Linienflüge ab Bern-Belp waren meist Verlustgeschäft

Immer wieder haben Flug­gesellschaften versucht, mit Linienflügen ab Bern-Belp Geld zu verdienen. Doch meist gelang dies nicht.

  • loading indicator
Stefan Schnyder@schnyderlopez

Unzählige Fluggesellschaften ­haben in der Vergangenheit den Flughafen Bern-Belp angeflogen. Doch früher oder später haben fast alle ihr Angebot an ­Linien­flügen eingestellt.

Die Geschichte der Linienflüge ab Bern-Belp beginnt im Jahr 1929. Die Fluggesellschaft Alpar bot in der Pionierzeit der Fliegerei den Liniendienst Bern­­–Biel–Basel an. Rund 20 Jahre später war es dann möglich, ab Bern-Belp mit einem Linienflug ins Ausland zu fliegen: Die Swissair nahm 1948 den Betrieb des ­Linienflugs Bern–London auf, den sie 1957 wieder einstellte.

Zwischen 1965 und 1971 bot dann die Swissair Inlandflüge zwischen Bern-Belp und Zürich sowie Genf an. Diese waren als Zubringer für die Interkontinentalflüge gedacht. Doch 1971 zog sich die Swissair aus Belp zurück.

Ab 1972 war es wieder möglich, mit einem Linienflug von Bern nach London zu gelangen. Die britische Fluggesellschaft ­Dan-Air bot zwischen 1972 und 1992 Linienflüge in die britische Hauptstadt an.

Der Rückschlag mit Crossair

Ein weiterer wichtiger Erfolg für Bern-Belp war, dass die Crossair ab 1980 nach Paris, Brüssel, Lugano und nach Basel flog. Doch im Zuge des Swissair-Groundings und der Verschmelzung von Crossair und Swissair zur Swiss wurden auch diese Linienflüge im Jahr 2003 eingestellt.

Ein weiterer Hoffnungsträger der Verantwortlichen des Flughafens war die Air Engiadina, die Bern-Belp als Heimatflughafen auswählte und ab 1992 die Verbindung Bern–München anbot.

Hinter dieser Fluggesellschaft standen Berner Investoren wie die Unternehmer Gerhard Jansen, der Gründer der Thuner Schleuniger-Gruppe, und Walter Inäbnit, der im Jahr 2014 wieder bei Skywork als Investor eingestiegen ist. In ihrer besten Zeit flog die Airline auch nach Amsterdam, London, Wien, Rom und Lugano. Doch kurz nach dem Swissair-Grounding musste die in Swisswings umgetaufte Airline Konkurs anmelden.

Von diesem bitteren Ende liess sich die österreichische Aviatik-Unternehmerin Renate Moser nicht abschrecken. Auch sie wählte für Intersky Bern-Belp als Heimatflughafen aus. Die Airline bot Flüge nach Berlin und Wien an. Doch im Jahr 2004 musste auch die Daueroptimistin Moser aufgeben. Darauf übernahm die Cirrus Airlines die Strecken nach Wien und Berlin. Doch ­bereits im 2005 war wieder Schluss.

Auf und Ab mit Skywork

Im Jahr 2008 tauchte dann erneut ein Hoffnungsträger auf: Die neu gegründete Sky Work Airlines bot Charterflüge nach Wien an. Aus dieser Airline ging schliesslich Skywork hervor.

­Dank grosszügigen Finanzspritzen von Daniel Borer aus der ­Rolex-Dynastie verfolgte die Airline ein hohes Expansionstempo. Im Rekordjahr 2012 flog sie mit sechs Flugzeugen 35 Destinationen an. Doch die Airline verlor viel Geld. Und Investor Daniel Borer zog sich ­zurück. Die Expansionsphase soll 70 Millionen Franken gekostet haben.

Im Jahr 2014 stieg Walter ­Inäbnit, Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident des Könizer Medizinaltechnikunternehmens Haag-Streit, als Investor ein. Weitere Berner Investoren zogen mit. Um wen es sich handelte, ist bis heute nicht bekannt.

Walter Inäbnit setzte seinen Bruder Martin als Chef ein. Dieser verkleinerte die Airline stark. Auch die neue Ausrichtung führte nicht zum Erfolg: Wie seit Mittwochabend bekannt ist, ist die Berner Airline am Ende.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt