Bern

Köniz baut den Anschluss ans Velonetz

BernVon wegen Flickwerk: Köniz ist überzeugt, dass die neue Velohauptroute entlang der Schwarzenburg­strasse für den Zweiradverkehr viele Vorteile bringt.

<b>Der Bypass ist erst im Bau:</b> Am Kreisel Bündenackerstrasse werden die Velofahrer stadtauswärts in Zukunft rascher vorbeikommen.

Der Bypass ist erst im Bau: Am Kreisel Bündenackerstrasse werden die Velofahrer stadtauswärts in Zukunft rascher vorbeikommen. Bild: Beat Mathys

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Gross war die Kritik, als der Könizer Gemeinderat vor zwei Jahren seine Pläne für die Velohauptroute entlang der Schwarzenburgstrasse ins Parlament brachte. Von einem Flickwerk, ja einer Bastelei war die Rede. Die Grünen ­bemängelten, dass die Velo­streifen nicht durchgehend beidseitig aufgemalt werden sollten und forderten Nachbesserungen, wenn nötig zu Lasten der Autos.

Die SVP argumentierte, für so viel Geld so wenig zu bekommen, könne doch nicht sein.Am Ende bewilligte das ­Par­lament die 1,3-Millionen-Vorlage doch mit klarem Mehr. Nach dem Motto «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach» – die Politik liess sich vom Argument leiten, nur so seien die Velofahrer in Kürze sicherer unterwegs. Mehr Geld auszugeben schien zudem auch deshalb nicht angebracht, weil seit dem Nein zum Tram wieder völlig offen ist, wie der öffentliche Verkehr in der Schwarzenburgstrasse langfristig laufen wird.

Heute, zwei Jahre später, ist von der Skepsis kaum mehr etwas zu spüren. Bei jenen jedenfalls, die das Vorhaben vorantreiben: Er könne die damalige Kritik nicht nachvollziehen, sagt Daniel Matti, Chef der Abteilung Verkehr und Unterhalt in Köniz. «Die Velofahrerinnen und -fahrer werden von einer durchgehend guten Verbindung profitieren und wunderbar in Richtung Stadt vorankommen.»

Zumal es in Zukunft ab der Gemeindegrenze im selben Stil weitergehen wird: Letzte Woche hat der Berner Stadtrat Ja zu 2 Millionen Franken für die Fortsetzung zum Eigerplatz und zum Hirschen­graben gesagt. Sie wird bereits ab diesem Herbst realisiert (siehe Kasten).

Ab aufs Trottoir

Köniz ist da schon ein gutes Stück weiter. Die Arbeiten laufen hier schon seit dem März, und sie dauern noch bis im Oktober. Daniel Matti führt gemeinsam mit Gemeinderat Christian Burren und Projektleiter Markus Mani über die Baustelle. Start ist der Kreisel am Brühlplatz, wo der Velostreifen stadteinwärts gleich mal fehlt.

Weil im bestehenden Strassenraum kein Platz war und Köniz keinen langwierigen Land­erwerb riskieren wollte – Daniel Matti relativiert aber: In diesem kurzen, leicht abfallenden Abschnitt seien die Autos noch langsam und die Velofahrer bereits zügig unterwegs. So gebe es von vornherein kaum Konflikte.

Auf halbem Weg zum Kreisel Bündenackerstrasse zeigt sich, dass es bei der Velohauptroute nicht nur ums Aufmalen von möglichst lückenlosen Streifen geht. Es wird auch gebaut – denn plötzlich führt der Streifen stadtauswärts auf das bisherige Trottoir, auf ein eigenes Trassee also. Die Fussgänger müssen auf einen neuen Weg ausweichen, der auf Land des gemeindeeigenen Liebefeldparks liegt.

Beim Kreisel selber profitieren die Velofahrer in der Gegenrichtung. Sie werden auf einer separaten Spur um den Kreisel und um den Verkehr herum geführt. Der Bypass wird möglich, weil hier keine Seitenstrasse einmündet. Und weil die angrenzende Parzelle, die ein Stück weit angeknabbert werden muss, ebenfalls der Gemeinde gehört.

Auf der Höhe der Hessstrasse und damit noch einen Kreisel weiter haben die Baumaschinen ein letztes Mal tüchtig zugelangt. ­Bypass gibt es hier zwar keinen. Dafür besteht das Zentrum aus einer grossen elliptischen Betonplatte, die die Autos bremst. Den Kreisel wie bislang in mehr oder weniger gerader Linie zu schneiden, ist nicht mehr möglich.

Grosszügiger in der Stadt

Dann taucht die Ortstafel von Bern auf. Gleich wie die Strasse werden die Velo­streifen nun breiter, erreichen statt der bisher minimalen 1.25 bis 1.50 Meter immerhin bis zu 1.80 Meter. Diese werden später in der Stadt selbstverständlich sein, die Behörden dort haben das Könizer Maximalmass zu ihrem Minimalmass gemacht.

Als Standard legen sie gar 2.50 Meter fest, doch Daniel Matti bleibt gelassen: Eine Stadt wie Bern habe von vornherein ganz andere Voraussetzungen als ein Vorort wie Köniz. Städtische Strassen seien seit je viel grosszügiger angelegt worden.

Mit den 1,3 Millionen Franken verbessert Köniz nicht nur die Situation für die Velofahrer. Profitieren sollen auch die Fussgänger. Sie können dank neuer Mittelinseln die Schwarzenburgstrasse sicherer queren. Auf einem längren Abschnitt gibts zudem einen neuen Belag. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.09.2018, 22:40 Uhr

Die Velohauptroute

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