Bern

Lechzen nach dem Bösen

BernBühnenhommage mit raffinierter Wendung: Das Theater an der Effingerstrasse zeigt die Schweizer Erstaufführung von «Switzerland – der Fall von Patricia High­smith».

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» über die US-Schriftstellerin, die von 1981 bis zu ihrem Tod 1995 im Tessin lebte, erstmals in der Schweiz.

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» über die US-Schriftstellerin, die von 1981 bis zu ihrem Tod 1995 im Tessin lebte, erstmals in der Schweiz. Bild: Severin Nowacki/zvg

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Es ist keine einfache Aufgabe, die der amerikanische Verlagsmitarbeiter Edward Ridgeway (Je­roen Engelsman) gefasst hat. Er muss die im Tessin lebende Autorin Patricia Highsmith (Wiebke Frost) überzeugen, einen weiteren Roman mit ihrer berühmten Figur zu schreiben – dem Hochstapler und Mörder Tom Ripley. Das Problem: Highsmith verabscheut es, in ihrer zurückgezogenen Welt mit Katzen, Büchern, Waffensammlung und Schneckenzucht gestört zu werden.

Sie ist kratzbürstig und unberechenbar. Doch Ridgeway lässt sich so schnell nicht vertreiben. Als er Highsmith von seinen verstorbenen Eltern erzählt, weckt er ihr Interesse. Denn das ist das, wonach die Krimiautorin lechzt: der Tod, das Böse und das Unvorhergesehene.

Viele bekannte Details

Um diesen Konflikt dreht sich das Stück «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» der australischen Autorin Joanna Murray-Smith. Das Theater an der Effingerstrasse zeigt das Werk über die US-Schriftstellerin, die von 1981 bis zu ihrem Tod 1995 im Tessin lebte, erstmals in der Schweiz. Auch wenn es Fiktion ist, bedient sich das Stück vieler bekannter Details aus dem Leben von Highsmith, deren Nachlass sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern befindet.

Tatsächlich war Highsmith als exzentrische und dem Alkohol zugeneigte Frau bekannt. Die Inszenierung von Stefan Meier stellt diese Seite der Ripley-Autorin ins Zentrum. Dennoch hätte Highsmith als Liebhaberin menschlicher Abgründe an der raffinierten Bühnenhommage vielleicht ihre Freude gehabt. Während der Konflikt zwischen Autorin und Verleger zunächst berechenbar scheint, tun sich nach und nach immer mehr Facetten auf. Es entwickelt sich ein regelrechtes Duell. Hier ist keiner, wie er sich gibt. Schliesslich wartet das Stück mit einer Wendung auf, die gleichzeitig unerwartet und schlüssig ist.

In der ersten Hälfte hat Stefan Meiers Inszenierung noch mit Längen zu kämpfen. Doch dann nimmt das Stück Fahrt auf und entwickelt eine packende Dynamik zwischen den Figuren. Wiebke Frost überzeugt als misanthropische Eigenbrötlerin, bei der man jederzeit damit rechnet, dass sie eines der Messer aus ihrer Waffensammlung zieht, um sich des ungebetenen Gasts zu entledigen. Sie pendelt zwischen Schroffheit und Neugierde, spricht dabei über das Schreiben und darüber, dass sie ihre Gefühle schon lange in ihren Figuren ausgelagert hat.

Ebenso gut ist Jeroen Engelsman als Edward Ridgeway. Anfangs wirkt er bübisch und harmlos. Spätestens als er mit Highsmith über den finalen Mord von Tom Ripley fantasiert, wird klar, dass er es faustdick hinter der Ohren hat und bereit ist, einen verblüffenden Wandel hinzulegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.02.2017, 20:19 Uhr

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