Liegestuhl auf Ibiza oder Jeep in Botswana

Bern

André Lüthi ist CEO des Reiseveranstalters Globetrotter und hat in der SRF-Doku-Soap «Die Ferienprofis» per Töff den Ural durchquert. Reisen sei eine Lebensschule, sagt er.

Ein Reisefreak: André Lüthi, CEO der Globetrotter Group.

Ein Reisefreak: André Lüthi, CEO der Globetrotter Group.

(Bild: Urs Baumann)

Herr Lüthi, Sie bezeichnen sich als ewig Reisenden und Weltenbummler. Kommen Sie als CEO überhaupt noch zum Reisen?André Lüthi: Doch, schon. Ich reise pro Jahr zwischen sechs und acht Wochen, drei bis vier Wochen mit der Familie. Zwischendurch abzuschalten und wegzukommen, finde ich wichtig.

Zwischen Arktis und Antarktis waren Sie schon fast überall. Haben Sie noch eine Traumdestination? Der Nordpol war mein Bubentraum. Jetzt stehen noch einige Täler im Himalaja auf meiner Liste und einige wunderbare Ecken im Südosten Russlands.

Der Himalaja ist jetzt wohl zurückgestellt. Überhaupt nicht. Ich war schon 35-mal in Nepal. Das, was mit Ueli Steck geschah, war meiner Meinung nach vor allem eine Mediengeschichte. Ich habe noch nie eine Schlägerei erlebt. Dass Sherpas gefährlich sind, ist Humbug. Ich hatte in Tibet viele tolle Begegnungen mit Menschen.

Was ist der Unterschied zwischen Reisenden und Touristen? Tourist ist jeder, der länger als 24 Stunden mehr als 30 Meter von daheim weg ist. Es ist aber ein Unterschied ob jemand zwei Wochen auf Ibiza im Liegestuhl liegt, oder ob er durch Botswana reist. Wenn man ein Land wirklich kennen lernt, kommt man anders nach Hause. Reisen ist eine Lebensschule.

Ist Reisen noch eine Lebensschule, wenn alles organisiert ist – vom Träger übers Duschzelt bis zum Bier nach dem Trekking? Bier oder WC-Zelt hin oder her: Reisen erfordert eine Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Man muss auf die Leute eingehen, andere Lebensweisen wertschätzen. Und Improvisieren lernt man auch beim Reisen.

Sie reisen oft mit der Familie, Ihre Kinder sind im Teeniealter. Kommen die noch gerne mit? Auf 08/15-Reisen wohl kaum. Aber im Jeep mit Dachzelt durch Botswana, das ist so spannend, da käme noch die Grossmutter mit.

Vor über 20 Jahren haben Sie mit Globetrotter klein angefangen. Heute hat die Firma 23 Filialen, 400 Mitarbeiter und erzielt 230 Millionen Franken Umsatz. Sehnen Sie sich manchmal in die Anfangszeit zurück, als alles noch klein und überschaubar war? Ich habe keine Längizyt danach, aber manchmal schaue ich etwas wehmütig zurück. Die Reiseform, auf eigene Faust ein Land zu entdecken, spricht inzwischen längst nicht mehr nur Junge an. Heute sind Frühpensionierte und Pensionierte ein wichtiges Segment für uns, bei dem der Umsatz pro Kopf hoch ist. Daneben betreuen wir sogar Geschäftsreisende.

Sie offerieren Aktivreisen und Erlebnisreisen. Was ist der Unterschied? Wer bereit ist, die touristischen Pfade zu verlassen, muss ein Land zu Fuss, im Kanu oder auf dem Pferd entdecken. Dafür bieten wir kleine Gruppenreisen an. Dann gibt es Studienreisen mit Fachleuten wie Erich Gysling. Die Reise zum Azorenhoch mit Thomas Bucheli zum Beispiel ist dreimal ausgebucht.

Welche Reiseideen wollen Sie noch realisieren? Ausgehend vom TV-Projekt im Ural möchten wir 2014 mit alten Motorrädern gewisse Teile der Welt entdecken.

Heute Samstag (15 Uhr) ist Schauspielerin Heidi Maria Glössner Interviewgast am BZ-Stand, morgen Sonntag Regierungsrätin Beatrice Simon.

Berner Zeitung

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