Worb

Kino in den eigenen Blechwänden

WorbDrei Wochen lang werden im Dorf spezielle Kinoabende geboten: Im Worber Autokino kommen Film- und Autoliebhaber gleichermassen auf ihre Kosten.

Ein Kinofeeling wie in den USA gibts im Autokino Worb zu erleben.

Ein Kinofeeling wie in den USA gibts im Autokino Worb zu erleben. Bild: Christian Pfander

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Wenn der Sommer – wie in dieser Woche – eine Pause einlegt, ist es wieder einmal an der Zeit, ins ­Kino zu gehen. Gemütlich warm hat man es dort, in den flauschigen Sesseln lässt man sich von einem Film berieseln und verdrückt dazu die obligate Tüte Popcorn.

Ganz so läuft der Kinoabend in Worb nicht ab. Denn seit vorgestern begrüssen Kay Eskes und Cédric Marthaler die Besucherinnen und Besucher zum Fil­meschauen auf dem Landi-Parkplatz in ihrem Autokino. Nach vier Jahren in Rubigen beim Hunzikergut mussten die beiden Organisatoren heuer einen neuen Standort suchen.

«Wir haben uns lange nach einer geeigneten Location umgeschaut», sagt Kay Eskes. Doch viele Firmen hätten ihnen eine Absage erteilt. «Der Parkplatz muss halt jeden Abend freigeräumt werden, damit wir Platz haben für unsere Autos.» Bei der Landi sind sie schliesslich fündig geworden und präsentieren bis zum 3. September jeweils von Donnerstag bis Sonntag einen Film.

Leichenwagen und Traktor

Die Palette reicht dabei von Nostalgiefilmen wie «Eis am Stiel» bis zu aktuellen Autofilmen wie «Fast and Furious». «Die Auswahl der Filme ist wichtiger, als wir zu Beginn angenommen hatten», so Eskes. Beim Klassiker «Grease» aus den 70er-Jahren fahren jeweils viele alte «Ami-Schlitten» vor, und die dazugehörigen Autobesitzer kleiden sich passend im Sixties-Look.

Neben aussergewöhnlichen Outfits haben die Organisatoren auch schon einige spezielle Fahrzeuge empfangen. «Jemand hat das Kino mit einem Leichenwagen besucht, und wir hatten auch schon einen Traktor bei uns auf dem Platz.»

Angefangen habe alles mit der Suche nach einem Ausgleich zum Arbeitsalltag, erzählt Eskes. «Ich bin ein Filmfreak, Cédric Mar­thaler ein Autoliebhaber. Diese beiden Leidenschaften wollten wir zusammenfügen.»

Gestartet haben die beiden in Rubigen 2012 mit einer aufblasbaren Leinwand und zehn Autos pro Abend. Seither ist das Kino aber stetig gewachsen. Bis zu 70 Fahrzeuge können die Organisatoren auf dem Gelände empfangen, und es braucht immer mehr Helfer, damit der Anlass reibungslos über die Bühne geht.

«Alle, die hier mit anpacken, arbeiten ehrenamtlich, und Geld verdienen wir mit dem Autokino keines», sagt Kay Eskes. Durch den Gastrobetrieb, die Eintritte und das Sponsoring decken die Organisatoren jeweils die Aus­gaben für Aufbau, Leinwand und Filmverleih.

Die Decke machts kuschlig

Und wie ist es denn nun, dieses Erlebnis Autokino, das in der allgemeinen Vorstellung gerne mit alten amerikanischen Autos und einem lauen Sommerabend verbunden wird?

Alles fängt mit dem Parkieren an, das dank einem Einweiser problemlos vonstatten geht. Und auch mit einem kleinen Auto ist die Sicht auf die 6 mal 14 Meter grosse Leinwand uneingeschränkt. Apropos kleines Auto: Dieser Faktor ist bei einem Besuch an einem solchen Event natürlich nicht ausser Acht zu lassen. Vergleicht man etwa die Sitze des Peugeots 107 mit den Sesseln in den Indoorkinos, schneidet der fahrbare Untersatz deutlich schlechter ab.

Und auch beim Thema kuschlige Kinowärme muss an diesem Abend nachgeholfen werden. Dass man Mitte August dazu eine Decke braucht, ist definitiv grosses Pech. Dafür bietet das Auto­kino jedem Besucher eine Vorstellung, die man quasi in den eigenen vier Blechwänden geniessen kann und nicht mit hundert anderen Menschen in einem Saal teilen muss.

Dass dabei ab und an die Scheibe beschlägt und mit der Lüftung herumhantiert werden muss, ist nebensächlich. Denn sobald man die richtige ­Radiofrequenz eingeschaltet und sich zurückgelehnt hat, kann man sich genauso gut entspannen wie in einem Kinosaal. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 09:59 Uhr

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