Letzte Tage bei Vaucher

Bern

Ende Monat schliesst das Berner Traditionsunternehmen Vaucher seine Filiale in der Stadt Bern. Die meisten Mitarbeiter haben eine neue Stelle gefunden. Was mit dem Geschäft passieren wird, ist weiterhin unklar.

Fast leer geräumt sind die Regale im Berner Traditionsunternehmen Vaucher. Übermorgen schliesst das Geschäft für immer.

Fast leer geräumt sind die Regale im Berner Traditionsunternehmen Vaucher. Übermorgen schliesst das Geschäft für immer.

(Bild: Andreas Blatter)

Mirjam Comtesse

Die Regale sind teilweise bereits leer. Kunden begutachten die übrig gebliebenen Sportartikel. Einige kommen auch, um sich von den langjährigen Mitarbeitern zu verabschieden. Übermorgen, am 31.Juli, schliesst die Filiale des Sportartikelhändlers Vaucher in der Berner Marktgasse. Die Ableger in der Bieler Innenstadt und im Shoppyland Schönbühl sind bereits seit Mitte Monat zu. Zwölf Stellen gingen dadurch verloren.

Das Berner Traditionsunternehmen wird aber nicht ganz verschwinden: Es wird seine Tätigkeiten am Hauptsitz in Niederwangen konzentrieren. Auch 3 der insgesamt 19 Angestellten in der Stadt Bern können dorthin wechseln. «Von den restlichen Mitarbeitern haben die allermeisten eine neue Stelle gefunden», sagt Annamarie Vaucher. Sie ist Verwaltungsratspräsidentin des Familienunternehmens. In Niederwangen werden künftig 15 Angestellte und 13 Lehrlinge arbeiten.

Offen ist, wie es mit dem frei werdenden Geschäftslokal in der Berner Altstadt weitergeht. «Wir suchen noch einen Nachmieter», sagt Daniel Schürmann von Pensimo. Die Anlagestiftung mit Sitz in Zürich ist die Eigentümerin der Vaucher-Liegenschaft.

Bleibt Paternoster erhalten?

Solange der neue Mieter nicht bekannt ist, bleibt auch unklar, was mit dem legendären Paternoster-Lift in der Filiale passiert. «Ob der Erhalt des Lifts möglich ist, wird im Rahmen der Ansprüche und Pläne der neuen Nutzerschaft zu prüfen sein», sagt der Berner Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross.

«Dabei werden wir auch sicherheitstechnische Überlegungen mit einbeziehen müssen.» Denn der Lift stammt aus dem Jahr 1974, und es ist nicht sicher, dass er wieder eine Betriebsbewilligung erhielte. Sein ungewöhnlicher Name kommt im Übrigen vom katholischen Rosenkranz. Wie bei der Gebetskette die Perlen sind beim Paternoster die Kabinen an einem Seil aufgereiht.

«Wir waren wie eine Familie»

Annamarie Vaucher irritiert das grosse Interesse am Paternoster: «Ich habe manchmal den Eindruck, man macht sich mehr Gedanken über den Lift als über unsere Mitarbeiter, die sich umorientieren müssen.» Ihr fällt der Abschied von der Berner Filiale schwer: «Wir waren wie eine Familie. Nun muss ich fast allen Auf Wiedersehen sagen – teilweise nach 40 Jahren.»

Die 67-jährige Annamarie Vaucher führt die Firma in dritter Generation – zusammen mit drei langjährigen Mitarbeiterinnen. Sie war mit Denis Vaucher verheiratet, der 2012 im Alter von 84 Jahren starb. Dessen Vater, Denis-Louis Vaucher, hatte das Unternehmen im Jahr 1929 gegründet. Er war Olympiagoldmedaillengewinner im Militärpatrouillenlauf und startete den Handel mit Sportartikeln klein: Im Winter bot er Holzskier und Schlitten an, im Sommer Tennisartikel.

Harte Konkurrenz

Der Grund für die Schliessung der Filialen in Bern, Biel und im Shoppyland sind laut Annamarie Vaucher die sinkenden Umsätze und die gleichzeitig relativ hohen Mietkosten. Die Konkurrenz ist gross: Vor allem im Internet unterbieten viele Sportartikelhändler die Preise im herkömmlichen Detailhandel.

Berner Zeitung

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