Bern

Konzert Theater Bern will Provisorium im Zentrum

BernDie Sanierung des Berner Stadttheaters zieht sich um ein weiteres Jahr in die Länge. Nun fordert Direktor Stephan Märki Ersatz. Mitten in der Stadt Bern soll ein Provisorium entstehen. Die Stadt reagiert zurückhaltend.

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Bereits im Herbst zeichnete sich ab, dass der Zeitplan zu ambitioniert war. Vor Weihnachten erhielt Theaterdirektor Stephan Märki die Hiobsbotschaft, und am Montag wurde sie öffentlich: Der Umbau des Stadttheaters verzögert sich weiter.

Bereits vor knapp einem Jahr wurde der Fahrplan ein erstes Mal umgekrempelt. Ursprünglich sollte der Umbau von Publikumstrakt, Bühnentechnik und Backstage-Einrichtungen in zwei Etappen während der Sommerpausen 2014 und 2015 über die Bühne gehen. Letztes Jahr kam eine Etappe hinzu.

Am Montag informierte die Stadt als Bauherrin und Besitzerin des Hauses: Die dritte Phase zieht sich 2016 vom Frühling bis in den Spätherbst. Das Haus wird von März bis November geschlossen sein. Damit nicht genug: Eine vierte Bauphase im Sommer 2017 kommt hinzu – was zur Folge hat, dass auch die Spielzeit 2017/2018 verkürzt wird.

«Keine Mehrkosten»

Stadtbaumeister Thomas Pfluger will nichts von einer Fehlplanung wissen. «Bei der Sanierung des Stadttheaters handelt es sich um eine sehr komplexe Bauaufgabe, bei der Änderungen der Detailplanung normal sind.» Kleine Korrekturen führten schnell zu einer grösseren Verschiebung der Bauphasen. Als Grund nennt Pfluger «die zu knappe Installationsfläche angesichts der zahlreichen Unternehmer, die gleichzeitig vor Ort sind». Deshalb könne nicht gleichzeitig an der Bühne und am Theatersaal gearbeitet werden. Immerhin: Am Kostendach von gut 43 Millionen Franken werde nicht gerüttelt. Die Verzögerung sei rein planerisch, am Auftrag ändere sich nichts.

Einschneidend ist die Verzögerung indes für den Betrieb von Konzert Theater Bern. Entsprechend wenig freudig gab Direktor Stephan Märki gestern Auskunft: «Ein Theaterumbau ist etwas vom Kompliziertesten. Da kann es zu Verzögerungen kommen. Nur hatte man so lange geplant, um genau dies zu verhindern.» Der neue Zeitplan sei einschneidend für das Haus. «In den nächsten beiden Spielzeiten sind 70 Vorstellungen betroffen, die wir bereits geplant haben», sagt Direktor Stephan Märki.

«Ersatz mitten in der Stadt»

Für Konzert Theater Bern ist nun klar, dass die Stadt Ersatz bieten muss. «Wir brauchen eine attraktive Spielstätte mitten in der Stadt.» Die Idee Märkis: Für März bis November 2016 würde auf einem «geeigneten Platz» ein Provisorium errichtet. Damit der Theaterbetrieb aufrechterhalten werden könne. «Es läuft so gut wie noch nie, wir müssen unsere Leute beschäftigen und dem Publikum etwas bieten.» Die Stadt müsse jetzt Gas geben, damit das Theater seine nächsten Spielzeiten planen könne.

Wo soll das Provisorium zu stehen kommen? Auf dem Waisenhausplatz oder gar vor dem Bundeshaus? Die Antwort lässt Märki offen. Und was, wenn die Stadt auf die Forderung nicht eingehen sollte? «Dann weiss ich nicht, was wir machen sollen», sagt Märki, doch er schiebt nach: «Wir wären nicht beim Theater, wenn wir mit einer solchen Situation nicht kreativ umgehen könnten.»

Provisorium hin oder her: Die Verzögerung führt zu deutlich tieferen Einnahmen, weil das Stadttheater als grösste Spielstätte einen guten Teil der Ticketerlöse generiert. «Die Stadt hat signalisiert, dass sie helfen würde. Wir nehmen sie beim Wort», sagt Märki.

Kritik gibts schon lange

Aus dem Erlacherhof tönt es unverbindlich. «Wir sind im Gespräch mit Konzert Theater Bern», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät. «Die Stadt wird Hand bieten, wenn es nötig sein wird, eine Ersatzspielstätte zur Verfügung zu stellen.» Allerdings stehe der Bundesplatz nicht zur Verfügung. Weitere mögliche Standorte müssten geprüft werden.

Bereits vor Baubeginn sorgte das Sanierungsprojekt für Kritik – auch an Stadtpräsident Tschäppät. In der Stadtratsdebatte vom August 2013 war Michael Köpfli, damals noch Fraktionschef der GLP, einer der schärfsten Kritiker. Während er vor einem Jahr die erste Verzögerung noch als «absolut inakzeptabel» bezeichnet hatte, reagierte er gestern schon fast resigniert: «Weil es mich nicht überrascht, kann ich mich gar nicht mehr richtig aufregen.»

Köpfli erinnert daran, dass er das Projekt nicht hatte ablehnen, sondern bloss zurückweisen wollen – auf dass die unrealistischen Zeit- und Finanzpläne hätten überarbeitet werden können. «Dies wurde von Stadtpräsident Tschäppät zurückgewiesen, weil der Zeitplan unbedingt eingehalten werden müsse – jener Zeitplan, der nun zum zweiten Mal über den Haufen geworfen wird.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.01.2015, 17:22 Uhr

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