Wabern

Konservative auf verlorenem Posten

WabernDie alten Gräben taten sich zwar noch einmal auf, dennoch hätten die Wogen höher gehen können: Die römisch-katholische Kirchgemeinde regelte die Nachfolge des umstrittenen Marian Miklaszewski.

Der umstrittene Pfarreileiter Marian Miklaszewski ist letzten Herbst nach einem Vergleich mit der kantonalen Kirchendirektion gegangen.

Der umstrittene Pfarreileiter Marian Miklaszewski ist letzten Herbst nach einem Vergleich mit der kantonalen Kirchendirektion gegangen. Bild: zvg

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Das Flugblatt liess nichts Gutes erahnen für die Versammlung der römisch- katholischen Kirchgemeinde Wabern/St.Michael. Romtreue Beter, wie sie sich selber nannten, verteilten es am Eingang zum Saal, und sie warnten mit deutlichen Worten davor, die Weichen für die Pfarrei neu zu stellen. Genau das aber wollte der Kirchgemeinderat tun, nachdem der umstrittene Pfarreileiter Marian Miklaszewski letzten Herbst nach einem Vergleich mit der kantonalen Kirchendirektion gegangen war.

Die Behörden schlugen vor, nun Diakon Andreas Brun aus der benachbarten Kirchgemeinde Köniz/St.Josef in dieses Amt zu wählen. Die beiden Pfarreien bekämen so eine gemeinsame Führung.

Mit den Heiligen verbunden

Den romtreuen Betern ging es nicht einmal so sehr um die neue Struktur als vielmehr die vorgeschlagene Person. «Wir wollen keinen Häretiker als Gemeindeleiter!», schrieben sie gleich im ersten Satz und machten damit klar, wie ketzerisch, häretisch eben, Brun ihrer Meinung nach ist. In dieser Überzeugung fühlten sie sich dadurch bestärkt, dass Brun die sogenannte Pfarreiinitiative mit unterschreiben hat. Damit, so ihre Meinung, rufe er zum Ungehorsam gegen Rom auf.

Ohnehin stand für sie fest, dass in eine Gemeinde wie Wabern/St.Michael nicht ein Diakon, sondern ein geweihter Priester gehört. «Lehnen Sie also die Anstellung ab, Gott wird euren Mut belohnen», forderten sie deshalb. Und schlossen «in Verbundenheit mit allen Heiligen der römisch-katholischen Kirche».

Angst vor Identitätsverlust

An der Versammlung selber blieben die romtreuen Beter dann aber weitgehend stumm. Ihr Gedankengut klang einzig im Votum einer Frau an, die offen den vergangenen Zeiten unter Miklaszewski nachtrauerte. Schon vor Jahresfrist hatten sich konservative Kreise mit einer öffentlichen Gebetsaktion hinter den Pfarreileiter gestellt, gegen den der Kanton nach internen Querelen ein Abberufungsverfahren eingeleitet hatte.

Nun doppelte die Frau nach: «Er war ein so lieber Seelsorger und so guter Beichtvater, und er hat die Messe immer so schön gelesen», sagte sie. Dieser allseits geschätzte Mann sei der Gemeinde entrissen worden. Man habe ihn weggejagt wie einen Verbrecher, kurz: «Es ist etwas Ungerechtes passiert.»

Kritik an Struktur

Sonst aber wurde Kritik nur von Leuten laut, denen die neue Struktur ein Dorn im Auge war. Sie erinnerten daran, dass die Pfarrei Wabern/St.Michael erst seit gut 50 Jahren selbstständig ist. Nun laufe man Gefahr, das damals Erreichte zumindest zum Teil wieder zu verlieren. Mit der neuen Lösung gebe die Kirchgemeinde ihre Identität auf, ja man frage sich, ob Brun überhaupt genügend Zeit für das neue Amt habe. Wo er doch weiterhin auch in Köniz/St.Josef tätig sei und schon diese Kirchgemeinde sehr weitläufig sei.

Brun selber ging trotz alledem vor allem auf die Vorwürfe gegen seine Person ein. Die Pfarreiinitiative sei nicht gegen die kirchliche Hierarchie gerichtet, sie drücke im Gegenteil auch Solidarität mit dem Bischof aus, erklärte er. Seit 30 Jahren gebe es im Bistum Basel nämlich die Praxis, wonach Frauen und Männer miteinander und gleichberechtigt Pfarreien leiten könnten. Auf diesem Weg wolle die Initiative den Bischof weiterhin unterstützen. Brun betonte noch, dass er sich nicht zuletzt aus Sorge um seine Kirche zu dieser Bewegung bekenne. Dazu auch, dass Frauen predigen, Geschiedene kirchlich heiraten und Katholiken gemeinsam mit Reformierten das Abendmahl feiern könnten.

Ein Priester steht bereit

Ihren grossen Trumpf spielten die Kirchenbehörden erst gegen Ende der Versammlung aus. Sie machten klar, dass Brun nur zu 25 Prozent in Wabern/St.Michael tätig sein werde und neben ihm für die Seelsorge zu 60 Prozent ein Priester angestellt werde.

Für dieses Amt stehe schon ein Kandidat bereit, dessen Namen aber noch nicht öffentlich genannt werden könne. Es handle sich um einen Schweizer mit langjähriger Erfahrung. Dieser leite heute eine eigene Gemeinde, wolle aber in Zukunft etwas kürzertreten.

Und siehe da, plötzlich war die Sache sehr klar. Mit 66 Ja- gegen 30 Nein-Stimmen hiess die Versammlung Brun als neuen Gemeindeleiter willkommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.03.2013, 12:04 Uhr

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