Kernotto und Teigwaren aus dem Dinkel der eigenen Ernte

Vom Korn bis zum Fertig­produkt wird alles auf dem Biohof Dangern in Eptingen BL hergestellt. Dies erhöht die Wertschöpfung. Kunden kaufen die Produkte vor allem ­online über einen Webshop.

Kernotto, ein Bestseller.

Kernotto, ein Bestseller. Bild: Marcel Bieri

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Im August 2015 kostete Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann höchstpersönlich vom Kernotto des Biohofs Dangern im basel-landschaftlichen Eptingen. Werner Thommen (70) erinnert sich gut an die Bahnfahrt mit dem Bundesrat an die Weltausstellung in Mailand. Sein Kernotto war eine von 35 regionalen Spezialitäten, die dort präsentiert wurden. Kernotto sind speziell bearbeitete Dinkelkörner. Zubereitet wird er wie Risotto.

«Was 2008 als Hobby begann, ist heute ein Unternehmen mit mehr als 100 000 Franken Umsatz», sagt Thommen. Den Bauernhof führt mittlerweile seine 36-jährige Tochter Anita zusammen mit ihrem Mann Christian Rudin. Thommen und seine Frau konzentrieren sich auf die Verarbeitung des Dinkels, den die Jungen auf rund 700 Meter über Meer anbauen. Er macht Mehl, Kern­otto und Teigwaren daraus. Längst ist die Jahresproduktion höher als die betriebseigene Ernte. «Wir kaufen Dinkel dazu», sagt Thommen.

Der Rohstoff für ein Kilo Mehl würde 1.80 Franken einbringen, für ein Kilo Mehl ­verlangt er 4.40 Franken, für ein Kilo Teigwaren 12.40 Franken. Die zusätzlichen Arbeitsschritte erhöhen also die Wertschöpfung, die dank Direkt­vermarktung im Betrieb bleibt.

Durch Zufall auf Dinkel gekommen

Thommen kam durch einen Zufall auf den Dinkel. Eine ­seiner vier Töchter musste aus gesundheitlichen Gründen auf Weizenmehl verzichten. Da versuchte er es mit dem verträglicheren Urdinkel, was tatsächlich funktionierte. Die Idee für den Kernotto stammt aus Osttirol, wo Thommen eine Mühle zur Verarbeitung des Dinkels erstand. Bevor die Kerne kochbereit sind, muss das Korn von der Spelze befreit, mehrfach «geschliffen» und «poliert» werden.

Mit diesem Produkt begann das Hobby auch wirtschaftlich interessant zu werden, wie sich Thommen erinnert. Heute ist daraus eine eigene Firma geworden, die Steinmühle Thommen. Rund 70 Prozent der Jahresproduktion wird online über den Webshop der Interessengemeinschaft Ur-Dinkel vertrieben.

«Wir hatten Glück, dass Urdinkel auf ein derartiges Kundenecho trifft», sagen Vater Werner Thommen und Tochter Anita Rudin heute übereinstimmend. Auf staatliche Direktzahlungen sei der Betrieb aber weiterhin angewiesen. Diese machen etwa 35 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 230 000 Franken aus – inklusive Mühle, Bauernbetrieb mit Getreideanbau und Mutterkuhhaltung sowie der Einkünfte aus dem Nebenerwerb von Anitas Mann. Als Thommen den Hof noch klassisch bewirtschaftete, steuerten die Direktzahlungen die Hälfte des Budgets bei.cab (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.01.2018, 07:06 Uhr

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