Kultur in der Waschküche

Im Berner Beaumont-Quartier ist innerhalb von drei Wochen ein neues Kulturlokal entstanden. Die Macher wollen in den nächsten drei Monaten Kulturgrenzen verschwimmen lassen.

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Bis vor kurzem wurde an der Seftigenstrasse 16 im Berner Beaumont-Quartier noch schmutzige Wäsche gewaschen. Für drei Monate sollen in den Räumlichkeiten aber Flecken keine Rolle mehr spielen, sondern Kultur jeglicher Couleur verschwimmen.

Wie farbig dieses «Waschprogramm» ist, zeigt ein Blick auf die Veranstaltungen der nächsten Tage. Es findet beispielsweise von «artacks», dem Berner Künstlerprojekt, veranstaltet ein Live-Painting zu Live-Jazz, ein Graffiti-Workshop für Kinder und eine Tschuttiheft-Sammelbilder-Tauschbörse statt. «Wir verstehen uns als kulturelle Begegnungsstätte aus dem Quartier und für das Quartier», erklärt Felicia Kreiselmaier, stellvertretend für das Kollektiv hinter der Waschküche.

In Bern gibt es vor allem im Sommer ein grosses Entwicklungspotential was die Kultur angeht, ist Kreiselmaier überzeugt. Sie ist sich auch bewusst, dass die Stadt momentan ein dankbares Pflaster ist für neue Lokale und Kulturinstitutionen. «Zuletzt gab es nur Schlagzeilen über Lokale, die schliessen mussten.»

Nachbarn packen an

Das elfköpfige Team, bestehend aus acht Frauen und drei Männern, hat erst am 10. Mai den Mietvertrag unterschrieben und das Lokal innert weniger Wochen umgebaut. Im Innern erwartet den Besucher nun eine zusammengewürfelte Einrichtung mit Brockenhaus-Charme.

Die Idee sei schon lange in den Köpfen herumgegeistert und man habe sofort zugegriffen, als das Lokal leer stand. Dass das Projekt innerhalb so kurzer Zeit umgesetzt werden konnte, habe dann aber selbst die Verantwortlichen überrascht. «Es entstand eine positive Dynamik, ja schon fast eine überschwängliche Euphorie», erklärt Felicia Kreiselmaier.

Mitgetragen wurde die Begeisterung auch vom breiten Netzwerk der Initiantinnen und den Anwohnern: Der Blumenladen hat Pflanzen zur Verfügung gestellt, die Kiosk-Betreiberin brachte Stühle und ein Nachbar brachte einen funktionstüchtigen Plattenspieler aus den 60er-Jahren vorbei – weil dieser besser ins Lokal passe, als beim ihm ins Wohnzimmer. «Wahrscheinlich ist uns hier zu gute gekommen, dass viele Frauen zum Team gehören», erzählt Kreiselmaier schmunzelnd. Manch einer sei vorbeigekommen, habe durchs Fenster geschaut und dann spontan mit angepackt. «Die Unterstützung war schlicht überwältigend.»

Kein Partylokal

Obwohl die Eckpfeiler des Programms schon stehen, will man während der Zwischennutzung flexibel bleiben. Allzu viel über das Konzept verraten wollen die Betreiberinnen sowieso nicht. Ihnen ist es wichtiger, das man sich selbst ein Bild von der Waschküche macht. Kreiselmaier stellt aber klar, dass dem Kollektiv Integration und soziales Engagement wichtig sind und sie wissen auch, was sie nicht sind: «Wir sind keine Bar und werden auch kein Party- sondern ein Kulturlokal sein. Wir wollen nicht sinnlos provozieren, nicht elitär erscheinen, sondern den Dialog suchen.»

Einen finanziellen Hintergedanken haben die Mitglieder des Kollektivs nicht. Sie sind neben ihrem Engagement für die Waschküche alle beruflich tätig. «Wir werden bei den Anlässen beispielsweise Kollekten durchführen und zu einem späteren Zeitpunkt wohl auch nach Sponsoren suchen», so Kreiselmaier. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.06.2012, 14:59 Uhr

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Die Waschküche an der Seftigenstrasse 16 hat bis im August von Donnerstag bis Sonntag meistens von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Das aktuelle Programm finden Sie unter www.freiraumkultur.ch.

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