«Man sollte es viel mehr la tschädere»

Bern

Melanie Oesch von Oesch’s die Dritten verzückte am Donnerstag die Gäste im BZ-Café nicht nur mit ihrer Natürlichkeit, sondern auch mit ihrem unverkennbaren Jodel.

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Markus Ehinger@ehiBE

Ihr Markenzeichen ist das Jodeln. Wie kams dazu? Melanie Oesch: Mich hat es schon als kleines Mädchen fasziniert, was man mit der Stimme alles machen kann. Über all die Jahre wurde das Jodeln eine grosse Leidenschaft von mir.

Der «Ku-Ku-Jodel» machte Oesch’s die Dritten berühmt. Langweilt es Sie nicht, immer wieder dieses Lied zu singen? Nein, im Gegenteil. Der «Ku-Ku-Jodel» wird wie ein Wein eigentlich attraktiver, je älter er wird. Wir können den Jodel immer wieder neu interpretieren. Man kann ihn mal hier, mal dort ein bisschen verändern. Diese dankbare und faszinierende Möglichkeit hat man beim Jodeln.

Herrscht bei der Familie Oesch eigentlich immer Friede, Freude, Eierkuchen, oder fliegen auch mal die Fetzen? Bei zwei Generationen ist klar, dass es auch mal Meinungsverschiedenheiten gibt. Dann wird das ausdiskutiert, und dabei gehts dann auch mal hart auf hart. Aber das machts auch spannend und hält uns kreativ. Es wäre nicht lustig, wenn jeder immer mit dem anderen einverstanden wäre. Schliesslich sind wir ein Team – auf und neben der Bühne.

Volksmusik ist auch bei Jungen populär, trotzdem wird sie oft belächelt. Ärgert Sie das? Man kann alles belächeln. Ich habe damit aufgehört, mich für mein Tun zu rechtfertigen. Entweder gefällt den Leuten unsere Musik und sie kommen an unsere Konzerte, oder sie lassen es sein. Musik ist Geschmackssache. Ich verstehe nicht, dass wir Deutschschweizer immer den Drang haben, alles schubladisieren zu müssen. Man sollte es viel mehr «la tschädere».

Was ist für Sie Heimat? Heimat ist für mich dort, wo ich meine Freunde und meine Familie habe, wo man sich nicht erklären muss und wo einen die Leute verstehen, so wie man ist. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit dem Berner Oberland und dem Bernbiet eine solch schöne Heimat haben darf.

Könnten Sie sich vorstellen, auch mal solo auf Tour zu gehen? Es macht so viel Spass mit Oesch’s die Dritten, dass das im Moment absolut kein Thema ist. Ich möchte das so lange wie möglich geniessen.

Was würde Melanie Oesch heute machen, wenn sie nicht Jodlerin geworden wäre? Bis in der siebten Klasse wollte ich Tierärztin werden, und auch der Journalismus interessiert mich. Mal schauen, was sich in den nächsten Jahren noch ergibt.

Apropos Zukunft: Was sind die weiteren Pläne? Wir haben in den letzten Monaten fleissig gearbeitet. Am 6.Juni erscheint unser neues Album «Wurzeln und Flügel». Das steht symbolisch für Tradition und trotzdem mit der Zeit gehen.

Berner Zeitung

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