Kein Einsiedler Bier mehr im Frauenraum der Reitschule

Bern

CVP-Nationalrat Alois Gmür braut das Bier für die Reitschule. Weil er für die Verschärfung des Asylgesetzes ist, hat der Frauenraum nun den Vertrag mit der Schwyzer Brauerei gekündigt.

Markus Ehinger@ehiBE

Als Braumeister und Inhaber der Brauerei Rosengarten liefert CVP-Nationalrat Alois Gmür der Reitschule sein Einsiedler Bier seit Anfang der 1990er-Jahre. Das Bier ist bei Gästen der Reitschule sehr populär. Seit Gmür aber vor zwei Jahren für die Verschärfung des Asylgesetzes stimmte, leidet das Verhältnis zwischen ihm und der Reitschule. Einzelne Reitschüler riefen gar zu einem Boykott des Biers auf.

Interne Diskussionen

Nun hat der Frauenraum der Reitschule reagiert und den Vertrag mit der Brauerei Rosengarten per sofort gekündigt. Das bestätigt der Frauenraum. Das Kollektiv habe diesen Entscheid gefällt, heisst es auf Anfrage. «Ich bedauere die Kündigung des Vertrags», sagt Gmür.

Dass Alois Gmür als CVP-Nationalrat im Zuge des Law-and-Order-Populismus den Verschärfungen im Asylbereich zugestimmt hat, sei bedauerlich, teilte die Mediengruppe vor zwei Jahren mit. «Längerfristig wäre ein linker Bierlieferant zu begrüssen, obwohl die Reitschule bisher gute Erfahrungen mit der Brauerei gemacht hat.»

Reitschule ist Grosskunde

Dass Gmür damals für die Verschärfung des Asylgesetzes stimmte, führte in der Reitschule zu Diskussionen – auch heute noch. «Die Bierlieferantengeschichte wird zwar in der Reitschule immer wieder diskutiert, es gibt aber zurzeit keine relevante Entwicklung», teilte die Mediengruppe der Reitschule letzte Woche mit. Schon lange gebe es in der Reitschule nicht nur Einsiedler Bier, sondern auch viele andere Schweizer Biere. «Die Kundschaft kann also aussuchen.»

Gmür ist in telefonischem Kontakt mit der Reitschule. Schon vor zwei Jahren habe er den Reitschülern die Beweggründe für sein Abstimmungsverhalten dargelegt. Er hofft, dass die anderen Betriebe der Reitschule weiterhin Einsiedler Bier anbieten. Immerhin ist der Berner Betrieb ein Grosskunde. Jährlich werden in der Reitschule rund 40'000 Liter Einsiedler Bier getrunken.

Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen Restaurant sind es 5000 Liter. Als Bierbrauer sei Gmür auf jeden Biertrinker angewiesen. «Aber als Unternehmer ist man halt immer erpressbar.»

Berner Zeitung

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