Leitung der Dampfzentrale bleibt noch offen

Bern

Ab April ist die Dampfzentrale führungslos. Die Leitungsstelle wird voraussichtlich erst Ende Jahr besetzt. Vorstandspräsidentin Nicola von Greyerz nimmt dazu Stellung und skizziert erste Übergangslösungen.

Will ein neues Kapitel aufschlagen: Vorstandspräsidentin der Dampfzentrale Nicola von Greyerz.

Will ein neues Kapitel aufschlagen: Vorstandspräsidentin der Dampfzentrale Nicola von Greyerz.

(Bild: Beat Mathys)

Lucie Machac@liluscha

Frau von Greyerz, Ihre Kandidatin für die Leitungsstelle der Dampfzentrale ist vor zwei Monaten abgesprungen. Weshalb wurde die Stelle noch nicht neu ausgeschrieben? Nicola von Greyerz: In einem ersten Schritt mussten wir gemeinsam mit dem Dampfzentrale-Team die Übergangssituation regeln. Und wir wollten uns vergewissern, dass das Leitungsprofil das richtige ist. Bei der ersten Ausschreibung vor fünf Monaten sind wir davon ausgegangen, dass Christian Pauli als Spartenleiter Musik bleibt. Nun hat er aber ab Mai eine neue Stelle, und wir stehen vor einer neuen Situation. In drei bis vier Wochen schreiben wir die Stelle aus.

Der Vorstand hat bei der Besetzung der neuen Leitung bisher eine schlechte Figur gemacht. Ist das siebenköpfige Gremium überfordert? Wir hatten auf Ende 2011 eine neue Leiterin, die ihre Stelle leider aus unvorhergesehenen Gründen nicht antreten konnte. Diese Situation war für den Vorstand nicht einfach. Rückblickend ist bei der Stellenbesetzung sicher nicht alles optimal gelaufen, nicht nur vonseiten des Vorstands. Im Nachhinein betrachtet, waren wir vielleicht zu wenig konsequent. Aus der Krise haben wir aber gelernt. Jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf. Das Wohl des Hauses liegt uns sehr am Herzen, und wir tun alles, damit die Dampfzentrale weiterhin ein profiliertes Kulturhaus bleibt.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Debakel? Die erste Stellenbesetzung zeigte uns, dass wir die Organisation nochmals gründlich überdenken müssen. Deshalb haben wir nun einen externen Berater an Bord geholt, der eine Analyse der Dampfzentrale-Organisation vornehmen wird. Fachleute stellen in schwierigen Situationen die richtigen Fragen und weisen auf die wunden Punkte hin. Klaus Rohrer wird den Betrieb inklusive den Vorstand genau unter die Lupe nehmen und allfällige Optimierungsvorschläge erarbeiten.

Heisst das, der Vorstand wird eventuell ausgewechselt? Letztlich ist es der Verein, der den Vorstand wählt. Ich bin klar der Meinung, dass in einem Vorstand vor allem Fachleute wie Juristen oder Betriebswissenschafter vertreten sein müssen. Momentan ist der Vorstand eine Mischung aus Interessenvertretern und Fachleuten. Diese Konstellation muss man überdenken.

Zurück zum neuen Leitungsprofil. Was schwebt Ihnen vor? Wir suchen eine künstlerische Leitung und keinen Betriebsmanager. Die neue Person soll aus dem Bereich Tanz kommen, weil der Tanz in der Dampfzentrale den grösseren Raum einnimmt und auch das grössere Budget beansprucht als die Sparte Neue Musik. Aber es muss ganz klar jemand sein, der die Dampfzentrale als Zweispartenhaus führen und nach aussen vertreten kann.

Werden bei der Ausrichtung der Dampfzentrale neue Akzente gesetzt? An der inhaltlichen Ausrichtung wird sich nichts ändern. Aber eine neue Leitung darf und soll im Rahmen des Leistungsvertrags neue Akzente setzen.

Wie wollen Sie die Kontinuität des Betriebes gewährleisten? Das Team der Dampfzentrale ist sehr motiviert und verfügt über viel Know-how. Deshalb haben wir uns anstelle einer Interimsleitung für eine interne Übergangslösung entschieden. Die aktuelle Saison ist grösstenteils bereits geplant. Für die offenen Zeitfenster haben wir eine Programmgruppe Tanz und eine Musikabteilung aus den Teammitgliedern zusammengestellt. Der Vorstand wird Aufgaben wie Personalführung und Finanzen unter sich aufteilen.

Was bedeutet dies für das Aushängeschild der Dampfzentrale, das Festival «Tanz in. Bern»? Die nächste Ausgabe des Festivals wird erst 2013 stattfinden. Für diesen Herbst planen wir aber, an vier Wochenenden grosse internationale Gastspiele einzuladen. «Tanz in. Bern» ist eine profilierte Marke. Diese wollen wir nicht mit einer halbherzigen Übergangslösung gefährden.

Das Image des Hauses hat unter dem Leitungsdebakel gelitten. Das könnte sich bei der nächsten Subventionsrunde rächen. Das denke ich nicht. Die Marke Dampfzentrale ist in Bern sehr gut verankert – das hat die Abstimmung im Mai 2011 gezeigt. Wenn wir im Sommer die neue Leitung ernennen können, wird die Dampfzentrale hoffentlich wieder in ruhiges Fahrwasser gelangen.

Berner Zeitung

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