Bern

Matthäuskirche droht der Abbruch

BernDie reformierte Matthäusgemeinde ist bereit, angesichts des Spardrucks auf ihre zu verzichten. Nun sucht sie Alternativen und diskutiert über die Zukunft der Räumlichkeiten.

Was passiert mit der Matthäuskirche:?Wird sie nach dem Verkauf abgerissen oder umgenutzt.?

Was passiert mit der Matthäuskirche:?Wird sie nach dem Verkauf abgerissen oder umgenutzt.? Bild: Beat Mathys

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Der Mitgliederschwund in den Berner Kirchgemeinden nimmt zu, der Spardruck somit auch – vor 40 Jahren waren in der Stadt Bern 100 000 Reformierte, heute ist es noch die Hälfte. «Statt nur Personal abzubauen, sollten wir beim Beton sparen», sagt Franz Niederhäuser, Präsident der Kirchgemeindeversammlung Matt­häus.

Deshalb wäre die Kirchgemeinde im Rossfeld bereit gewesen, auf die Matthäuskirche samt Kirchgemeindehaus zu verzichten und die Gottesdienste im katholischen Zentrum Heiligkreuz in Tiefenau abzuhalten. «Wenn unsere Kirchgemeinde gemeinsame Sache mit der Pfarrei Heiligkreuz hätte machen können, wäre die vorgegebene Halbierung der Kosten möglich gewesen», erklärt Niederhäuser das Vorhaben der reformierten Kirchgemeinde.

Auch Katholiken mit Verkauf

Der Plan kam allerdings nicht zustande. Und das nicht etwa, weil die Katholiken nicht einverstanden gewesen wären, diese hätten sich im Gegenteil sehr offen für die Idee gezeigt, berichtete die Tageszeitung «Der Bund».

Grund für die gescheiterte Zusammenarbeit ist, dass auch die katholische Kirchgemeinde ihre Kirche aus Spargründen loswerden muss. Sie gibt das Zentrum Heiligkreuz an die römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde Bern zurück, die für die verschiedenen Liegenschaften in den Kirchgemeinden verantwortlich ist. Die Pfarrei zügelt sie ins bald sanierte Johanneszentrum in Bremgarten. Angesichts des Mitgliederschwunds hätte nicht sichergestellt werden können, dass weiterhin beide Zentren genügend ausgelastet wären.

Ungewisse Zukunft

Nach dem Auszug wird das katholische Zentrum Heiligkreuz mit grosser Wahrscheinlichkeit an eine andere christliche Gemeinde verkauft, bestätigt Christian Furrer, Präsident des Kirchgemeinderates Heiligkreuz, gegenüber dem «Bund». Die Rede ist von einer orthodoxen Gemeinschaft, im Detail ist aber noch nichts bekannt.

Wie es mit der Matthäuskirche weitergeht, steht noch nicht fest. «Wir wollen mit der Stadt Bern eine gute Lösung finden», hält Franz Niederhäuser fest. Er stört sich aber an der Äusserung der evangelisch-reformierten Gesamtkirchgemeinde (GKG), die einen Abriss der Kirche nicht ausschliessen will. «Es gäbe viele Möglichkeiten, wie die Räumlichkeiten genutzt werden können. Ich kann mir durchaus etwas im kulturellen Bereich vorstellen, zum Beispiel Ausstellungen, ein Museum oder eine Bibliothek.» Schon jetzt seien über die Hälfte der Anlässe im Kirchgemeindehaus nicht kirchlicher Natur. Vor allem Vereine und Schulen würden sich in die Räumlichkeiten einmieten.

Der Abteilungsleiter Bau und Liegenschaften der GKG, Bruno Stoll, bestätigt mögliche Szenarien für die Zukunft der Kirche. Eine Option sei durchaus eine Umnutzung der bestehenden Räume, aber auch ein Abriss müsse diskutiert werden. Denn der Standort biete Potenzial dazu, etwa neuen Wohnraum zu schaffen.

«Es muss eine Interessenabwägung geben. Entweder entscheidet man sich für ein langwierigeres Projekt, sprich einen Abriss und Neubau auf der Parzelle, oder man spricht sich für ein schneller realisierbares wie die Umnutzung aus», sagt Stoll. Er könne sich kulturelle Veranstaltungen im Kirchenhaus vorstellen, aber auch ein Neubau mit Wohnungen und Dienstleistungen habe ja keineswegs nur Nachteile. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.01.2016, 18:49 Uhr

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