Kinder mit Gewalt zu Sex gezwungen?

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen Schulsozialarbeiter T., der 21 Buben missbraucht haben soll. Sie wirft ihm auch Nötigung und Schändung vor. T. bestreitet aber, Knaben mit Gewalt zu Sex gezwungen zu haben.

Der Beschuldigte war jahrelang als Schulsozialarbeiter in Köniz tätig.

Der Beschuldigte war jahrelang als Schulsozialarbeiter in Köniz tätig.

Dominik Galliker@DominikGalliker

Gut zwei Jahre ist es her, seit sich eine Mutter bei der Polizei meldete und sagte, Pädagoge T. habe ihre Kinder sexuell missbraucht. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Berner Oberland Anklage gegen den 44-Jährigen. Er soll zwischen 1998 und 2011 in den Kantonen Baselland, Bern und Solothurn total 21 Knaben missbraucht haben, die meisten zwischen 10 und 12 Jahre alt.

Er soll von ihnen pornografische Bilder gemacht und diese im Internet getauscht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem mehrfache sexuelle Nötigung, Schändung und sexuelle Handlungen mit Kindern vor.

«Er hatte die Kinder gern»

Der Anwalt von T. zeichnet von seinem Mandanten ein Bild, wie es typisch ist für Pädokriminelle. Er sei mit den Knaben in eine Alphütte gereist. Er sei mit ihnen Ski gefahren, habe sie zum Pfeilbogenschiessen mit in den Wald genommen. Er sei mit ihnen am Abend zusammengesessen, habe mit ihnen Fondue gegessen und Wein getrunken. Dann sei es zu den Taten gekommen.

T. habe gewusst, dass seine Taten falsch seien, sagt der Anwalt. Er habe sich seinen Trieben aber nicht widersetzen können. Der Anwalt hält seinem Mandanten zugute, er habe die Knaben nie als Sexspielzeug gesehen. «Ich glaube, er hatte diese Kinder wirklich gern.»

T. ist grösstenteils geständig. Er bestreitet nicht, mit den Knaben sexuellen Kontakt gehabt zu haben, sagt sein Anwalt. Auch nicht, pornografische Filme und Fotos gemacht zu haben. Er werde sich aber gegen den Vorwurf der Nötigung und der Schändung wehren.

Alkohol und Drogen

Eine Tat gilt dann als Nötigung, wenn das Opfer mit Gewalt zu Sex gezwungen wird, sei es psychische oder körperliche Gewalt. In drei Fällen soll T. gemäss Anklage gegen Knaben gewalttätig geworden sein, sagt der Verteidiger. «Mein Mandant bestreitet aber, je Gewalt angewandt zu haben.»

Damit eine Schändung vorliegt, muss das Opfer entweder die Tat nicht als solche realisieren oder nicht fähig sein, Widerstand zu leisten. In vier Fällen hat T. gemäss Anklage Kinder fotografiert und berührt, während sie schliefen, so der Anwalt. Auch hat der Pädagoge gemäss der Anklage mehreren Opfern grosse Mengen Alkohol und Marihuana abgegeben. «Am Abend hat er mit den Knaben zum Teil Wein und Schnaps getrunken», sagt sein Anwalt. In einzelnen Fällen habe er ein Kind an seinem Joint ziehen lassen. So habe sich T. bei den Knaben beliebt machen wollen, sagt der Anwalt. Sein Mandant habe die Kinder aber nicht bewusst in einen Zustand versetzt, in dem sie keine Kontrolle mehr über sich gehabt hätten.

Bisher war stets von 20 Opfern die Rede. Nachdem der Fall in den Medien war, ist ein 21.Knabe identifiziert worden, ein Bub aus dem nahen sozialen Umfeld von T., wie sein Anwalt sagt. An ihm habe er sich wohl am häufigsten vergangen. «Der Knabe hatte ein enges Verhältnis zu ihm», so der Anwalt. Deshalb habe er geschwiegen und T. erst spät belastet. Daraufhin habe T. auch diese Taten gestanden.

T. sass zwei Jahre in Untersuchungshaft. Seit kurzem ist er im vorzeitigen Massnahmenantritt. Der Prozess findet vermutlich im Sommer oder im Herbst statt. Entscheidend wird sein, ob die Staatsanwaltschaft Gewalt nachweisen kann.

Berner Zeitung

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