«Konflikte wird es immer wieder geben»

Bremgarten

Gemeindepräsident Andreas Kaufmann (GLP) ist seit einem Monat im Amt. Hitzige Diskussionen werde es im Gemeinderat immer geben, sagt er mit Blick auf den Rücktritt seines Vorgängers Dominique Folletête.

Der neue Gemeindepräsident: Andreas Kaufmann (GLP) ist ein Mann der Mitte.

Der neue Gemeindepräsident: Andreas Kaufmann (GLP) ist ein Mann der Mitte.

(Bild: Iris Andermatt)

Herr Kaufmann, Sie sind ein Unikum.Andreas Kaufmann:Warum?

Sie sind der erste grünliberale Gemeindepräsident im Kanton Bern. Das ist richtig.

Sind Sie stolz darauf? Stolz nicht. Ich freue mich, es geschafft zu haben. Ich habe aber auch Respekt vor den Erwartungen, die mir gegenüber gehegt werden. Das bringt auch einen gewissen Druck mit sich.

Haben Sie sich mit der Amtsübernahme Anfang Dezember verändert? Ich bin sicher kein anderer Mensch geworden. Nun bin ich einfach für anderes zuständig als bisher. Bei der Übergabe des Ressorts Tiefbau habe ich meinem Nachfolger immerhin 38 laufende Geschäfte weitergegeben.

Was hatten Sie bis jetzt als Gemeindepräsident zu tun? Ich leitete die letzte Gemeinderatssitzung von 2014 und führte die Jahresendgespräche mit den Angestellten der Gemeinde. Unter anderem habe ich auch Geburtstagsgrusskarten unterschrieben; das gehört dazu. Über die Festtage konnte ich es eher ruhig angehen. Es ist zum Glück nichts Überraschendes geschehen.

Sie sind seit rund einem Monat im Amt. Haben Sie Bremgarten politisch schon im Griff? Das ist nicht mein Ziel als Gemeindepräsident. Meine Gemeinderatskollegen will ich nicht im Griff haben. Sie sind eigenständige Persönlichkeiten. Ich leite nur die Sitzungen.

Die Frage bezieht sich eher auf die politischen Abläufe. Bremgarten ist eine kleine Gemeinde mit kleiner Verwaltung. Man kennt alle. Für einen bisherigen Gemeinderat sind die Abläufe also nicht komplett neu.

Ihr Vorgänger Dominique Folletête war pensioniert. Werden Sie Ihr 100-Prozent-Pensum im Beruf beibehalten? Momentan sehe ich keinen Bedarf, etwas zu ändern. Am Morgen vor der Arbeit kann ich mich im Gemeindehaus mit der Verwaltung besprechen. Sitzungen und Kulturevents finden meist abends statt. Im ersten Jahr will ich nun Erfahrungen sammeln und dann entscheiden, ob ich das Pensum reduzieren will.

Ein Streit im Gemeinderat führte letzten Herbst zum Rücktritt von Gemeindepräsident Folletête. Wie können Sie einen solchen Eklat im Rat verhindern? Hitzige Diskussionen um Sachgeschäfte gab es im Gemeinderat immer wieder. Die Debatte über die Zukunft des Postareals schaukelte sich damals aber über drei Sitzungen hinweg auf. Vermutlich wäre es nicht zum Rücktritt gekommen, hätten bei Dominique Folletête nicht gesundheitliche Probleme mitgespielt.

Könnte es nochmals zu einem solchen Streit kommen? Strategisch relevante Projekte werden im Gemeinderat jeweils intensiv diskutiert – übrigens oft nicht entlang der Parteigrenzen. Das ist gut so. Konflikte um die Verwendung finanzieller Mittel wird es immer wieder geben, aber ich denke nicht, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt.

Ein Problem in Bremgarten ist das Kirchgemeindehaus, das die Kirchgemeinde abstossen will. Soll es die Gemeinde kaufen? Das Kirchgemeindehaus ist die ganz grosse Herausforderung dieses Jahres. Viele Vereine und Organisationen von Bremgarten und Umgebung benutzen die Räume. Doch einen Kauf zu finanzieren, ist eine Knacknuss.

Weshalb? Zum einen fragt es sich, wie hoch der Kaufpreis wäre. Zudem ist eine Sanierung notwendig. Und die Betriebskosten für das Gebäude sind erheblich. Das Haus müsste künftig sehr gut ausgelastet sein. Doch dass die Gemeinde es besser bewirtschaften könnte als die Kirchgemeinde, bezweifle ich. Der Gemeinderat muss nun die nötigen Abklärungen treffen und die Gemeindeversammlung entscheiden lassen.

Wie steht es mit dem Schulraum in Bremgarten? Wir haben den fünften Kindergarten eröffnet und benötigen im Sommer einen sechsten. Das heisst: Bis 2016 müssen für die zusätzlichen Kinder Schulräume zur Verfügung stehen. Noch ist nicht klar, in welcher Form: Die Spannweite reicht von einem Container bis zu einem Neubau.

Zum Thema könnte auch der Fussacker werden. Das gemeindeeigene Land zwischen den Sportplätzen und der Überbauung Bodenacker kommt als Wohnbaugebiet ins Visier des Kantons. Das verkehrsmässig gut erschlossene Landwirtschaftsland entspricht den Vorstellungen des Kantons von Entwicklung und verdichtetem Bauen. Doch der Fussacker ist eine Fruchtfolgefläche. Im Kanton gibt es zu wenig davon, also sollte sie erhalten bleiben. Über eine Umzonung müsste allerdings die Gemeindeversammlung entscheiden.

Und Ihre Meinung? Ein Verkauf würde der Gemeinde finanziell viel ermöglichen: die Schulden abzubauen, das Kirchgemeindehaus zu übernehmen und Schule und Kindergärten zu erweitern. Hingegen bezeichnet unser Leitbild den Fussacker als Landreserve für spätere Zeiten. Und ein bäuerliches Einkommen ist dort vom Land abhängig. Viele Bremgartner möchten die Matte so lassen. Meine Haltung ist die: Wenn der Kanton Bern wirklich wachsen soll, dann wäre der Fussacker sicher ein bevorzugter Standort, wo das Wachstum sinnvoll ist.

Was möchten Sie als Gemeindepräsident bewirken? Mir liegt der Zusammenhalt der Bevölkerung am Herzen. In der Bundesverfassung steht, dass sich jeder für die Aufgaben der Gemeinschaft einsetzen soll. Ich finde, in Bremgarten müssen wir diese Bereitschaft fördern. Es stimmt mich nachdenklich, dass sich der Samariterverein auflöst oder wir kaum Leute für den Wahl- und Stimmausschuss finden.

Was können die Behörden dagegen tun? Wir müssen den Vereinen ein gutes Umfeld bieten – Stichwort Lokalitäten –, den Menschen, die etwas tun, Wertschätzung entgegenbringen, Leute mit ähnlichen Interessen oder Projekten zusammenbringen. Ich habe kein fertiges Rezept, aber wir sollten beginnen, daran zu arbeiten.

Berner Zeitung

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