Bern

Kunstmuseum im Clinch mit Urheberrecht

BernGegen das Sanierungsprojekt des Kunstmuseums Bern liegen Beschwerden vor. Die Architekturszene kritisiert, dass der Auftrag direkt an ein Berner Büro ging. Dass er nicht ausgeschrieben wurde, hat urheberrechtliche Gründe.

Die freihändige Vergabe an ein Berner Architekturbüro sei laut Beschaffungsrecht möglich, um zeitliche Verzögerungen und damit Mehrkosten zu verhindern, hiess es im Juni an der Medienkonferenz.

Die freihändige Vergabe an ein Berner Architekturbüro sei laut Beschaffungsrecht möglich, um zeitliche Verzögerungen und damit Mehrkosten zu verhindern, hiess es im Juni an der Medienkonferenz. Bild: Christian Pfander

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Die Zeit drängt: Der Platz ist knapp, die Klimaanlage veraltet, das Kunstmuseum Bern muss erweitert und gesamtsaniert werden. Ende Juni wurde ein entsprechendes 40-Millionen-Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Und bereits stand fest, wer ab 2019 für die Realisation an der Hodlerstrasse zuständig sein wird: das Berner Architekturbüro Jordi + Partner.

Pikant: Architekt Patrick Jordi ist im Vorstand der Berner Kunstgesellschaft, die mit dem Kunstmuseum eng verbandelt ist. Die Konkurrenz zeigte sich erbost, dass der Grossauftrag nicht öffentlich ausgeschrieben wurde, obwohl die Öffentlichkeit mehr als die Hälfte der Kosten beisteuern wird.

Darum reichten dreissig Architekturbüros beim Kanton Beschwerde ein, wie aus der Szene zu vernehmen ist. Sie verlangen, dass der Auftrag doch noch öffentlich ausgeschrieben wird.

Der Vertrag ist weiterhin gültig

Ein Ausstieg aus dem Vertrag mit Jordi + Partner könnte das Museum teuer zu stehen kommen. Die Berner Architekten waren es, die 2013 nach zwei gescheiterten Anbauprojekten mit den Plänen für die interne Erweiterung ans Museum herantraten, an der das Museum weiterhin festhält.

Der damalige Stiftungsrat unter Leitung von Christoph Schäublin handelte mit dem Architekturbüro einen entsprechenden Vertrag aus. Das Projekt wurde durch die Zusammenführung des Museums mit dem Zentrum Paul Klee unter einer Dachstiftung vertagt. Nun steht es an – und der Vertrag ist weiterhin gültig.

Mehr noch: Die Architekten be­sitzen das Recht an ihren Plänen. Würde das Museum den Auftrag ausschreiben und andere Architekten mit der Realisierung beauftragen, müsste es Jordi + Partner auszahlen. Wie hoch diese Summe wäre, ist nicht bekannt – in Insiderkreisen spricht man allerdings von einem tiefen einstelligen Millionenbetrag.

Ob es korrekt war, das Gesamtsanierungsprojekt nicht öffentlich auszuschreiben, wird derzeit vom Kanton, dem Hauptsubventionsgeber, im Rahmen eines Rechtsgutachtens geprüft. Aufgrund der laufenden Abklärungen kann sich das Museum nicht äussern. Klar ist, dass sich das Museum keine weitere Verzögerung mehr leisten kann. Finanziell wie substanziell. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.07.2017, 11:47 Uhr

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