Kaffee von der eigenen Plantage

Bern

Jairo Arango ist nicht mehr nur Besitzer eines Kaffeeladens in Bern, sondern auch Hersteller seiner eigenen Kaffeesorte. Seit rund einer Woche verkauft er den kolumbianischen Kaffee Don Mateo in seinem Geschäft.

Verkaufen ihren eigenen Kaffee: Jairo und Isabelle Arango in ihrem Laden in Bern.

Verkaufen ihren eigenen Kaffee: Jairo und Isabelle Arango in ihrem Laden in Bern.

(Bild: Urs Baumann)

Wer hin und wieder die Aarbergergasse in der Nähe des Bahnhofs hinabgeht, dem ist der Duft von frisch gemahlenem Kaffee in der Nase dort nicht unbekannt. Im wohl kleinsten Berner Kaffeeladen verkauft Jairo Arango bereits seit 2007 importierten Kaffee direkt aus Kolumbien. Café Mariscal heisst das Produkt der gleichnamigen Rösterei in Pereira, der Hauptstadt der kolumbianischen Kaffeeregion.

Seit einer Woche aber führt der ehemalige Bauingenieur nun seine eigene Kaffeemarke. Rund drei Jahre habe es gedauert, bis er endlich das fertige Produkt in den Händen habe halten können, erzählt Arango. Mit Stolz präsentiert er daher seinen Kunden Don-Mateo-Kaffee aus eigenem Anbau in Kolumbien. Den Namen erhielt die Mischung zu Ehren von Arangos Sohn Mateo.

Die Kaffee-Wissenschaft

Vor rund zehn Jahren verarmte Arangos Onkel in Kolumbien. Auch der habe früher Kaffee angebaut, erzählt Arango. Viele andere Bauern, welche Plantagen bewirtschafteten, erlitten dasselbe Schicksal und zogen in die nahe gelegene Stadt Filadelfia. «Es war ein regelrechter Schock, als ich meinem Heimatdorf einen Besuch abstattete», beschreibt Arango die damalige Situation.

Überleben mit dem Kaffeeanbau konnten die Bauern nicht mehr, wie der 62-Jährige erklärt. Die Produktionskosten waren für sie zu hoch und ihr Know-how zu gering. «Denn die Kunst des Kaffeemachens ist eine Wissenschaft», sagt Arango und illustriert dies anhand eines kleinen braunen Büchleins, das er hinter der Theke hervorholt.

Sämtliche Formeln und Kriterien, die beim Anbau und bei der Herstellung der aromatischen Bohnen zu beachten sind, seien hier aufgelistet. Die Komplexität der Thematik und die traurigen Begebenheiten in seinem Dorf veranlassten Arango damals dazu, ins Kaffeegeschäft einzusteigen.

2007 gründeten daher er und seine Frau Isabelle die Colombia Import GmbH in Bern und eröffneten kurz danach den Take-away-Laden «La Tienda de Juan» in der Aarbergergasse.

90 Prozent gehen verloren

Als Sohn Mateo 2012 geboren wurde, kaufte die Familie einige Hektaren Land von Arangos Onkel. Unmittelbar darauf liessen sie Arabica-Kaffee von feinster Qualität anpflanzen. Letzten November war es endlich so weit.

Rund 14000 Kilogramm Kaffeekirschen konnten geerntet werden. Danach wurden die Bohnen geschält, getrocknet und anschliessend ein zweites Mal geschält. Übrig geblieben seien letztlich lediglich 2100 Kilogramm, die in die Rösterei Mariscal in Pereira gelangt sind.

«Während der Verarbeitung verlieren wir rund 90 Prozent des Gewichts», erklärt der Kaffeeexperte. Die Qualität sei aber sagenhaft und mit Starbucks oder anderen Marken nicht zu vergleichen, schwärmt Arango. Dies liege hauptsächlich daran, dass Don-Mateo-Kaffee nicht mit anderen Zutaten vermischt werde, wie es bei Grosskonzernen der Fall sei.

Der Tukan gibt die Stärke an

Das Endprodukt sei fast zu 100 Prozent kolumbianisch, sagt Arango. Lediglich die Etikette sei in der Schweiz von der «Tatort Kommunikation und Design GmbH» kreiert worden.

Für die Abbildung dienten ein Foto von Arangos Onkel mit seinem Muli und ein zugeflogener Tukan als Vorlage. Die Position des Vogels auf der Verpackung gebe die Stärke des Kaffees an, erläutert Arango und zeigt auf den fliegenden Tukan auf der Etikette. «Dies ist unsere stärkste Röstung.»

Auch die Kunden scheinen zufrieden zu sein. Ein Geschäftsmann, der gerade seinen morgendlichen Muntermacher in dieser Stärke bestellt, lobt den Kaffee in den höchsten Tönen. «Ich komme dann später noch auf einen Zweiten», sagt er und läuft schmunzelnd davon.

Profit ist für ihn Nebensache

Mittlerweile beschäftigt Arango auf seiner Finka in der Nähe des Dorfes Caladas zehn Mitarbeiter. Früher oder später wolle er auf seinem Grundstück eine Schule bauen, da die öffentliche Schule kilometerweit entfernt ist.

«Mir ist es wichtig, dass meine Arbeiter zufrieden sind», sagt der Kolumbianer und kritisiert im selben Atemzug die Grosskonzerne, welche immer wieder ihre Arbeitskräfte ausbeuten. Mit den Einnahmen des Kaffeeverkaufs in Bern könne er seine Arbeitskräfte fair bezahlen und auch die restlichen Ausgaben decken.

Für Arango selbst bleiben Ende des Monats rund 800 Franken übrig. Die Höhe des Profits spiele für ihn keine Rolle. «Ich bin stolz, ein so authentisches Produkt verkaufen zu dürfen und meine kolumbianischen Werte weiterzugeben.»

Berner Zeitung

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