», sagte er. Der Grund: Bei Nebel kommt es vor, dass Piloten den Boden nicht sehen und deshalb nicht landen dürfen. Inäbnit hatte gehofft, dass die Anflug­minima mit dem Südanflug herabgesetzt werden. Das ist aber definitiv nicht der Fall, wie Bazl-Sprecherin Nicole Räz bestätigt.

Kritik am Entscheid

Besonders gross war der Widerstand in Münsingen, wo vor vier Jahren 700 Personen an einem Infoabend teilnahmen. Die Gemeinde machte eine Einsprache, deshalb wird der Bazl-Entscheid an der heutigen Gemeinderatssitzung ein Thema sein.

Dabei wird es auch um die Anzahl Landungen gehen. «Wir haben in unserer Einsprache eine fixe Kontingentierung gefordert», sagt Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne). Diese fehle nun in den Unterlagen.

Der Gemeinderat kritisierte auch den Umweltverträglichkeitsbericht, der unvollständige Zahlen enthalten habe. So sei etwa die Zahl der Münsinger Bevölkerung nicht korrekt angegeben worden, sagt Moser.

Ausserdem vermisst er eine klare Aussage zu den Betriebszeiten. Die Gemeinde forderte, dass der Flugbetrieb erst um 7 Uhr aufgenommen wird. «Nun wird in der Verfügung lediglich erwähnt, dass der Flughafen dies prüfen soll.» Das sei schwach formuliert.

Dabei gebe es in der Bevölkerung Befürchtungen über Fluglärm, sagt Beat Moser. Und dieser falle nun mal besonders am Morgen früh und am Abend spät auf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.01.2018, 11:35 Uhr

Zwei Anflüge mehr

Derzeit sind am Flughafen Bern-Belp pro Jahr maximal 75'000 Flugbewegungen erlaubt. Gemäss Erfahrungswerten fallen dabei 23'400 Starts und Landungen auf Flüge nach Instrumentenflugregeln.

Der Flug­hafen rechnet, dass mit dem neuen System die Anflüge im Süden von 18 auf 28 Prozent steigen, jene im Norden von 82 auf 72 Prozent fallen.
Theoretisch stehen bei voller Auslastung 2100 Landungen aus Süden deren 9600 aus Norden gegenüber. Mit dem neuen Südanflug würden 3300 Landungen aus Süden erfolgen und 8400 aus Norden.

Derzeit zählt das Belpmoos pro Jahr aber lediglich rund 50'000 Flugbewegungen. Bleibt dies so, wird der Süden also gegen 800 zusätzliche Landungen pro Jahr oder rund 2 Landungen pro Tag schlucken ­müssen. rei

Artikel zum Thema

Bald Entscheid zum Südanflug

Belp Bis Ende Jahr will der Bund über die Einführung des umstrittenen Südanflugs entscheiden. Der Flughafen Bern-Belp hält trotz Kritik am Vorhaben fest. Mehr...

Die Differenzen sind zu gross

Belp Zum geplanten Südanflug im Belpmoos gingen über 300 Einsprachen ein. Der Bund wird mit den Einsprechenden keine Verhandlungen führen. Mehr...

Das erste Zeichen für den Südanflug

Münsingen Das Verfahren zum geplanten Südanflug auf Bern-Belp ist längst nicht abgeschlossen. Doch bereits wurde ein Sockel für die neuen Lichtmasten gebaut – mit dem Segen des Regierungsrats. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Höhenflug: Im Vorfeld der Viehauktion in der schottischen Stadt Lairg springt ein Schaf über andere Schafe der Herde. Die Auktion in Lairg ist eine der grössten europaweit mit bis zu 15'000 Schafen. (14.August)
(Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images) Mehr...