Little Italy in Bern

Die Spieler des Berner Zweitligisten AS Italiana sind stolz auf ihre Wurzeln. Der Verein ist in den letzten Jahren multikulturell geworden, die italienische Identität soll aber erhalten bleiben.

Bunte Flitzer: Einige Spieler der AS Italiana kommen gern mit ihrer Vespa ins Training.

Bunte Flitzer: Einige Spieler der AS Italiana kommen gern mit ihrer Vespa ins Training. Bild: Max Füri

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Die Szene könnte sich auch irgendwo in Italien abspielen. Doch als die rote Vespa um die Ecke gebraust kommt, versinkt die Sonne nicht gerade im Mittelmeer, sondern hinter einem Wohnblock neben der Sportanlage Weissenstein. Mit seiner Vespa gehe er überall hin, sagt Alessandro Pizzoferrato. Auch ins Training der AS Italiana.

Der Zweitligist gehört zu den traditionsreichsten und ältesten Berner Migrationsvereinen. Stürmer Domenico Cupi fasst in zwei Worten zusammen, was im Umfeld des Vereins immer wieder zu hören ist, wenn es darum geht, was die AS Italiana zu einem speziellen Verein mache. «La famiglia.» Die Atmosphäre im Team sei aussergewöhnlich familiär, der Zusammenhalt untereinander gross.

Es komme vor, erzählt Trainer Matteo Galiffa, dass Spieler aus Italien nach Bern kämen, nachdem sie darauf aufmerksam geworden seien, dass es italienische Fussballvereine gibt – ein Stück Heimat weg von zu Hause. Durch den Sport integrierten sie sich schnell im neuen Umfeld, und die AS Italiana helfe ihnen auch dabei, eine Arbeit zu finden.

Die italienische Identität des Teams sei schon wichtig, sagt Präsident Antonio Vella. Mittlerweile ist aus dem rein italienischen Team, das 1964 in Bern gegründet wurde, aber eine multikulturelle Equipe geworden. «Bei uns kann jeder spielen», sagt Galiffa, der seit 2009 mit Ausnahme eines halben Jahres immer an der Seitenlinie der AS Italiana stand.

Das Team besteht mehrheitlich aus Secondos und Terceros, die ihre Wurzeln meist in Italien, insgesamt aber in acht verschiedenen Ländern haben. Die Verbundenheit zur Schweiz ist mindestens ebenso gross wie diejenige zur Heimat der Eltern oder der Grosseltern, was aber nicht heisst, dass das italienische Temperament verloren gegangen ist. Im Gegenteil.

Bisweilen werde schon emotional und impulsiv agiert und diskutiert, sagt Galiffa. Und fügt an: «Die verschiedenen Kulturen bereichern einander.» Auch wenn im Training immer wieder italienische Wörter und Sätze zu hören sind – meist findet die Kommunikation auf Deutsch statt.

Stürmender Verteidiger

Captain Pasquale Cupi, der wie sein Bruder Domenico bereits als Junior zur AS Italiana kam, gehört seit Jahren zu den treffsichersten Akteuren auf den regionalen Fussballplätzen, wurde mehrmals ausgezeichnet und verkörpert mit seiner Kaltblütigkeit den Inbegriff des Strafraumstürmers.

Mittlerweile ist er oft ganz hinten anzutreffen und bringt nun regelmässig die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung – als Innenverteidiger. Cupi sei ein sehr erfahrener und vielseitiger Spieler, sagt Matteo Galiffa. Angefangen hat Cupis Karriere als Innenverteidiger im Mai letzten Jahres.

Cupi wurde mit der Aufgabe betraut, Marcel Zimmermann, damals bei Langenthal engagiert, zu bewachen. Das Experiment ging auf. Italiana gewann 3:1, und Cupi wurde in der Folge regelmässig als Verteidiger eingesetzt. «Man muss sich den Gegebenheiten anpassen können», sagt Galiffa.

Mit 32 Jahren sei Cupi auch nicht mehr der Jüngste, und als Verteidiger habe er das Spiel vor sich, könne viel mit gutem Stellungsspiel wettmachen. «Als Stürmer weiss ich, was die gegnerischen Angreifer vorhaben», sagt Cupi und ergänzt, dass er schon immer gern als Innenverteidiger gespielt habe.

Ganz professionell fügt er aber an: «Ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt.» Am Samstag bei der Niederlage in Schönbühl (0:1) rückte Cupi wieder in den Sturm, in den zwei vorangehenden Partien hatte er Stamminnenverteidiger Fabio Mazzamuto vertreten.

Seit dem Wiederaufstieg in die regionale 2. Liga vor drei Jahren war Italiana jedes Mal in den Abstiegskampf verwickelt. Auch in diesem Jahr trennen sie aktuell nur 4 Punkte von einem Relegationsplatz. Allerdings ist das drittplatzierte Dürrenast in der erneut äusserst ausgeglichenen Gruppe 1 auch nur 9 Punkte entfernt.

Präsident Vella sagt, dass es schön wäre, wenn der Verein auch mal vorne mitspielen würde. Das Wichtigste sei aber, dass er sich in der Liga halte. «Die regionale 2. Liga ist wie die Champions League für uns», sagt er.

Nach dem Training ist die Sonne längst gänzlich verschwunden, und bevor Alessandro Pizzoferrato wieder mit seiner roten Vespa davonbraust, wissen er und seine Teamkollegen genau, wo sie hingehen. Ins Clubhaus. Angelo Scirocco, ein gebürtiger Neapolitaner, hat bereits seinen Pizzaofen angeworfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.04.2017, 08:16 Uhr

2. Liga Regional

Wie die AS Italiana hat auch der FC Wabern in der 2. Liga regional mit Abstiegssorgen zu kämpfen. Die Vorstädter sind im Jahr 2017 noch ohne Sieg und liegen in der Tabelle nur noch einen Punkt vor dem «Zwöi» des FC Breitenrain, das derzeit einen Abstiegsplatz belegt. Der Hauptgrund liegt in der spärlichen Torproduktion des FCW, der in vier von fünf Spielen in der Rückrunde ohne Treffer blieb. Zudem hat der FC Wabern (21 Tore) neben dem abgeschlagenen Tabellenletzten Allmendingen (16) mit Abstand am wenigsten Treffer aller ­2.-Liga-Equipen erzielt. Mitte Mai wird es dann zum ultimativen Abstiegsshowdown zwischen Wabern und Breitenrain kommen.
Während sich der FC Schönbühl dank hervorragenden Leistungen in den letzten Spielen wohl relativ früh in der Saison aller Abstiegssorgen entledigen konnte, rutschte der FC Ostermundingen nach einer unglücklichen 2:3-Niederlage in Meiringen wieder in die gefährliche Zone, hat nur noch 4 Punkte Vorsprung auf Breitenrain. Besonders bitter: Bis zur 84. Minute führte der FCO auswärts 2:1, ehe den Niederhaslern in der Nachspielzeit doch noch zwei Treffer zum 3:2 gelangen. (lüp)

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