Jungbären verschlägt es nach Rumänien

Bern

Statt in den Alpenzoo Innsbruck zügeln Ursina und Berna im Herbst in eine rumänische Bärenauffangstation. Zuständige vom Tierpark Dählhölzli nahmen einen Augenschein vor Ort und nennen die Anlage «ideal».

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Jetzt steht es fest: Ursina und Berna wandern nicht nach Österreich, sondern nach Rumänien aus. Obwohl Innsbruck bis vor kurzem im Rennen war, entschied sich der Bärenpark für die Bärenauffangstation in Zarnesti. Die ursprüngliche Idee eines Ringtausches schlug fehl: Um für die Berner Bären Platz zu machen, wäre die Innsbrucker Bärin Martina nach Zarnesti gezogen. Diese bekam aber keine Einfuhrgenehmigung.

Schon seit der Geburt von Ursina und Berna im Dezember 2009 war es klar, dass sie nicht in Bern bleiben können: Muttertiere verstossen ihre Kinder nach etwa zwei Jahren. Innert dieser Frist musste Tierparkdirektor Bernd Schildger eine neue, artgerechte Bleibe für die Bären finden.

Rumänien überzeugte

270 zoologische Gärten wurden angeschrieben; sogar Zoos aus Kolumbien, Indien, Indonesien und Malaysia bekundeten ihr Interesse. «Wegen des Klimas wären diese Anlagen aber nicht artgerecht gewesen», bedauert Schildger. Nachdem auch Möglichkeiten in Hinterkappelen, Arosa oder eben Innsbruck geprüft und verworfen wurden, ist Schildger «höllisch glücklich», seine Schützlinge im Herbst nach Rumänien schicken zu können. Bereits 57 andere Bären leben dort in einem 80 Hektar grossen Gelände. Marc Rosset, Kurator vom Tierpark Dählhölzli, hat die Anlage vor Ort evaluiert und wurde «auf der ganzen Linie überzeugt». In Zarnesti können sich die beiden Mutzen in einem naturbelassenen Mischwald aus Eichen und Hainbuchen austoben, der auch verschiedene Badebecken enthält. Rund um die Uhr werden sie dabei mit Videokameras überwacht. Anfänglich werden Ursina und Berna in einem drei Hektar grossen Gehege untergebracht, das sie mit sechs anderen Jungbären teilen werden; im Frühjahr 2013 siedeln sie dann in eine 14 Hektar grosse Anlage über. Ihre neuen Kumpanen sind Bären, die aus schlechten Haltungen in Osteuropa gerettet wurden: «Tanzbären, Bären in Käfigen oder Restaurantbären, die zum Essen gezüchtet wurden», zählt Schildger auf. Auch blinde oder handicapierte Bären befinden sich vor Ort. Dass die beiden Schweizer Bären mit den neuen Spielgenossen Probleme haben werden, glaubt Schildger nicht: «Bären sind extreme Opportunisten.» Hätten sie Essen und Rückzugsmöglichkeit, tolerierten sie Hunderte andere Bären um sich herum. Gewöhnen müssen sie sich anfangs wohl eher an den elektrischen Zaun, der sie umgeben wird – hierfür werden sie während zwei Monaten in einer «Training Area» untergebracht.

Partnerschaft mit Zarnesti

Nebst der «Fünfsternanlage» war die Partnerschaft mit der Bärenauffangstation in Zarnesti, die von der Cristina Lapis Foundation und deren Partnerstiftung Hauser Bears finanziert wird, mit ein Grund für die Entscheidung für Rumänien und gegen Innsbruck. «Wir wollten nicht nur ein gutes Zuhause für Ursina und Berna finden, sondern auch etwas für das Wohl der Bären weltweit unternehmen», betonte Schildger. Mindestens während der nächsten zehn Jahre wird die Bärenpark-Stiftung deshalb jährlich 20000 Franken in den Betrieb der Station investieren. «Der Zweck ist aber nicht unbedingt, für weitere Berner Jungbären einen Platz zu sichern», sagte Schildger. Diese weiteren Jungbären könnte es nach dem Zügeltermin im Herbst geben. Finn und Björk, die Eltern der beiden, werden dann im grossen Gehege des Bärenparks vereint und können, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät in einer Ansprache sagte, «wieder ein Liebesleben haben». Anders ihre Töchter: Die männlichen Bären in Zarnesti sind laut Cristina Lapis allesamt kastriert.

Berner Zeitung

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