Bern

Kanton missachtet Auflagen: Zu viele Asylbewerber im Hochfeld

BernEin Gutachten der Gebäudeversicherung Bern zu Brandschutzvorkehrungen zeigt, dass in der Asylunterkunft Hochfeld in der Stadt Bern nur maximal 100 Personen untergebracht werden dürften. Zurzeit leben dort 160 Asylsuchende.

Asylnotstand mit Folgen: In der Anlage Hochfeld sind mehr Personen untergebracht, als die Brandschutzvorschriften erlauben.

Asylnotstand mit Folgen: In der Anlage Hochfeld sind mehr Personen untergebracht, als die Brandschutzvorschriften erlauben. Bild: Christian Pfander

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In der Asylunterkunft Hochfeld in Bern sind mehr Asylsuchende untergebracht, als die geltenden Brandschutzbestimmungen erlauben. Im Auftrag der Stadt Bern hatte die Gebäudeversicherung Bern (GVB) die Anlage Ende September besichtigt. In der Folge stellte die GVB klare Bedingungen, unter welchen die Anlage genutzt werden darf.

Überbelegung durch Notstand

Im Schreiben der GVB an die Stadt Bern, das der Berner Zeitung zugespielt worden ist, steht unter anderem auch die folgende Auflage: «Bei der Anzahl von zwei Fluchtwegen beträgt die maximale Belegung 100 Personen, inklusive Betreuung.» Die Anlage im Hochfeld hat zwei Fluchtwege. Es dürften demnach nicht mehr als 100 Personen gleichzeitig in der Unterkunft sein.

Der schriftlichen Antwort des Berner Gemeinderats auf eine Interpellation vom Grünen Bündnis im Stadtrat ist allerdings zu entnehmen, dass bereits Mitte August deutlich mehr Asylsuchende in der Anlage untergebracht waren, als es die Brandschutzbestimmungen erlauben würden: Aufgrund der kantonalen Notlage im Asylwesen seien alle 160 Plätze belegt worden. Dementsprechend sei «die Anlage Hochfeld gegenwärtig voll ausgelastet», informierte der Gemeinderat.

Keine neuen Auflagen

Stephanie Kriesel, Sprecherin der GVB, sieht Handlungsbedarf. «Wenn sich mehr Personen in der Anlage befinden, als die Richtlinien vorsehen, ist dies ein Verstoss gegen die Brandschutzvorschriften», sagt sie.

Die Auflagen der GVB sind indes keine neuen: 2011 hatte die Gebäudeversicherung einen Fachbericht erstellt, in welchem auf die Brandschutzrichtlinien der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen verwiesen wird. Darin ist festgehalten, dass Anlagen mit einer Belegung von über 100 Personen grundsätzlich mindestens drei Fluchtwege bieten müssen.

GVB prüft neue Asylanlagen

Die Kritik richtet sich an den kantonalen Migrationsdienst. Er ist für die Unterbringung von Asylsuchenden verantwortlich. Den Vorwurf, der Kanton habe nicht reagiert, weist Markus Aeschlimann, Geschäftsleiter des Amtes für Migration und Personenstand, zurück: «So explizit, wie im vorliegenden Dokument, haben wir die Anweisung von der GVB noch nie erhalten.»

Zurzeit seien Gespräche mit der GVB im Gange, die diese Punkte betreffen, so Aeschlimann, man nehme das Thema ernst. Er betont aber, dass «jede neue Anlage zuerst von der Gebäudeversicherung abgenommen wird». Weitere Auskünfte dazu, was der Kanton nun zugunsten des Brandschutzes unternehmen werde, wollte Aeschlimann nicht geben.

Bereits in der Vergangenheit stand die unterirdische Asylanlage Hochfeld in der Kritik. So tauchte Ende Juli ein Video im Internet auf, das verdreckte Toiletten, Brandflecken und blutbetupfte Papierfötzel zeigte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2014, 06:10 Uhr

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