Lorraine will neue Wohnzone

Bern

Das städtische Bauprojekt am Berner Centralweg ist weiterhin durch Einsprachen blockiert. Nun prüft eine Quartiergruppe eine Volksinitiative. Analog der Zone für Wohnexperimente in Riedbach könnte eine neue Zone gefordert werden.

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Christoph Hämmann

Das Projekt der Stadt, am Centralweg in der Lorraine einen Neubau mit 13 Wohnungen zu realisieren, verzögert sich seit Jahren. Kontrastiert wird dies vom Schwung der Quartierbevölkerung, die auf der Brache ein Projekt nach dem andern durchführt: Erneut spriesst der urbane Garten aus zahllosen Säcken und Kübeln, Anwohner treffen sich zum Spielen und Bräteln, eine Ausstellung zeigte günstige Wohnformen, eine Holzbox diente als Diskussionsforum und Kinosaal.

Nun gärt im Quartier eine neue Idee: Am Donnerstag diskutiert das Nachbarschaftskomitee Lorraine die Idee, eine «Zone für preisgünstigen Wohn- und Gewerberaum» zu schaffen. «So oder ähnlich könnte eine Zone heissen, die eine teure Überbauung ausschliesst», bestätigt Catherine Weber, die beim Komitee mitmacht und Vorstandsmitglied des Vereins «Läbigi Lorraine» ist. Das Projekt hänge natürlich davon ab, was mit den hängigen Rechtshändeln passiert, ergänzt sie. «Käme eine Volksinitiative zu spät, oder könnte es noch reichen?»

Zwei Beschwerden

Hängig sind bekanntlich zwei Beschwerden, wobei die eine bis zur Klärung der anderen sistiert sein dürfte. So muss das Verwaltungsgericht in der einen Sache klären, ob der Gemeinderat die Stadt in der anderen vertreten darf. In Letzterer geht es um den Entscheid des Stadtrats von letztem September, den einige Monate zuvor vom gleichen Gremium bewilligten Kredit für das Bauprojekt zu annullieren. Weil der Gemeinderat als treibende Kraft des Projekts befangen sei, kämpft Stadtrat Luzius Theiler (GPB-DA) vor Verwaltungsgericht dagegen, dass der Gemeinderat die Stadt in dieser Sache vertritt. Ist dies erst einmal geklärt, geht das Beschwerdeverfahren der FDP weiter. Sie hält den Rückkommensentscheid des Stadtrats für rechtswidrig.

Neue Zonen prinzipiell möglich

Am Donnerstag lässt sich das Nachbarschaftskomitee vom gleichen Theiler beraten, der beim Rückkommen des Stadtrats beteiligt war und nun das Neubauprojekt zusätzlich mit rechtlichen Mitteln beschwert. «Eine Initiative wäre ein anspruchsvolles Vorhaben», sagt Theiler, am Donnerstag werde noch nichts entschieden. «Die vielen offenen baurechtlichen Fragen könnten aber eine Chance für Alternativen aus dem Quartier sein.»

Das Beispiel der Zone für Wohnexperimente in Riedbach zeige, dass prinzipiell neue Zonen kreiert werden können. «Das kantonale Baurecht zählt die Zonen nicht abschliessend auf», so Theiler. Komplizierter sei es, die Eckwerte solcher Zonen zu formulieren.

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