«Lilo» drängt an den Centralweg

Lorraine

Jetzt schaltet sich der Drittplatzierte des Wettbewerbs für einen Neubau am Centralweg in der Lorraine in die Debatte ein. Im Unterschied zu den «Baumzimmern» sei sein Projekt sofort realisierbar, sagt er.

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Christoph Hämmann

Die Auseinandersetzung um einen Neubau am Centralweg wird noch komplizierter. Nachdem letzte Woche publik geworden ist, dass sich das von der Stadt ausgewählte Projekt definitiv nicht wie geplant realisieren lässt, meldet sich nun der Drittplatzierte des Architekturwettbewerbs zu Wort, der Berner Architekt Thomas Lehmann. Während diese Zeitung noch von «gestutzten Baumzimmern» schrieb, weil wegen des fehlenden Näherbaurechts auf die stilbildenden Balkone verzichtet werden muss, spricht er gar von einer «Amputation» und einem «verstümmelten» Projekt.

Als Alternative bringt Lehmann sein Projekt «Lilo» ins Spiel, das im Architekturwettbewerb den dritten Platz belegte. Auch das zweitplatzierte Projekt erfordere Näherbaurechte. «‹Lilo› hingegen respektiert als einziges der drei klar besten Projekte sämtliche Bauvorschriften und ist deshalb sofort realisierbar.»

«Die Stadt ist gescheitert»

Lehmann ist sich bewusst, dass er sich mit seinem Vorpreschen wohl nicht nur Freunde macht. «Ich will weder gegen die Wettbewerbsjury noch gegen Konkurrenten polemisieren», hält er fest, und eine zielstrebige Steuerung durch die Stadt auch gegen Widerstände sei grundsätzlich wichtig. «Es geht darum, ein Wettbewerbsprojekt zu respektieren. Es zurechtzubiegen, geht aber gar nicht.»

Es sei deshalb zu einfach, ihn als schlechten Verlierer zu bezeichnen, sagt Lehmann. Vielmehr müsse sich die Stadt eingestehen, dass sie mit dem gewählten Projekt gescheitert sei. «Statt über Verlierer zu streiten, würde man besser schauen, dass die Stadt, das Quartier und der günstige Wohnraum die Gewinner werden.»

Günstiger Wohnraum nämlich lasse sich mit «Lilo» verwirklichen: Bei vergleichbaren Kosten biete sein Projekt sechzehn Wohnungen, drei mehr als die «Baumzimmer», sowie die doppelte Gewerbefläche. Weil sein Projekt statt Autoparkplätze sechs Ateliers und ein öffentliches Kulturfoyer vorsehe, ist für Lehmann klar: «‹Lilo› trifft den Nerv des Quartiers.»

Warten auf den Statthalter

Nicht als Erster kritisiert Lehmann, dass die Stadt ein Projekt verfolgt, das die baurechtlichen Vorgaben verletzt. Schliesslich war die Vorgabe klar, wie ein Blick ins Wettbewerbsprogramm zeigt: Es dürfen «keine Projekte eingereicht werden, die eine Ausnahmebewilligung erfordern», heisst es da. Auf Fragen der teilnehmenden Architekten während des laufenden Wettbewerbs untermauerten die Verantwortlichen diesen Standpunkt.

Dennoch halten die Verantwortlichen bei der Stadt an den «Baumzimmern» fest. Mitte Januar reichten sie beim Bauinspektorat eine Projektänderung ein, bei der von den geplanten Balkonen fast nichts mehr übrig geblieben war. Gleichzeitig befasst sich der Regierungsstatthalter mit der Beschwerde gegen den Entscheid des Parlaments, seine frühere Zustimmung zu annullieren.

Den Entscheid des Regierungsstatthalters gelte es abzuwarten, teilte Fernand Raval gestern mit. Laut dem Leiter von Immobilien Stadt Bern «wird das geänderte Projekt der Jury nochmals vorgelegt». Diese wird dann entscheiden müssen, ob das realisierbare «Baumzimmer»-Projekt noch dem entspricht, das sie ausgezeichnet hat. Aktuell sei «der Entscheid des Beurteilungsgremiums nach wie vor zu respektieren», so Raval. Andernfalls würde sich die Stadt «sehr unfair verhalten».

Berner Zeitung

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