Bern

Konzert Theater Bern ist auf Brautschau

BernStadtpräsident und Konzert Theater Bern schweigen sich über Ersatzspielstätten aus. Kein Grund, nicht zu spekulieren: sieben Räume in der Stadt Bern, in denen von März bis November 2016 Opern und Theaterstücke über die Bühne gehen könnten.

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Theater National

Vorteile: Bewährt hat sich die Spielstätte bereits in den Achtzigerjahren, während der letzten Stadttheatersanierung: Die Institution fand Asyl im Theater beim Hirschengraben. Damals wie heute ein guter, kostengünstiger Deal, handelt es sich beim National doch um ein bestehendes Theater mit allem Technikschnickschnack. Noch dazu ist es zentral gelegen. Praktisch, aber...

Nachteile: ...auch langweilig. Immerhin möchte KTB die Zwischenphase kreativ nutzen, und das würde an einem überraschenden Spielort besser funktionieren.

Grosse Halle, Reitschule

Vorteile: Der Ort ist KTB bereits vertraut. Erstmals gastierte die Institution in den Achtzigerjahren mit einem Theaterstück von Elfriede Jelinek dort. 2013 landete KTB mit der Opernproduktion «Neither» von Morton Feldman in der Grossen Halle einen Grosserfolg, der sich im Herbst 2013 mit der Märchenoper «Das kalte Herz» von Morton Feldman und 2014 mit «Peter Grimes» von Benjamin Britten wiederholte.

Nachteile: Die Grosse Halle der Berner Reitschule kann man zwar mieten, billig ist aber anders. So gehörten auch die genannten Opern zu den teuersten Produktionen von KTB. Ausserdem dürften weder die Betreiber der Reitschule noch deren Stammkunden Freude haben, wenn das Opernpublikum eine ganze Saison regelmässig ein und aus geht – immerhin hat die Reitschule einen anarchischen Ruf zu verlieren.

Kubus, Waisenhausplatz

Vorteile: Die Theaterleitung favorisiert einen provisorischen Bau an zentraler Lage, etwa auf dem Waisenhausplatz. Dass ein temporärer Kubus dort realisierbar wäre, ist spätestens seit der Euro 08 klar. Damals wurde für den Fussballevent ein viel frequentiertes Besucherzentrum errichtet – unter Federführung von Benedikt Weibel. Praktisch für KTB: Der einstige Delegierte des Bundesrates für die Euro 08 ist heute Stiftungsratspräsident der Kulturinstitution. Die Baupläne lagern vielleicht sogar noch in einer von Weibels Schubladen...

Nachteile: Ein Kubus wäre die wohl teuerste Variante für KTB. Ausser natürlich, Mario Imhof, Jimy Hofer und Theo Bertschi springen wieder in die Bresche. Das illustre Trio hat in Eigenregie schon die Finanzierung der Eisbahn auf dem Bundesplatz sichergestellt, nachdem sich die Stadt zurückgezogen hatte.

Zelt auf der Allmend

Vorteile: Warum nicht ein Konzert-Theater-Bern-Zelt dort errichten, wo jeweils auch der Circus Knie oder die Veranstaltungsreihe Das Zelt ihr Chapiteau aufbauen? Wenn die Institution keine Sonderwünsche hat, können genormte Zelte gemietet werden, und die erweiterte Tramlinie 9, das gegenüberliegende Parkhaus und der nahe Bahnhof Wankdorf lassen die Allmend zentraler gelegen erscheinen, als sie in Wahrheit ist.

Nachteile: Zelt, das tönt immer billig, ist es aber nicht. Jedenfalls nicht so eine professionelle Konstruktion, wie man sie vom Circus Knie oder von Das Zelt her kennt – schliesslich müssen diese Räume nicht nur Wind und Wetter standhalten, sondern auch eine gute Akustik garantieren, die Gäste warm und in der integrierten Bar bei Laune halten.

Alte Feuerwehrkaserne

Vorteile: Drei Jahre steht die ehemalige Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse frei. Neben einer Asylunterkunft (ein Baugesuch wurde eingereicht) sind in dieser Zeit Zwischennutzungsprojekte ausdrücklich erwünscht. Wenn das nicht die Gelegenheit für KTB wäre! Die bestehende Architektur (Stichwort: Feuerwehrstange) liesse sich gewitzt ins Bühnenbild integrieren.

Nachteile: Bei der Bevölkerung wurden bereits Zwischennutzungsideen für die 1700 Quadratmeter gesammelt – sie reichen von einer Bibliothek über Restaurants bis zur YB-Fanzentrale. Die Stadt müsste den Quartierbewohnern die in Aussicht gestellte Fläche wieder ab- und KTB zusprechen. Fraglich, ob die subventionierte Institution den Gram der kulturinteressierten und Steuern zahlenden Breitenrain-Bewohner auf sich ziehen möchte.

Altes Tramdepot Burgernziel

Vorteile: Mindestens anderthalb Jahre steht das alte Tramdepot noch leer, ehe dort ein neuer Wohnkomplex errichtet wird. In dieser Zeit wird das Gebäude kulturell zwischengenutzt, so richteten etwa die Kuratorinnen Ute Winselmann und Marianne Reich Arn dem Künstler Schang Hutter 2014 dort eine riesige Retrospektive aus. Der Raum ist gross, gross genug für opulente Operninszenierungen. Ein Gastspiel im ehemaligen Tramdepot dürfte auch die Unterstützung von KTB-Präsident Benedikt Weibel geniessen. Immerhin war Weibel von 1993 bis 2006 SBB-Chef, und Trams sind ja auch Züge, irgendwie.

Nachteile: Vorbeiratternde Trams und eine dicht befahrene Thunstrasse dürften dem KTB-Team akustische Schwierigkeiten bereiten. Und eine Zwischennutzung kann ein finanzielles Nachspiel haben. So stehen Winselmann und Reich Arn zurzeit mit der Stadt im Clinch, weil sie sich höhere Unterstützungsbeiträge für ihre Hutter-Sause gewünscht hatten. Billig ist eben auch das Tramdepot nicht – zumal kaum Infrastruktur besteht.

Alte Festhalle

Vorteile: Eigentlich sollte die Festhalle 2016 gar nicht mehr stehen. Sie soll abgerissen und neu gebaut werden, ein entsprechender Architekturwettbewerb wird voraussichtlich im Frühjahr ausgeschrieben. Wenn man aber Berns Geschichte der Bauverzögerungen betrachtet, stehen die Chancen gut, dass sich Konzert Theater Bern von März bis November 2016 dort vorübergehend einnisten kann. Der Ort eignet sich für Grossproduktionen, das wissen nicht nur Nostalgiker, die immer noch von der Bedeutung der Festhalle in den Siebzigerjahren schwärmen, sondern auch jene, die sich dort 2012 das Polo-Hofer-Musical «Alperose» angesehen haben.

Nachteile: Falls der ambitionierte Bauplan eingehalten werden kann und sich die altehrwürdige Festhalle nicht doch noch als als Denkmal schützenswert erweist, existiert das Gebäude 2016 nicht mehr. Wenn doch, müssten die Theaterbetreiber ihren Besucherinnen und Besuchern Decken verteilen: Denn der Bau ist nicht gerade Berns wärmste Halle. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2015, 14:00 Uhr

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