Jetzt ist es amtlich: Bern soll zur Velo-Stadt werden

Bern

Der Gemeinderat will den Autoverkehr eindämmen. Die Pendler sollen auf Velos oder mit dem ÖV zur Arbeit fahren. So lautet das Fazit des ersten Verkehrsberichts.

Mit gutem Beispiel voran radelt die zuständige Berner Gemeinderätin Regula Rytz.

Mit gutem Beispiel voran radelt die zuständige Berner Gemeinderätin Regula Rytz.

(Bild: Urs Baumann)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Bern ist die einzige grössere Stadt der Schweiz, in der mehr Menschen arbeiten als wohnen (152'000 Arbeitstätige; 130'000 Einwohner). Der Pendlerstrom, der täglich die Stadt überschwemmt, umfasst 94'000 Leute. Jeden Werktag kommen sechsmal mehr Personen zur Arbeit nach Bern als aus der Stadt wegpendeln.

«Diese grosse Anzahl Pendler führen zu einem erheblichen Verkehrsaufkommen», steht im Verkehrsbericht, der gestern veröffentlicht wurde. Mehr noch: «Die Pendlerströme nehmen weiter zu. Der Druck wird erhöht. Die Verkehrsachsen haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht», sagt die zuständige Gemeinderätin Regula Rytz.

Deshalb legt die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün im erwähnten Bericht Strategien für die Zukunft fest. «Verkehrsfragen werden in Bern intensiv diskutiert», sagt Rytz. Der erstmals erstellte Verkehrsbericht solle zu einer Versachlichung der städtischen Verkehrspolitik beitragen und aufzeigen, dass viel erreicht worden sei. «Dass die Stadt als Wohnort immer attraktiver wird, hängt stark mit der Verkehrsentlastung der Quartiere zusammen», sagt Rytz.

Die Stossrichtung des Berichts lässt sich wie folgt zusammenfassen: mehr Fussgänger, mehr Velos, mehr ÖV – und weniger Autos. «Die prognostizierte Zunahme darf nicht zu einem Anstieg des motorisierten Individualverkehrs führen», sagt Regula Rytz. Diese Strategie sieht sie als ihren «politischen Auftrag». Eingaben aus den Quartierkommissionen, Vorstösse aus dem Stadtrat und Strategiepapiere des Gemeinderats würden dies verlangen.

Ziel: Doppelt so viele Velos

Das Ziel lautet, den Veloverkehr bis ins Jahr 2025 zu verdoppeln. Dazu sollen ein lückenloses Netz von Velowegen sowie zusätzliche Abstellplätze entstehen. Zudem will Rytz Einbahnstrassen für Velos öffnen. Mehr Einbahnstrassen soll es künftig für Autofahrer geben. Das Ziel ist eine Reduktion des Autoverkehrs um 10 Prozent bis 2015. Der Weg dazu sind neue Poller und Ampelsysteme. Dies kritisiert FDP-Stadtrat Mario Imhof, Mitglied der Verkehrskommission. «Die Verkehrsplaner kennen das Wort Auto nicht», sagt Imhof. Er habe nichts gegen den Ausbau der Velo- und ÖV-Infrastruktur. «Aber Autos werden seit zehn Jahren abgemurkst.»

Regula Rytz widerspricht. «Ich rede oft mit Nationalräten aus anderen Städten. Sie sagen mir: In Bern sei man als Autofahrer komfortabel unterwegs, es habe wenig Stau und die Parkhäuser seien schnell erreicht.»

Berner Zeitung

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