Mängel in Heimen sollen nicht öffentlich gemacht werden

Kanton Bern

Die Kantonsregierung lehnt es ab, Mängel in Alters- oder Pflegeheimen zu veröffentlichen. Dies hatte eine grünliberale Grossrätin verlangt.

Der Vorstoss wurde abgelehnt: Aus Sicht der Regierung würde eine solche Mängelliste nur wenig aussagen über die tatsächliche Qualität eines Heims.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Der Vorstoss wurde abgelehnt: Aus Sicht der Regierung würde eine solche Mängelliste nur wenig aussagen über die tatsächliche Qualität eines Heims.

(Bild: Beat Mathys)

Alters- und Pflegeheime müssen im Kanton Bern Mindestanforderungen erfüllen. Hält eine Institution die gesetzlichen Standards nicht ein, wird dies heute nicht öffentlich. Und das soll auch so bleiben, wie der Regierungsrat des Kantons Bern in einer gestern veröffentlichten Antwort auf einen Vorstoss von Franziska Schöni-Affolter festhält.

Die grünliberale Grossrätin hatte gefordert, dass ungenügende Einrichtungen und die konkreten Mängel publiziert werden sollen. Der Regierungsrat lehnt den entsprechenden Vorstoss jedoch ab. Aus Sicht der Regierung würde eine solche Mängelliste nur wenig aussagen über die tatsächliche Qualität eines Heims. Die Liste sei vielmehr ein Arbeitsinstrument, das sich mit neuen Einträgen seitens der Aufsichtsbehörden sowie der Pflegeinstitutionen dauernd verändere.

Der Regierungsrat ist der Ansicht, dass die Aufsicht über die Alters- und Pflegeheime im Kanton Bern «in zuverlässiger Form wahrgenommen wird und der Gesundheitsschutz der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet ist».

Würden gesetzliche Anforderungen verletzt, so verfüge das Alters- und Behindertenamt entsprechende Auflagen. Im Extremfall könne eine Bewilligung entzogen und eine Institution geschlossen werden.

Recherche belegt Abbau

Der Vorstoss der Grünliberalen geht auf eine Recherche der Zeitschrift «Beobachter» vom letzten Herbst zurück. Demnach verstiessen viele Alters- und Pflegeheime gegen gesetzliche Standards. Sie engagierten beispielsweise zu wenig Pflegepersonal oder solches mit untauglichen Kompetenzen.

Zum gleichen Schluss kam diesen Monat auch eine gross angelegte Analyse des Recherchedesks von Tamedia: ­Allein im Kanton Bern ver­zeichneten zwischen 2012 und 2016 von insgesamt rund 300 Heimen 72 einen Rückgang beim qualifizierten Personal zugunsten von Hilfskräften.

Berner Zeitung

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