Mars und Einstein auf der Spur

Ittigen

In Sachen Wissenschaft und Informatik hat Pascal Sommer den meisten Gleichaltrigen viel voraus. Der Gymeler reist im Juli an die Informatikolympiade und im August zu einer Marssimulation nach Tirol.

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Zum Treffen kommt Pascal Sommer aus Zürich. «Ich war beim Training für Kasachstan», sagt der 18-Jährige beiläufig. Es ging jedoch nicht um die Beeinflussung von Schweizer Parlamentariern. Sommer war an der ETH und machte sich mit drei andern jungen Männern fit für die Informatikolympiade, die Ende Juli in Almaty stattfindet. Für den internationalen Wettkampf qualifizierte sich Pascal Sommer aus Ittigen mit einer Goldmedaille bei der Schweizer Ausscheidung.

Wie aber trainiert man für eine digitale Olympiade? Sommer gibt ein Beispiel. Für Zugverbindungen zwischen Städten soll der kürzeste Weg von einer Stadt zu einer andern gefunden werden. «Wir müssen ein Programm schreiben, das die Lösung möglichst schnell zeigt.» Das Programmieren sei dabei eher der leichtere Teil, sagt Sommer. «Für den Lösungsweg benötigt man vorher recht viele mathematische Grundlagen.»

Mit Blick auf Almaty ist Pascal Sommer realistisch. Die Konkurrenz sei gross, besonders aus Asien. «Aus der Schweiz hat es noch nie jemand auf vordere Plätze geschafft.» Ebenso wichtig wie das Resultat ist ihm ohnehin, Kontakte zu anderen Teilnehmern zu knüpfen.

Wie auf dem Mars

Sein Interesse für Informatik wurde mit zwölf Jahren geweckt. Der Vater zeigte ihm die Grundlagen des Programmierens. Das faszinierte ihn. Mithilfe des Internets drang er tiefer in die Materie ein. Nebst der Lösung kniffliger Probleme programmierte er Spiele fürs Handy. Im Vergleich zu Kasachstan ist der Trip im August nach Österreich fast nur ein Ausflug.

Der Anlass aber ist spektakulär: Pascal Sommer nimmt als Beobachter bei der Marssimulation des Österreichischen Weltraumforums teil. Ausgewählt wurden der Ittiger und eine Gymnasiastin aus dem Kanton Thurgau vom Swiss Space Museum und der Schweizerischen Raumfahrtvereinigung.

Am Kaunertaler Gletscher in Tirol erhalten die beiden Einblick in die Weltraumforschung. Den Einwand, die Simulation von Bedingungen unseres Nachbarplaneten sei eher Spielerei, kontert er: «Eine bemannte Mission zum Mars findet kaum vor 2040 statt. Aber man muss ja nicht so lange warten, um sich darauf einzustellen.»

Maturaarbeit über Physik

Astronomie und die Eroberung des Weltraums interessieren Sommer brennend, mindestens ebenso wie Informatik. So liess er es sich nicht nehmen, an der Uni Bern dabei zu sein, als die Landung der Sonde Philae live übertragen wurde. Er verfasst gegenwärtig seine Maturaarbeit über Einsteins Relativitätstheorie.

Er entwickelt eine Software, die zeigt, was sich ändert, wenn unser Sonnensystem andere Voraussetzungen hätte. «Was würde geschehen, wenn im System ein Planet mehr vorhanden wäre?» Lange kann er nicht mehr tüfteln: Nach den Sommerferien muss er die Arbeit abgeben.

Am Gymnasium Hofwil belegt er als Schwerpunktfach nicht etwa Mathematik oder Physik, sondern Musik. In der Freizeit spielt er Klavier, Gitarre und Schlagzeug, und in zwei Bands – Funk und Metal. «Am Gymer beschäftige ich mich lieber mit Dingen, die ich später im Berufsleben nicht mehr so pflegen kann», sagt er. Auch Fotografie ist ein Hobby.

Berufsziel: Nasa

Für ihn ist aber klar: Nach der Matur möchte er Mathematik und Informatik studieren. Es dürfte ihm helfen, dass er im neuen Schuljahr mit Begabtenförderung beginnt. Einmal pro Woche kann er Vorlesungen an der Uni besuchen. Das sei für solche, «die sich im gymnasialen Unterricht langweilen».

Sein Berufsziel? «Ich möchte bei der ESA oder der Nasa mitwirken.» Ein Sprungbrett dafür könnte die Marssimulation in Österreich sein. Er hofft, dort Experten zu treffen. «Vielleicht kann ich bleibende Kontakte zu einigen von ihnen schliessen.»

Berner Zeitung

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