Keine Skyline für das Dorf

Biglen

Die Stimmberechtigten von Biglen verwarfen die Idee einer Wohnzone auf dem Dättlig-Areal. Nach heftigen Diskussionen.

Die geplante Überbauung auf dem Dättlig-Areal stiess beim Stimmvolk auf Ablehnung.<br><i>(Visualisierung: zvg)</i>

Die geplante Überbauung auf dem Dättlig-Areal stiess beim Stimmvolk auf Ablehnung.
(Visualisierung: zvg)

Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

Sie hätte eine Art Skyline für das Dorf werden sollen: die neue Wohnsiedlung auf dem Dättlig-Areal. Aber nach wochenlangen Kontroversen haben die Biglener Stimmberechtigten das Vorhaben an ihrer Gemeindeversammlung am Dienstagabend verworfen. Mit 153 Nein- zu 130 Ja-Stimmen fiel das Resultat denkbar knapp aus.

Die alte Dorfturnhalle in Biglen drohte aus allen Nähten zu platzen. Die Leute schleppten Langbänke aus dem Geräteraum, als die Stühle der Halle restlos besetzt waren. Als Gemeindepräsident Peter Habegger (FDP) das Wort ergriff, sassen ihm knapp 300 Stimmberechtigte gegenüber. «Normalerweise sind es 20», sagte er.

Sie alle waren gekommen, um über eine Anpassung der baurechtlichen Grundordnung auf dem Dättlig-Areal abzustimmen. Über die Grundlage für das neue Wohnquartier, direkt beim Bahnhof. Heute stehen dort Lagerhallen und Garagen. Weil diese bald leer stehen, wollten die Eigentümer gemeinsam mit einem Bauunternehmen auf dem Areal bis zu 80 Wohnungen errichten. Es ging um ein klassisches Verdichtungsvorhaben – und damit um die Frage: Soll Biglen wachsen?

Epischer Schlagabtausch

Um die Frage war im Vorfeld eine heftige Debatte im Dorf entbrannt. An der Versammlung wurde sie knapp mit «Nein» beantwortet. Viele ergriffen das Wort. Sie sprachen über ihr Dorf, ihre Zukunft. Die Befürworter sagten: Es sei unmöglich, das Areal weiter gewerblich zu nutzen. Sie warnten vor einer Industriebrache auf dem Dättlig und den unkontrollierbaren Folgen eines Nein. «Es gibt keinen Plan B.»

Die Gegner störten sich an der «städtischen Überbauung», am «Klotz» und daran, dass das alles viel zu gross sei. «Schaut euch die Pläne doch an. Hat das etwas mit einem Dorf zu tun?» Sie mahnten vor Infrastrukturkosten, Verkehr und Steuererhöhungen.

«Biglen wird nicht stillstehen, mit oder ohne Dättlig», hatte Gemeindepräsident Habegger während der Versammlung gesagt. Am Ende stand er vor all den Menschen, die wie er geschwitzt hatten. In welche Richtung Biglen geht, konnte gerade niemand sagen.

Berner Zeitung

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