Kaspar Junker im Reich der drei Könige

Bern

Er heisst wie einer der drei Könige, und er arbeitet dort, wo die drei Könige in Strassennamen verewigt sind. Kaspar Junker, Pfarrer in Bern-Bethlehem, sagt: Die Botschaft der Könige ist ungebrochen aktuell.

Namensvetter: Pfarrer Kaspar Junker arbeitet in Bern-Bethlehem, wo die Kasparstrasse an die drei Könige erinnert. Genau wie die Melchior- und die Balthasarstrasse auch.<p class='credit'>(Bild: Iris Andermatt)</p>

Namensvetter: Pfarrer Kaspar Junker arbeitet in Bern-Bethlehem, wo die Kasparstrasse an die drei Könige erinnert. Genau wie die Melchior- und die Balthasarstrasse auch.

(Bild: Iris Andermatt)

Kaspar Junker wirft einen kurzen Blick auf den Königskuchen vor sich und lächelt. Wie so viele in der Schweiz ist auch er mit dem Brauch gross geworden, jeweils zum 6.Januar vom süssen Hefegebäck zu essen und darauf zu hoffen, auf das weisse Kunststofffigürchen zu beissen. Wer das Glück hat, wird für einen Tag zum König gekrönt, aber eben: «Ich habe nicht immer gewonnen», sagt der 27-Jährige. Trotz seines Vornamens.

Kaspar Junker heisst wie einer der drei Könige, die laut der biblischen Tradition aus dem Morgenland nach Jerusalem gezogen sind, um dem neugeborenen Jesuskind zu huldigen. Der junge Theologe ist auch in einer Gegend tätig, die einiges mit dem heutigen Dreikönigstag gemeinsam hat. Seit dem letzten Herbst arbeitet er als Pfarrer in Bern-Bethlehem, wo das berühmte Trio allgegenwärtig ist. In der Kasparstrasse. In der Melchiorstrasse. Und in der Balthasarstrasse.

So viel Biblisches

Aus Gesprächen weiss Junker, dass die drei Strassen erst in jüngerer Zeit entstanden sind. Sie wurden um 1970 herum gleichzeitig mit den markanten Hochhäusern im Gebiet gebaut. Offenbar dachte man damals, dass die drei Könige gut zu Bern-Bethlehem passen würden, auch wenn von jeher umstritten ist, inwieweit dieser tatsächlich etwas mit dem biblischen Geschehen zu tun hat.

Der Quartiername Bethlehem könnte seinen Ursprung genauso gut im althochdeutschen Namen Petto haben. Oder im Wort Bettel, was auf Armut hindeuten würde: Ein karges Feld wurde früher Bethlehemacker genannt.

Am geläufigsten ist allerdings die Deutung, dass Bethlehem in alten Zeiten eine Station auf der Prozession zum Kloster Köniz war. Dazu würde passen, dass es in der Nähe auch den alten, heute kaum mehr bekannten Flurnamen Jerusalem gibt. Und natürlich den Jordenweiher, der wahrscheinlich nach dem Jordanfluss benannt worden ist.

Wissenschaftler statt Könige

In Junkers Alltag als Pfarrer geht es kaum je um solche Fragen. «Mir ist die Parallele zwischen den drei Strassen und den drei Königen bislang nicht einmal sonderlich aufgefallen», gesteht er ein. Wenn schon, sei bei den Leuten der Name Bethlehem das Thema. Besonders, wenn es auf Weihnachten zugehe und das Geschehen um Maria, Josef und das Kind in der Krippe wieder aktuell werde.

Mit den drei Königen ist es halt so eine Sache. Junker erinnert daran, dass die Bibel zwar von Magiern, nicht aber von Königen und erst recht nicht von Namen redet. Dass ein König Kaspar, ein König Melchior und ein König Balthasar den Weg vom Morgenland nach Bethlehem unter die Füsse genommen haben, ist das Resultat späterer Legendenbildung (siehe Infobox).

Dem Wert der Geschichte tue das aber keinen Abbruch, fährt Junker fort. Er kommt zurück auf das Wort Magier, das er im griechischen Urtext der Bibel so findet und übersetzt es in heutigem Deutsch mit Wissenschaftler. «Es ist ein starkes Stück, wenn Wissenschaftler alles stehen und liegen lassen und einem Zeichen auf den Grund gehen, das sie nicht deuten können.»

Ob die Menschen heute auch bereit wären, derart aus dem Alltag auszubrechen, Altbewährtes hinter sich zu lassen und mit Mut und Offenheit auf Neues einzugehen? Junker spinnt den Faden weiter, weist darauf hin, dass die Magier das Kind nicht auf Anhieb gefunden haben. Sie suchten es vielmehr in Jerusalem, dem damaligen Zentrum der Macht, und wurden von dort weiter ins ärmliche Bethlehem gewiesen.

Dies habe einen tieferen Sinn: «Der Erlöser kommt am Rand der Gesellschaft zur Welt, macht so klar, dass das Christentum keine Grenzen kennt, keinen ausschliesst.» Für einen multikulturellen Stadtteil wie Bethlehem sei eine solche Botschaft wichtig.

Wurzeln in Altpersien

Junker glaubt nicht, dass bei seiner Taufe die drei Könige im Vordergrund gestanden haben. Für die Eltern sei wohl eher die altpersische Wurzel des Namens im Zentrum gestanden, erklärt er. «Kaspar ist ein Schatzmeister» – nicht nur einer, der materielle Schätze hütet, wie er gleich ergänzt. Sondern vor allem auch einer, der zu immateriellen Werten Sorge trägt.

Berner Zeitung

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