Lockeres Gestein lässt die Kosten für den Tunnel explodieren

Rosshäusern

Ab Sommer wird der neue Rosshäuserntunnel auch von Westen her vorgetrieben. Die Eröffnung verzögert sich trotzdem um anderthalb Jahre. Der Bund übernimmt die Mehrkosten von 65 Millionen Franken.

Die Arbeiten am Rosshäusern-Tunnel kosten viel mehr als ursprünglich geplant.<p class='credit'>(Bild: Christian Pfander)</p>

Die Arbeiten am Rosshäusern-Tunnel kosten viel mehr als ursprünglich geplant.

(Bild: Christian Pfander)

Der Ausbau auf Doppelspur zwischen Rosshäusern und Mauss mit dem zwei Kilometer langen Tunnel ist aktuell das grösste Projekt der BLS. Es ist gleichzeitig auch ein grosses Sorgenkind. Denn seit dem Beginn des Tunnelausbruchs vor knapp einem Jahr kommen die Mineure nur langsam vorwärts. Bisher haben sie sich erst 160 Meter von Osten her in den Berg vorgesprengt. «Sie haben schwierige geologische Verhältnisse vorgefunden», sagt BLS-CEO Bernard Guillelmon. Das Gestein reagiere anders als von den Geologen erwartet. Die Schichten seien weniger stabil. «Sobald man reinkommt, fällt alles auseinander», erklärte Guillelmon. Wegen der nicht zutreffenden Prognose macht er den Geologen aber keinen Vorwurf.

18 Monate im Rückstand

Seit dem letzten Herbst suchte die Projektleitung zusammen mit den Unternehmen nach einer Lösung. Dabei steht die Sicherheit der Arbeiter an erster Stelle. Im September war ein Mann von einem Stein tödlich getroffen worden. Ab Januar wurde die Vortriebsmethode angepasst. Mit einem sogenannten Rohrschirm wird das Tunneldach noch besser abgesichert. Diese Methode hat sich bewährt, ist aber langsamer und teurer.

Die BLS spricht von «gravierenden Verzögerungen» beim Tunnelbau. Um den Rückstand auf den ursprünglichen Zeitplan nicht noch grösser werden zu lassen, startet die BLS den Gegenangriff: Ab Sommer wird der Tunnel auch von Westen her ausgebrochen, nach der gleichen Vortriebsmethode. Der Einsatz einer Bohrmaschine stand auch zur Diskussion, wurde aber ausgeschlagen. Sie könnte im lockeren Gestein stecken bleiben.

Trotz des Vortriebs von zwei Seiten muss die Inbetriebnahme des neuen Streckenabschnitts verschoben werden. Statt im Dezember 2016 kann die neue Strecke nach heutigem Stand erst im Sommer 2018 freigegeben werden, 18 Monate später als geplant.

Bund übernimmt Mehrkosten

Die Probleme wirken sich auch auf die Kosten aus. Diese fallen rund 65 Millionen Franken höher aus. «Diese Mehrkosten sind hoch, selbst für einen Tunnel», sagte Bernard Guillelmon gestern anlässlich der Bilanzmedienkonferenz. Die Gesamtkosten für den neuen Doppelspurabschnitt waren ursprünglich mit 200 Millionen Franken budgetiert, davon rund 170 Millionen für den Tunnel. Die Kostensteigerung für dieses Teilprojekt entspricht damit fast 40 Prozent.

Für die Mehrkosten kommt der Bund auf. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) sei informiert und habe die Finanzierung zugesichert, so Guillelmon. Das Geld kommt aus dem Bahninfrastrukturfonds. Das BAV ist auch einverstanden mit den eingeleiteten Massnahmen.

Berner Zeitung

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