Bern

Zweite Drogenanlaufstelle: Gemeinderat gescheitert

BernEine zweite Drogenanlaufstelle sollte das Gebiet rund um die Schützenmatte entlasten. Nach einjähriger Suche aber stellt der Gemeinderat seine Bemühungen ein – und saniert stattdessen die bestehende Anlaufstelle.

Bleibt in Bern einmalig: Die städtische Drogenanlaufstelle
an der Hodlerstrasse.

Bleibt in Bern einmalig: Die städtische Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse. Bild: Christian Pfander

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Im Herbst 2016 nahm Berns Stadtregierung einen neuen Anlauf. Sie suche einen Standort für eine zweite Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige, teilte sie mit. Zwar funktioniere jene an der Hodlerstrasse gut – für die unmittelbare Umgebung und das Gebiet Bollwerk/Schützenmatte/Reitschule stelle sie «aber auch eine Belastung» dar. Deshalb wolle man prüfen, ob mit einer zweiten Anlaufstelle das Gebiet entlastet werde.

Am Donnerstag, ein gutes Jahr später, informierte die Stadt über den Stand der Dinge: «Die Suche nach einer zweiten Drogenanlaufstelle ist ergebnislos geblieben und wird eingestellt.» Zwölf städtische und private Objekte seien geprüft worden, doch gegen alle sprach etwas: die Grösse, die Raumstruktur, der Aussenraum, die Mietkosten.

Ohnehin sei die Standortauswahl für eine Dro­gen­anlaufstelle «eingeschränkt», sagt Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB). «Für mich ist klar, dass eine Kontakt- und Anlaufstelle nicht mitten in einem Wohnquartier und beispielsweise neben einem Kindergarten oder Schulhaus liegen darf.» Trotzdem müsse sie für die Drogenabhängigen gut erreichbar sein.

Fachleute waren skeptisch

Die Forderung nach einer zweiten Anlaufstelle ist in den vergangenen Jahren regelmässig erhoben worden, nicht zuletzt von der Reitschule, deren Betreiberinnen und Betreiber für den Drogendeal vor ihrem Haus neben der «repressiven Drogenpolitik» und dem Abdrängen des Deals dorthin auch die nahe Anlaufstelle verantwortlich machen. Fragen zum Entscheid des Gemeinderats blieben am Donnerstag von der Medienstelle des Jugend- und Kulturzentrums un­beantwortet.

Doch auch die Stadt selber brachte immer wieder einen zweiten Standort ins Spiel, wenn nach Möglichkeiten gesucht wurde, den Hotspot rund um die «Schütz» zu entlasten und den Deal zu bekämpfen. Drogenfachleute dagegen neigen eher zur Ansicht, dass zwischen Drogenhandel auf der «Schütz» und Anlaufstelle an der Hodlerstrasse kein direkter Zusammenhang ­bestehe.

Während sich auf der «Schütz» Partygänger und andere Gelegenheitskonsumenten – teilweise vom Auto aus – mit Kokain und anderem eindeckten, laufe der «Ameisendeal» der Süchtigen, die an der Hodlerstrasse verkehrten, über andere Kanäle. Die Anlaufstelle wird laut Stadt täglich von 100 bis 150 Personen besucht, die Auslastung der Konsum- und Aufenthaltsplätze liege bei rund 95 Prozent.

«Schütz» bewegt sich

Franziska Teuscher hält fest, dass die Stadtregierung zuletzt verschiedene Massnahmen eingeleitet habe, um den Perimeter Schützenmatte entschärfend zu gestalten, und nennt als Beispiele die Skateranlage und die geplante Teilaufhebung der Parkplätze. Nun soll eine weitere Massnahme dazukommen: die Sanierung der Anlaufstelle an der Hodlerstrasse, die dafür einen grossen Bedarf aufweise.

Zudem sollen anstelle der Konsumplätze zum Spritzen künftig mehr Raucherplätze zur Verfügung gestellt ­werden, da die Drogen vermehrt inhaliert statt gespritzt würden. Mit den damit verbundenen Arbeiten und der Sanierung könnten «die bauliche und gestalterische Situation rund um die Anlaufstelle sowie der Zugang zum Hof verbessert werden», sagt Teuscher. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2017, 09:30 Uhr

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