Bern

Kunstmuseum Bern erwägt Übungsabbruch

BernDie Architekturszene protestiert gegen die Vergabe des 40-Millionen-Projekts zur Sanierung des Kunstmuseums Bern ohne Ausschreibung. Jetzt gibt es auch im Museum Stimmen, die fordern: «Zurück auf Start!»

Aus Kreisen das Kunstmuseums Bern ist nun zu hören, dass selbst ein Teil des Dachstiftungsrats erwägt, nach dem heftigen Protest das 40-Millionen-Vorhaben fallen zu lassen.

Aus Kreisen das Kunstmuseums Bern ist nun zu hören, dass selbst ein Teil des Dachstiftungsrats erwägt, nach dem heftigen Protest das 40-Millionen-Vorhaben fallen zu lassen. Bild: zvg/Kunstmusem Bern

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Tiefe Temperaturen und Regen: Daraus waren die Träume von Nina Zimmer in den letzten Monaten gemacht. Die Direktorin des Kunstmuseums Bern und ihr Team bangten um die Kräfte der Klimaanlage. Würde sie noch einen heissen Sommer durchhalten? Mehrere Anlagen im Haus an der Hodlerstrasse sind in so marodem Zustand, dass dem Kunstmuseum latent die Schliessung droht. Ohne Klimaanlage keine Ausstellungen.

Mehr noch: Im Notfall müsste die ganze Sammlung aus dem Haus geschafft werden. Im Kunstmuseum existieren laut gut unterrichteten Quellen Evakuierungspläne für die über 50 000 Werke. Die Bilder würden beim Totalausfall der Klimaanlage in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die Bilderlager von Museen in anderen Städten verfrachtet.

Klatsche mit Schönheitsfehler

Eine klare Sache: Es eilt – und im Zeitdruck hat das Kunstmuseum Bern eine etwas naive Strategie gewählt: Im Frühjahr stellte es ein kombiniertes Sanierungs- und Umbauprojekt vor. Es beinhaltete also auch die Erweiterung der Ausstellungsfläche – ein Vorhaben, das schon viel zu lange ergebnislos Kräfte bindet. Mehrere Pläne für einen Erweiterungsbau hatten sich in den letzten Jahren zerschlagen.

Zwei Fliegen auf einen Streich also, aber per Klatsche mit Schönheitsfehlern. Das aktuelle Vorhaben beträgt 40 Millionen Franken. Den Zuschlag erhielt das Berner Büro Jordi + Partner AG – ohne dass das Projekt zuvor einer öffentlichen Ausschreibung unterzogen worden wäre. Pikant dabei ist: Patrick Jordi ist Mitglied der Stiftung Berner Kunsthalle und somit ein Insider des Museums. Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat gegen die Ver­gabe protestiert. Bis der Regierungsrat darüber befunden hat, hat der Protest aufschiebende Wirkung (wir berichteten).

Zuerst flicken

Aus Kreisen das Kunstmuseums Bern ist nun zu hören, dass selbst ein Teil des Dachstiftungsrats erwägt, nach dem heftigen Protest das 40-Millionen-Vorhaben fallen zu lassen. Man fragt sich: Welchen Wert hat es, gegen die ganze Architekturszene zu prozessieren – und dies wegen Versäumnissen aus der Zeit der alten Führungscrew? Unter dem ehema­ligen Stiftungsratspräsidenten Christoph Schäublin hatte man den ­Sanierungsbedarf viel zu ­lange nicht erkannt – oder verdrängt. Schäublin will heute nicht mehr über vergangene Zeiten reden.

Geäussert werden die Bedenken nur hinter vorgehaltener Hand. Doch offenbar erwägt der Stiftungsrat nach den heftigen Protesten mittlerweile, das Projekt aufzusplitten. Das bedeutete, die Sanierung der Klimaanlage vorzuziehen, um den Betrieb zu sichern. In diesem Fall würde die Erweiterung der Ausstellungsfläche zu einem späteren Zeitpunkt angepackt – mit sauberer Ausschreibung, wie sie für öffentlich finanzierte Bauvorhaben Pflicht sind. Auf die Ausschreibung hatte man im umstrittenen Projekt mit dem Hinweis auf die Dringlichkeit der Sanierung verzichtet. Ob diese Ausnahme rechtens war, wird derzeit abgeklärt. Die dafür zuständige Erziehungsdirektion des Kantons Bern konnte gestern noch nicht mitteilen, wann das Verfahren abgeschlossen sein wird.

Geleitet wird das Umbauprojekt von Stiftungsratspräsident Jürg Bucher. Offiziell kommentiert weder er noch die Kommunikationsabteilung die neuste Entwicklung. «Wir nehmen aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung», sagt Sprecherin Maria-Teresa Cano.

Klar ist so viel: Wird die Sanierung vorgezogen und der Umbau vertagt, wirds teurer als 40 Millionen Franken. So oder so: Der Kanton wird den Löwenanteil der Kosten tragen müssen. Falls nicht ein Retter in der Not auftaucht, der den grossen Wurf ­finanziert. In dieser wunderlichen Fortsetzungsgeschichte ist nichts auszuschliessen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2017, 20:56 Uhr

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