Ostermundigen

Jetzt heisst es Panayides gegen Iten

OstermundigenNorbert Riesen, der SP-Kandidat fürs Gemeindepräsidium, lag im ersten Wahlgang deutlich hinter Aliki Panayides (SVP) und Thomas Iten (parteilos). Er verzichtet deshalb auf den zweiten Wahlgang.

Aus drei werden zwei: Aliki Panayides (links) und Thomas Iten (rechts) treten nochmals an. Norbert Riesen (Mitte) wirft das Handtuch.

Aus drei werden zwei: Aliki Panayides (links) und Thomas Iten (rechts) treten nochmals an. Norbert Riesen (Mitte) wirft das Handtuch. Bild: Beat Mathys

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Die drei Kandidierenden für das Ostermundiger Gemeindepräsidium verbrachten den Sonntagnachmittag unterschiedlich. Während es sich Aliki Panayides (SVP) und Norbert Riesen (SP) daheim gemütlich machten, besuchte der parteilose Thomas Iten mit einer Schar von eigenen und befreundeten Kindern den Tierpark. Beim Schneeuhu erfuhr er per Handy das Resultat: Wie erwartet erreichte im ersten Wahlgang niemand das absolute Mehr. Panayides machte am meisten Stimmen – 1260 –, Iten (1193) landete knapp dahinter, während sich zu Norbert Riesen (876) eine Lücke auftat. Entsprechend erfreut reagierten die beiden Erstplatzierten. «Ich ging von einer ausgeglicheneren Stimmenverteilung aus», erklärte Panayides. «Nun gilt es, für den zweiten Wahlgang» – er findet am 16.Dezember statt – «möglichst gut zu mobilisieren.» Iten seinerseits war im ersten Moment «ein bisschen sprachlos», um dann anzufügen: «Das ist eine Motivationsspritze für den zweiten Wahlgang.»

«Es hat keinen Sinn»

Norbert Riesen machte derweil keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: «Der Abstand zu den anderen ist deutlich.» Er übernehme dafür, wie es seinem Naturell entspreche, die Verantwortung. Allein an ihm hat es aber kaum gelegen: Seine Partei, die SP, verlor bei den Gemeinderatswahlen ganze zehn Prozent Wähleranteil. Entsprechend getrübt war die Stimmung, als Riesen und der SP-Vorstand gestern Abend zusammensassen. Lange diskutierten sie – und kamen zum Schluss, dass Norbert Riesen nicht mehr zum zweiten Wahlgang antritt. Der Rückstand wäre kaum mehr aufzuholen gewesen, erklärten Riesen und SP-Präsident Jürg Schärer unisono.

Damit steigen die Wahlchancen von Thomas Iten. Als ehemaliges SP-Mitglied dürfte er mehr SP-Stimmen bekommen als Aliki Panayides. Offiziell gibt die SP aber keine Wahlempfehlung ab.

Drei Gemeinderäte abgewählt

Im Gemeinderat war die Ausgangslage ebenfalls spannend. Er wird von neun auf sieben Sitze reduziert, wobei acht Bisherige zur Wiederwahl antraten. Auch hier ist die SP mit neu nur noch drei Sitzen Verliererin. Ihr Bisheriger Andreas Thomann verpasste die Wahl, dafür schaffte es Norbert Riesen in den Rat. Mindestens ebenso schmerzhaft ist der Verlust für die CVP, die künftig nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist. Synes Ernst muss sein Amt damit abgeben. «Wir waren als Partei zu wenig stark, um den Wackelsitz halten zu können», sagte er. Ihre Sitze halten konnten die SVP, die beim Wähleranteil deutlich zulegte, sowie die FDP. Doch auch deren Bisheriger Peter Wegmann schaffte die Wiederwahl nicht. Dafür zieht der erst 24-jährige Henrik Schoop in den Gemeinderat ein. «Damit hätte ich nie gerechnet», sagte er, «für Peter Wegmann tut es mir aber sehr leid.»

Somit wäre der Gemeinderat komplett. Wäre. Denn sollte der parteilose Thomas Iten Gemeindepräsident werden, würde die SP nochmals verlieren. Da sie ihren dritten Sitz nur knapp erreicht hat, müsste sie für Iten einen Sitz abgeben. Rausfallen würde der drittbeste SPler: Norbert Riesen.

Resultate Gemeindepräsidium:
SVP: Aliki Panayides (1260 Stimmen). Parteilos: Thomas Iten (1193). SP: Norbert Riesen (876).

Gemeinderat:
SP/Grüne, gewählt: Ursula Lüthy (bisher, 1187 Stimmen), Regula Unteregger (bisher, 1179), Norbert Riesen (neu, 1128); Ersatz: Andreas Thomann (1061), Christian Zeyer (955), Bruno Grossniklaus (836), Rudolf Mahler (806).

SVP, gewählt: Aliki Panayides (bisher, 2137 Stimmen), Erich Blaser (bisher, 1843); Ersatz: Hans Peter Friedli (1041), Lucia Müller (864), Gerhard Zaugg (802).

EVP, gewählt: Gerhard Baumgartner (bisher, 1283); Ersatz: Rahel Wagner (505), Silvia Fels (487).

FDP, gewählt: Henrik Schoop (neu, 775); Ersatz: Peter Wegmann (668), Michael Werner (660).

CVP/GLP, nicht gewählt: Synes Ernst (510), Melanie Gasser (325), Eduard Rippstein (122), Markus Blaser (102), Sandra Löhrer (100).

Erstellt: 26.11.2012, 07:16 Uhr

Markus Zahno, Redaktor. (Bild: Beat Mathys)

Kommentar; Das Dilemma der SP

ie SP Ostermundigen musste gestern Abend zwischen zwei – für sie – schlechten Varianten entscheiden. Sollte sie Norbert Riesen trotz hoffnungslosem Rückstand in den zweiten Wahlgang schicken und dafür sorgen, dass sich Riesen sowie der ehemalige SPler Thomas Iten Stimmen abjagen? Dadurch hätten die Sozialdemokraten die SVPlerin Aliki Panayides womöglich zur neuen Gemeindepräsidentin gemacht. Oder sollte Riesen verzichten und damit Thomas Iten zur Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten verhelfen? Ausgerechnet jenem Mann, der der SP erst vor kurzem den Rücken gekehrt hat.

Dass sich die SP für diese zweite Variante entschieden hat, ist nachvollziehbar. Denn wenn Iten – und das ist jetzt wahrscheinlich – gewählt wird, verliert die SP zwar ihren dritten Sitz im Gemeinderat. Aber so verheizt sie erstens Riesen nicht. Und zeigt zweitens, dass es ihr wichtiger ist, jemanden an der Spitze der Gemeinde zu wissen, der ihren Positionen nahesteht.

Mail: markus.zahno@bernerzeitung.ch

Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog

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