Markus Ryffel in Vorfreude auf den GP Bern

Der Kerzerslauf am 16.März bietet Gelegenheit zur Formüberprüfung. Was ist noch zu tun, um am GP von Bern im Ziel so gut auszusehen wie Wunderläufer Haile Gebrselassie? Laufexperte Markus Ryffel gibt Tipps.

Im Interview: Markus Ryffel.

Im Interview: Markus Ryffel.

(Bild: Andreas Blatter)

Es rauscht in der Leitung – wo stören wir Sie gerade? Markus Ryffel: Zwischen zwei Birken (lacht). Ich bin in Mora, dem Zielort des Wasa-Laufes.

Haben Sie den 90 Kilometer langen Wasa-Lauf in Schweden allein bestritten? Nein, Bundespräsident Ueli Maurer begleitete mich als Pacemaker. Chapeau, was dieser Mann geleistet hat. Gäbe es unter den Führungskräften einen Sportler des Jahres – Ueli Maurer hätte meine Stimme.

Und – war die Rekordzeit von 3:38,41 Stunden gefährdet? Wir haben die Bestmarke knapp verpasst (schmunzelt). Der Sportminister absolvierte den legendären Volkslanglauf im klassischen Stil in der respektablen Zeit von 8 Stunden und 8 Minuten. Tief beeindruckt bin ich auch von der Leistung des 50 Jahre alten Baspo-Direktors Matthias Remund. Er beendete das Rennen in 4:31 Stunden als bester Schweizer auf Platz 210.

Worüber haben Sie sich unterhalten? Die Unterhaltung mit Ueli Maurer ist ab Kilometer 60 einsilbig geworden. Umhüllt von der nordischen Winterlandschaft, versanken wir in die Einsamkeit des Langläufers. Die letzten 30 Kilometer durch Schnee, Matsch und Eis waren hart.

Am 16.März fällt mit dem Kerzerslauf gewissermassen der Startschuss zur Laufsaison 2013. Macht es Sinn, verpasste Trainingskilometer jetzt noch aufzuholen? Nein, das wäre Blödsinn. Wichtig ist jetzt die mentale Vorbereitung, die Vorfreude auf den Lauf.

Wie soll man den Kerzerslauf angehen, wenn die Vorbereitung nicht ganz perfekt ausgefallen ist? Wenn die Grundlagenausdauer suboptimal ist, sollte man den Lauf nicht zu schnell angehen. Das Tempo tötet, nicht die Strecke, lautet ein Grundsatz beim Dauerlauf. Lasst Euch auf den ersten 5 Kilometern ruhig überholen, weicht nicht vom gewohnten Rhythmus ab. Auf dem letzten Kilometer könnt Ihr viele dieser Turbostarter überholen – das ist ein berauschendes Gefühl. Nehmt im Ziel eine ehrliche Standortbestimmung vor. Bis zum nächsten Höhepunkt habt Ihr mehr als zwei Monate Zeit, etwas dafür zu tun, um im Ziel besser auszusehen als in Kerzers.

«Eile mit Haile» heisst das Motto des 32.GP von Bern. Nur die wenigsten werden am 18.Mai mit Wunderläufer Haile Gebrselassie mithalten können – eine gute Vorbereitung ist aber gleichwohl wichtig. Was sollte man in den zweieinhalb Monaten tun? Wer den 16,093 Kilometer langen GP von Bern unter die Füsse nimmt, erbringt eine sportliche Höchstleistung. Eine seriöse Vorbereitung mit entsprechender Organisation ist darum matchentscheidend. Nach dem Zufallsprinzip sollte man höchstens Schokolade naschen, nicht aber trainieren! Ich empfehle drei Trainings pro Woche, zweimal 60 und einmal 120 Minuten.

Braucht ein Läufer, der den GP von Bern in 1:30 Stunden absolviert, einen Trainingsplan? Ja. Das Bad in der Menge schmerzfrei zu geniessen, macht mehr Spass. Jeder Läufer träumt vom Runner’s High. Um diesen euphorischen Gemütszustand zu erleben, braucht es eine gewisse Trainingshäufigkeit. Trainingspläne und Literatur zu diesem Thema findet man im Internet.

Wer läuft, sollte auch ein moderates Krafttraining betreiben. Wie kann man sich überlisten, wenn die nötige Disziplin fehlt? Kraft, Beweglichkeit und Koordination gehören zum Lauftraining wie das Schnüren der Schuhe. Nicht nur der Motor, auch das Fahrgestell muss trainiert werden. Vor und nach jedem Dauerlauf ist es sinnvoll, 15 Minuten lang Kraftgymnastik zu betreiben. Wenn ich die Zähne putze, stehe ich nur auf einem Bein und halte die Augen geschlossen. Auch die kleinen Gummiigel, auf denen ich beim Rasieren jeweils mit einem Bein stehe, baue ich als Stabilisationsübung in den Trainingsalltag ein. Mit der sogenannten Managerrolle stärke ich Bauch, Rücken und Rumpf. Alles, was es dafür braucht, sind zwei Quadratmeter Platz. Diese Übungen habe ich auf meiner Homepage erklärt.

Trinken ist beim Laufen wichtig. Wer länger als eine Stunde läuft, muss unterwegs «nachtanken». Gels, Gummibärchen, Sportriegel oder isotonische Getränke – was sollte man konsumieren? Am GP von Bern rate ich den Läufern, alle 6 Verpflegungsstände anzusteuern. Deshalb ist der Trinkgürtel ein Bestandteil der Ausrüstung, wenn man allein trainiert. Die geführten Trainings am 7. und 28.April auf der GP-Originalstrecke mit Verpflegungsständen kann ich empfehlen.

Beim Kampf gegen den inneren Schweinehund helfen neue Ideen und Gadgets. Welche Tipps haben Sie auf Lager? Die Fusskraft ist für einen Läufer ebenso wichtig wie die Reifen für einen Formel-1-Piloten. Starke Füsse rennen schneller. Darum kralle ich ein Badetuch mit den Zehen auf, wenn ich barfuss vor dem TV sitze. Trainieren kann man auch bei der Arbeit: Wer dort einen Barfussschuh trägt, stärkt Fuss- und Unterschenkelmuskulatur.

Berner Zeitung

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