Bern

Knacknuss Spielplatz

BernUngefähr nach 12 Jahren müssen Spielplätze saniert werden. Dieses Stadium haben viele Spielplätze in Bern erreicht. Aber: Freizeitanlagen für Kinder zu konzipieren, ist komplex: Rutschbahn und Schaukel genügen nicht mehr.

Die Lokomotive und ihre Waggons glänzen in den schönsten Farben: Die Sanierung des Spielplatzes Tscharnergut ist bald abgeschlossen.

Die Lokomotive und ihre Waggons glänzen in den schönsten Farben: Die Sanierung des Spielplatzes Tscharnergut ist bald abgeschlossen. Bild: Enrique Muñoz García

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Ein einsamer Bauarbeiter bearbeitet den staubigen Grund mit einer Vibrationsplatte, ein paar Meter entfernt werfen sich zwei Jungs einen Ball zu. Ein Ab­sperrgitter trennt die spielenden Kinder von der Baustelle, die sich zwischen den Scheiben­häusern des Tscharnerguts befindet. ­Daran, dass es sich hier eigentlich um einen Spielplatz handelt, erinnern zurzeit nur die zug­förmigen Spielelemente: Die drei knallbunten Waggons an der schwarzen Lokomotive leuchten wie Widerstandskämpfer in­mitten der trostlosen Baustelle.

800'000 Franken pro Jahr

Das Areal in Bern-West ist einer von mehreren Spielplätzen in der Stadt Bern, die saniert, erweitert oder instand gesetzt werden. In regelmässigen Abständen verschickt die zuständige Verwaltungsabteilung Stadtgrün Mitteilungen, in denen die Arbeiten an einem weiteren Spielplatz bekannt gegeben werden.

Diese städtischen Spielplätze werden saniert:

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Legende: Gelb = kürzlich erweitert, Grün = kürzlich gesamtsaniert, Blau = in Planung

«Jährlich investiert die Stadt ungefähr 800'000 Franken in die Sanierung und Instandhaltung von Spielplätzen», sagt Christoph Schärer, Leiter von Stadtgrün Bern. Das Geld teile sich auf insgesamt 85 öffentliche Spielplätze, für die Stadtgrün zuständig ist. Die Stadt betreibt zudem weitere rund 110 Spielbereiche, die sich auf Schul- und Kindergartenarealen sowie auf Sport- und Badeanlagen befinden.

Nach ungefähr 12 bis 15 Jahren besteht bei einem Spielplatz ein grösserer Investitionsbedarf. Diese durchschnittliche Lebensdauer hat jener im Tscharnergut-Quartier schon länger überschritten: Seit seiner Erstellung in den 60er-Jahren – während des Baus der Scheibenhäuser – wurden nur kleinere Reparaturen und Änderungen an ihm vorgenommen.

Trend zum Gesamtkonzept

Seither haben sich die Anforderungen an einen Spielplatz aber grundlegend geändert. Während früher einzelne Spielelemente aus dem Katalog gang und gäbe waren, setzt man heute verstärkt auf ein Gesamtkonzept.

«Wichtig ist, dass sich der Spielplatz in das Quartier und die Umgebung eingliedert», erklärt Claude Racine, Leiter der Fachgruppe Spiel, Sport und Mobilität und damit Hauptverantwortlicher für die städtischen Spielplätze. Ein gutes Beispiel sei etwa der Drache im Rosengarten: Dieser vereint viele Elemente in einem und wertet gleichzeitig das Gesamtbild des Parkes auf.

Trotzdem gebe es immer noch Elemente, die auch in einem ­modernen Ensemble nicht fehlen dürfen, so Racine: «Ein Spielplatz ohne Schaukel oder Rutschbahn ist nur schwer vorstellbar.»

Karussell für Rollstuhlfahrer

Ein Spielplatz ist mehr als nur ein Ort für Kinder: Er dient als Treffpunkt für das ganze Quartier und verfügt oft auch über eine über­regionale Anziehungskraft. Jener im Tierpark Dählhölzli etwa werde von Familien aus der ganzen Region besucht, nennt Christoph Schärer ein Beispiel.

Um dieser Anforderung gerecht zu werden, braucht es auch genügend Sitzmöglichkeiten für Eltern und Grosseltern. Aber auch die barrierefreie Zugänglichkeit für Menschen mit Beeinträchtigung oder Eltern mit Kinderwagen sei wichtig.

Der neu gestaltete Tscharnergut-Spielplatz wird der erste in der Stadt sein, der über ein rollstuhlgängiges Karussell verfügt. Dort, wo es die Anlage erlaube, können Rollstuhlfahrer die Spielplätze zwar bereits betreten – bei den meisten sei dies aus umgebungstechnischen Gründen aber nicht möglich, bedauert Schärer. Es sei nicht einfach, einen Spielplatz behindertengerecht zu gestalten. «Man muss die Balance finden, damit der Platz auch für Kinder ohne Behinderung noch interessant ist.»

Um einen Spielplatz bestmöglich den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen, nimmt Partizipation für Stadtgrün eine wichtige Rolle ein. Über Workshops und Umfragen werde den Quartierbewohnern die Möglichkeit geboten, ­ihre Wünsche zu äussern. So geschehen beim Spielplatz Tscharnergut: Die Anwohner konnten nicht nur Einfluss auf die Planungsphase nehmen, sondern auch selbst Hand anlegen – etwa beim Streichen der knallbunten Zuganhänger. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2017, 08:45 Uhr

Sicherheitsvorschriften

«Bitte ziehen Sie Ihren Kindern zum Spielen keinen Velohelm an»

Auch wenn Spielplätze schon älter sind, entsprechen sie doch den europäischen Sicherheitsvorschriften. Dort werden auch Details minutiös ­geregelt.

Die maximale Fallhöhe für Kinder auf Spielplätzen beträgt drei Meter. Und selbstverständlich muss unter allen Elementen, die sich mehr als einen Meter in die Höhe erstrecken, ein weicher, abfedernder Untergrund angebracht werden. Dies ist nur eine von unzähligen Sicherheitsvorschriften, welche ein Spielplatz gemäss europäischer Norm erfüllen muss.

«Die Regelungen sind sehr strikt und behandeln noch das kleinste Detail», erklärt Claude Racine von Stadtgrün Bern. Es gäbe etwa auch Vorgaben dafür, welche Grösse die Löcher, Zwischenräume oder Netzmaschen haben dürfen – damit auch ja kein Kind mit dem Kopf stecken bleibt. Diese ganzen Massnahmen seien aber nutzlos, wenn Eltern ihren Kindern aus Angst zusätzliche Schutzkleidung anziehen, betont Racine und appelliert an den gesunden Menschenverstand: «Bitte ziehen Sie ihren Kindern zum Spielen keinen Velohelm an – dieser könnte sich in den Maschen und Löchern verfangen.»

Ausser den gängigen kleinen Blessuren, die sich Kinder beim Spielen nun einmal zuziehen, sei laut Racines Wissen auf den Berner Spielplätzen noch nie etwas Schwerwiegendes ­passiert.

Damit diese Regeln einge­halten werden, werden alle Spielplätze viermal pro Jahr auf Sicherheit überprüft. Durchgeführt werden diese Inspektionen von speziell ausgebildeten Mitarbeitern von Stadtgrün Bern. Fällt ihnen ein Mangel auf, werde er umgehend beseitigt. Bei neu erstellten oder sanierten Spielplätzen erfolgt zudem eine Sicherheitsabnahme durch eine externe Stelle.

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